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Mit Ideen Kundschaft überraschen

Trainerin Birgit Schönborn (M.) hat zum vorläufigen Abschluss des Zentrumstrainings in Elsterwerda an drei Tagen intensive individuelle Gespräche mit Geschäftsinhabern geführt. Ivonne Weser (r.), hier mit ihrer Herrenmaßschneiderin Kerstin Wiedemann, nimmt die Ratschläge gern an.
Trainerin Birgit Schönborn (M.) hat zum vorläufigen Abschluss des Zentrumstrainings in Elsterwerda an drei Tagen intensive individuelle Gespräche mit Geschäftsinhabern geführt. Ivonne Weser (r.), hier mit ihrer Herrenmaßschneiderin Kerstin Wiedemann, nimmt die Ratschläge gern an. FOTO: Manfred Feller
Elsterwerda/Bad Liebenwerda. Die rund 80 Händler, Gewerbetreibenden und Dienstleister in Bad Liebenwerda haben es getan und wollen dranbleiben. In Elsterwerda sind die ersten Schritte in Richtung einer lebendigeren Innenstadt zurückgelegt. Manfred Feller

Die eigentliche Arbeit für die Betreffenden beginnt jetzt. Denn die Mitbewerber beim Online-Handel, am Stadtrand und in der Nachbarschaft schlafen nicht.

"Ich bin immer offen für neue Ideen und Anregungen", begrüßt Geschäftsinhaberin Ivonne Weser das von der Kommune unterstützte Zentrumstraining in Elsterwerda. Sie hat mit dem "Frauenzimmer" und "Mann oh Mann" je zwei Modeläden in Elsterwerda und Großenhain. "Wir leben zu etwa 90 Prozent von Stammkunden", sagt sie. Doch mehr Einwohner als die ungefähr 18 000 werden es in dem Einzugsgebiet nicht. Im Gegenteil!

Der Anteil der Laufkundschaft ist nach Ansicht der Marketingexperten von der beauftragten Agentur Consilium aus Berlin zu gering. Die Anbieter welcher Leistung auch immer in der nicht gerade stark frequentierten Innenstadt müssen dort, wo es außerhalb starke Mitbewerber gibt, besser, nicht schneller sein. "Ich sollte nicht da konkurrieren, wo ich keine Chance habe", sagt Trainerin Birgit Schönborn vor allem mit Blick auf den Online-Handel.

Ein kleines Geschäft könne diese Auswahl gar nicht bieten, aber eine individuellere Beratung, spezielle Leistungen und Besonderheiten. Dies und vieles mehr hat Trainerin Birgit Schönborn in den freiwilligen individuellen Gesprächen mit den Inhabern in deren Geschäften herausgearbeitet.

Nicht jede Idee wird nach Aussage von Ivonne Weser auch angenommen. Zum Beispiel Termine für individuelle Beratungen außerhalb der Öffnungszeit. Nachgefragt seien dagegen der Mitnahmeservice (Anprobe zu Hause) und Schneiderleistungen. Ivonne Weser ist wie andere Geschäftsinhaber für jeden Hinweis dankbar und möchte das eine oder andere umsetzen, auch um neue Kunden zu gewinnen, sagt sie, die sich ein lebendigeres Zentrum wünscht. Denn eines sei klar: "Ohne die Geschäfte gibt es keine Stadt." Gerade Ältere ziehen wegen der kurzen Wege dorthin. Doch gerade im Zentrum fehlen die Frequenzbringer. Diese stehen am Stadtrand. Auch mangelt es am Flanier- und Aufenthaltsfluidum.

Marc Schwade von Consilium ist nach dem Abschluss von Workshops und Gesprächen überzeugt, dass es unter den Geschäftsleuten Gruppenaktivitäten geben wird. Einige werden sich daranmachen, ihr Geschäftsmodell zu verfeinern und ihre Außenwirkung zu stärken. "Nach zwei bis drei Monaten werden wir wieder anklopfen und nach den ersten Erfahrungen fragen", kündigt er an.

"Der Blick von außen auf unsere Stärken und Schwächen hat auf jeden Fall etwas gebracht", versichert Susann Kirst, Leiterin Kurortentwicklung in Bad Liebenwerda. Bei den Händlern und Dienstleistern sei ein neues Bewusstsein geweckt worden. "Die Ausgestaltung hat heute mehr Stil und ist liebevoller", hat sie auch als Einwohnerin und Kundin festgestellt. Zudem erhebt die Stadt vorerst für die Sondernutzung keine Gebühren. Das heißt, Stühle, Tische, Werbung und Waren stehen gratis im öffentlichen Raum.

"Es hat einen Ruck unter den Geschäftsleuten gegeben", ergänzt Kathleen Herbrig, Inhaberin eines Fotostudios in Bad Liebenwerda. Per E-Mail sind alle miteinander vernetzt. Der Informationsaustausch klappt.

Für sie selbst war der Besuch der Marketingfachleute das letzte Initial, um ihr Geschäft komplett umzubauen. Monatlich wird die Schaufensterdeko verändert. Wenn es warm ist, stehe die Tür einladend offen. "Ich mache die Leute neugierig, und sie nehmen es an", spricht sie den Elsterwerdaer Gewerbetreibenden Mut zur Veränderung zu.