Denn dadurch hat sich in diesem Jahr auch die angepeilte Auslieferungsfrist der Baumschule um zwei Wochen auf Ende April verkürzt. „Die Hölzer müssen aus qualitativen Gründen vor dem Laubaustrieb an die Kunden geliefert werden“ , erklärt Lehmann. „Ansonsten würde zu viel Wasser über das Laubwerk verdunsten und die Hölzer müssten mit Erdballen ausgeliefert werden.“

Pellets aus Pappeln
Der Großteil der zwölf Arbeitskräfte wird jedoch derzeit in der neuen Produktionsstrecke für Pappelsteckhölzer eingesetzt. Die Produktion laufe seit drei Jahren, und auf der Plantage stünden derzeit 800 000 Stück. „Die Nachfrage ist zufriedenstellend, da die Pappeln als Energieholz genutzt und zu Pellets verarbeitet werden. Die Preise hierfür entwickeln sich weiterhin gut“ , so Carsten Lehmann. Die frühzeitig eingestellten Kräfte sind vornehmlich für den Zuschnitt der Pappeln zuständig. Daher betrachte er auch die längere Einsatzdauer der Saisonkräfte nicht als höheren Kostenaufwand für die Firma, sondern verweist auf die gute Auftragslage.
Immer noch wirken sich die von Kyrill verursachten Schäden und eine dadurch für die Baumschulen entstandene Sonderkonjunktur sowie die Rekultivierung der Braunkohleabbaugebiete positiv auf die Geschäftsergebnisse aus. „Die Auftragslage im Forstpflanzenbereich ist sehr gut.“ Außerdem seien Sachsen und Sachsen-Anhalt gute Kunden, in Brandenburg hingegen herrsche eine besondere Situation vor. „Die Landeswälder hier werden nach wie vor von den drei Landesbaumschulen beliefert. Da haben wir als private Unternehmer keine Chance“ , kritisiert Lehmann.

Mehr als Mindestlohn
Zu den bisher zwölf Beschäftigten werden in den nächsten Wochen noch zwischen zwölf und 20 weitere Arbeiter eingestellt, deren Verträge Ende April auslaufen. „Je nach Auftragslage kann aber kurzfristig verlängert werden.“ Die saisonale Arbeit wird größtenteils von Frauen verrichtet. „Viele der Helfer arbeiten regelmäßig bei uns. Alle stammen aus Bad Liebenwerda und Umgebung“ , so Lehmann. Andere Baumschulen, vor allem in den Altländern, beschäftigen Leute aus Osteuropa. „Doch wir konnten bisher unsere eigenen Kräfte einsetzen, weil im Elbe-Elster-Kreis kein vergleichbarer Preisdruck besteht.“ In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass die Saisonhelfer mit ihrem Stundenverdienst über dem Mindestlohn lägen, der allerdings nur 4,20 Euro beträgt.

Bäume brauchen Ruhe
Die Baumschule mit ihren 64 Festangestellten und einer Fläche von 120 Hektar wird in absehbarer Zeit weitere Unkosten in Kauf nehmen müssen, um sich auf die Klimaveränderung einzustellen. „Wir planen 2009 den Bau eines Kühlhauses, für das wir etwa 500 000 Euro veranschlagen“ , sagt der „Fürst Pückler“ -Geschäftsführer. Die Investition sei notwendig geworden, weil die winterliche Vegetationsruhe für die Hölzer wegen der gestiegenen Temperaturen nicht mehr gegeben sei. „Für eine gute Keimung brauchen die Pflanzen im Winter richtigen Bodenfrost über 14 Tage. Doch da spielt die Natur häufig nicht mit.“
Ein Spätfrost gegen Ende April könnte hingegen für den Unternehmer existenzbedrohend wirken. „Wir verfügen hier etwa über einen Pflanzenwert von 1 Million Euro. Ein später Wintereinbruch könnte 50 Prozent des Wertes vernichten.“ Die Summe, die man für eine effektive Versicherung hinblättern müsste, wäre nicht aufzubringen.
So stellen die sich ändernden Klimabedingungen nicht nur für die Pflanzen einen gestiegenen Stressfaktor dar, sondern auch die Menschen, die von ihnen leben, sind den Launen der Natur ausgeliefert.