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| 15:55 Uhr

Gewerkschaft NGG warnt:
Mini-Rente droht fast jedem Dritten in Elbe-Elster

 Wer lange gearbeitet, aber nur wenig verdient hat, der wird nicht mehr als eine Mini-Rente erhalten. Die Gewerkschaft NGG sieht eine zunehmende Altersarmut auch in Elbe-Elster.
Wer lange gearbeitet, aber nur wenig verdient hat, der wird nicht mehr als eine Mini-Rente erhalten. Die Gewerkschaft NGG sieht eine zunehmende Altersarmut auch in Elbe-Elster. FOTO: NGG-Region Berlin-Brandenburg
Elbe-Elster. Dem Landkreis Elbe-Elster droht Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Ungefähr 11 000 Arbeitnehmer im Landkreis Elbe-Elster würden, so, wie sie heute arbeiten, nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Dies sind immerhin etwa 30 Prozent aller Beschäftigten im Kreis.

Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liege in dieser Südbrandenburger Region bei aktuell 743 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

Demnach könnte die Anzahl armutsgefährdeter Rentner im Landkreis Elbe-Elster künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 13 000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut.

Sebastian Riesner, Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg, spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel“, warnt er. Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Sebastian Riesner. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Zugleich sieht die Gewerkschaft NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Sebastian Riesner. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten im Landkreis Elbe-Elster viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so der Gewerkschafter.

Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell rund jeder Zweite im Landkreis Elbe-Elster einen Rentenanspruch von weniger als 1000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass während der Rentenzeit etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, so Sebastian Riesner. Sein Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind darauf angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können“, heißt es abschließend.

(mf)