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Mit dem Töpfchen zum Bach

Heidrun und Siegfried Lösche vom Heimatverein Hirschfeld blättern inmitten der historischen Sammelobjekte in der Heimatstube in der Vereinschronik. Foto: Gabi Böttcher
Heidrun und Siegfried Lösche vom Heimatverein Hirschfeld blättern inmitten der historischen Sammelobjekte in der Heimatstube in der Vereinschronik. Foto: Gabi Böttcher FOTO: Gabi Böttcher
Hirschfeld. Im Januar will Heidrun Lösche mit einem Spinnlehrgang starten. Die Vorsitzende des Heimatvereins Hirschfeld gehört gemeinsam mit Ehemann Siegfried zu den Einwohnern im Dorf, die unentwegt für die Gemeinschaft aktiv sind. Von Gabi Böttcher

Vom Jahr 2012 sprechen die Eheleute bereits als von „diesem Jahr“. Denn der Plan der wichtigsten Veranstaltungen, mit denen der Heimatverein das Dorfleben bereichern wird, steht. Seit 1998 ist Heidrun Lösche Vorsitzende des Vereins. Seinerzeit angeschoben durch eine AB-Maßnahme ins Leben gerufen, sprang Heidrun Lösche mangels anderer Bewerber in die Bresche und übernahm den Vorsitz des Vereins. Seitdem hat die Vereinsarbeit oberste Priorität. „Der Veranstaltungskalender 2012 ist voll“, erklärt die rührige 55-Jährige. Am gestrigen Freitag haben die Vereinsmitglieder bei ihrer eigenen Weihnachtsfeier gemeinsam mit aktiven Unterstützern das Jahr Revue passieren lassen. Da hatten sie schon ihr alljährlich stattfindendes Weihnachtsevent hinter sich, das seit ein paar Jahren rund um das Bürgerhaus veranstaltet wird. Kleine Ostern mit Eierkullern, Maibaumstellen, Oldtimertreffen, der Hobby- und Kreativmarkt Ende September und der weihnachtliche Höhepunkt für das ganze Dorf sind wieder fest geplant. Jüngstes Kind des Heimatvereins ist die Heimatstube, die regelmäßig durch neue Exponate ergänzt wird und für jedermann zugänglich ist. Dass die Familie ein großes Auto benötigt, ist für Siegfried Lösche schon wegen der großen Ladefläche klar. Ohne diese wäre es kaum möglich, das Zubehör für die vielen Gastspiele des Vereins bei Festen in der Region zu transportieren. Vom Spinnen über das Seilerhandwerk bis hin zum Milchdurchdrehen reicht die Präsentation der Hirschfelder. Dass sie dies in ihren historischen Schraden-Trachten tun, erhöht die Wirkung. 2001 hat Heidrun Lösche eigens für solche Auftritte das Spinnen gelernt. „Ich habe jeden Tag zu Hause geübt, bis ich den Dreh raushatte“, erzählt sie. Und weil sie mehrfach angesprochen wurde, ob man das Spinnen bei ihr auch erlernen könne, gibt es ab Januar einen Spinnlehrgang im Dorf. Kleine und große Leute können da mitmachen.

Kinder begeistert

Von ihrem Wissen über das Leben früherer Generationen profitiert die 55-Jährige auch, wenn Kita- oder Schulklassen in die Heimatstube kommen. Als sich in der Klasse ihrer Enkeltochter Widerstand regte, warum man denn schon den dritten Wandertag in die Heimatstube unternehmen sollte, war das für Heidrun Lösche eine Herausforderung. „Na, wartet mal ab, ob Euch das hier langweilig wird“, sagte sie sich. Mit einem eigens vorbereiteten Quiz konnten die Viertklässler am Ende des Tages ihr Wissen testen. Zuvor hatten sie gestaunt, wofür ein Topf unter dem Bett gut ist und dass man das Wasser für das Reinigen der Tafel nicht aus dem Wasserhahn holt, sondern bis zum Bach gehen musste. Was die Knirpse dann prompt nachempfinden konnten. Nach dieser anschaulichen Geschichtsreise vernahm sie die Begeisterung der Kinder als Dankeschön. Heidrun und Siegfried Lösche gehören zu den Motoren des Dorflebens. Zum 17. Mal gab die Vereinsvorsitzende bei der Seniorenweihnachtsfeier den Weihnachtsmann, beim 20. Geburtstag der Agrargenossenschaft buk sie mit ihren Frauen gut 1000 Plinsen, auch das Musikfest im Ort wird vom Heimatverein unterstützt. Ob denn da noch etwas Zeit für ganz private Unternehmungen bleibe? „Wenn wir wegfahren, dann mit dem Verein“, erzählt Siegfried Lösche von den legenden Ausflügen, bei denen die Hirschfelder in ihren historischen Kostümen in Pillnitz, Moritzburg oder an der Frauenkirche in Dresden für Aufsehen sorgten. In Pillnitz konnten sie dank ihres eindrucksvollen Auftritts die Parkplatzgebühr mit Fettbemmen und Eiern begleichen.

Auf einer Wellenlänge

„Es kommt niemand und macht was für uns. Wenn wir nicht selbst was für uns tun, dann versauern wir“, ist Heidrun Lösches Devise. Dass sie damit auf einer Wellenlänge mit ihrem Mann liegt, macht es für die beiden einfach, dem Heimatverein einen gewichtigen Platz in ihrem Leben einzuräumen. Und es bleibt sogar noch Zeit, den Rufen aus dem Nachbarort zu folgen und als Latsch & Bommel Jahr für Jahr mit einem einfallsreichen Bild den Karnevalsumzug in Plessa mitzugestalten.

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Zum ThemaDie RUNDSCHAU-Serie „Aller Ehren wert“ will von Menschen aus unserer Mitte erzählen, die mit ihrem Engagement oft hinter den Kulissen wirken. Die RUNDSCHAU will sie aus dem Schatten ins Licht holen. Wenn Sie unermüdliche Ehrenamtliche kennen, aufopferungsvolle Vereinsmitglieder oder einfach Menschen, die für andere da sind, melden Sie sich: Lausitzer Rundschau red.elsterwerda@lr-online.de; red.finsterwalde@lr-online.de oder red.herzberg@lr-online.de