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| 19:10 Uhr

Getreideernte 2017 im Landkreis Elbe-Elster
Miese Ernte macht Bauern zu schaffen

Die zweite Biogasanlage der Agrar GmbH Lebusa steht in Hohenbucko und geht demnächst in Betrieb. Im Bild von links: Agrar-Geschäftsführer David Hagen, Michael Lehmann, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, und Agrar-Geschäftsführer Stefan Buchheim.
Die zweite Biogasanlage der Agrar GmbH Lebusa steht in Hohenbucko und geht demnächst in Betrieb. Im Bild von links: Agrar-Geschäftsführer David Hagen, Michael Lehmann, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, und Agrar-Geschäftsführer Stefan Buchheim. FOTO: Manfred Feller / LR
Elbe-Elster. Die Getreideerträge liegen deutlich unterm Durchschnitt vergangener Jahre. Aus Berlin ziehen dunkle Wolken heran. Von Manfred Feller

Die diesjährige Getreideernte im Landkreis möchten die vielen Landwirte am liebsten abhaken. Können sie aber nicht, denn die Mindererträge werden noch einige Zeit finanziell nachwirken und müssen innerbetrieblich kompensiert werden.

Die Zahlen im Landkreis sind ernüchternd. „Beim Getreide insgesamt liegen wir mit 48 Dezitonnen je Hektar im unteren Durchschnitt der vergangenen drei Jahre“, resümiert Michael Lehmann. Er hat zum 1. November die Nachfolge von Brigitte Villmow als Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster angetreten. Der Diplom-Agraringenieur aus Proßmarke war seit September Stellvertreter und zuvor landwirtschaftlicher Fachberater in der Versicherungs- und Vermittlungsgesellschaft (VVB) des Landesbauernverbandes Brandenburg.

Die einzelnen Durchschnittserträge im Landkreis sehen so aus: Winterweizen 56 dt/ha, Winterroggen 38, Wintergerste 55, Wintertriticale 43, Sommerhafer 34, Sommergerste 62 und Winterraps 25. Dagegen hat der Mais mit durchschnittlich 326 dt/ha vom späteren Regen enorm profitiert.

Die Agrar GmbH Lebusa mit etwa 1800 Hektar Nutzfläche reiht sich mit ihren Erträgen in diese nicht gerade berauschenden Zahlen ein, verrät Stefan Buchheim, Mit-Geschäftsführer und Leiter Pflanzenproduktion: 240 ha Weizen 62 dt/ha (Ziel waren 75), 270 Hektar Roggen 42 dt/ha (60), 225 Hektar Wintergerste 52 dt/ha (65), 215 Hek- tar Winterraps 29.5 dt/ha (40) und 90 Hektar Wintertriticale 43 dt/ha (65). Allein auf den 370 Hektar Maisflächen wurde mit 340 dt/ha deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre für die Biogasanlage, die eigenen Tiere und den Verkauf gehäckselt. Die Agrar GmbH hat bzw. hatte noch 260 Hektar Dauergrünland, 35 Hektar Ackergras, 25 Hek- tar Sudangras und zehn Hektar Sommerhafer. Der Rest sind ökologische Vorrangflächen.

Das Sudangras ist eine alternative zum Mais für Biogasanlagen, weil auf diesen Schlägen die Wildschäden deutlich geringer seien. Die Lebusaer haben ihr Sudangras dieses Jahr komplett an das Biomasseforschungszentrum in Leipzig verkauft.

Insgesamt habe die Agrar GmbH etwa 4000 Tonnen Getreide geerntet. Rund 600 Tonnen werden verfüttert, alles andere ging oder geht  in den Verkauf. Etwa die Hälfte des Weizens wurde in der Hoffnung auf bald steigende Preise eingelagert. Insgesamt seien die Preise in diesem Jahr etwas besser gewesen.

Der Ertragsdurchschnitt der Wintergetreidearten in den vergangenen fünf Jahren lag bei 62 dt/ha. 2016 waren es gar 71 dt/ha und dieses Jahr nur 49 dt/ha.

Entsprechend fällt das Erntefazit von Stefan Buchheim stellvertretend für die meisten Landwirtschaftsbetriebe nicht gut aus: „Finanziell fehlt uns schon was zu den Vorjahren, auch wenn der Mais den Ertrag ein wenig aufbessert.“ Kompensiert werden die Einbußen innerbetrieblich, teilweise auch durch erfolgte Einsparungen beim Pflanzenschutz und beim Einkauf.

Ursache der allgemeinen Misere war, so Stefan Buchheim, das kühle und sonnenarme Frühjahr: „Die Kulturen kamen spät in Schwung. Im Mai und Juni hat dann die Trockenheit vor allem den Roggen und die Gerste ausgebremst.“ Dagegen habe der später kommende Weizen vom Regen profitiert.

Etwas besser sieht es in der Tierproduktion aus, sagt deren Leiter und Mit-Geschäftsführer der Agrar GmbH Lebusa David Hagen: „2016 hat die Pflanzen- die Tierproduktion gestützt, dieses Jahr ist es umgekehrt.“ In Kolpin (Teltow-Fläming) stehen 330 melkende Kühe (Holsteiner und das deutsche schwarzbunte Niederungsrind), plus 260 Nachzuchttiere. In Hohenbucko befinden sich die Jungrinderaufzucht mit 250 und die Bullenmast mit 180 Tieren.

Die wie bei der Milch diktierten Fleischpreise seien aktuell gut. Der Grundpreis bei der Milch beträgt 37,5 Cent je Liter. Hinzu kämen Mengen- und Qualitätszuschlag sowie die Rauf- oder Runterkorrektur bei Fett und Eiweiß. „Mit dem derzeitigen Preis kann man leben“, weiß David Hagen nur zu gut, dass es schon sehr schlechte Zeiten gegeben hat. „Es reicht aber nicht, um große Rücklagen zu bilden oder die Löcher zu stopfen, die der schlechte Milchpreis vergangener Jahre gerissen hat“, ergänzt Stefan Buchheim. Viele Betriebe bräuchten aber die Mehreinnahmen, um ihre Investitionen abzuzahlen. Die schlechte Nachricht: Der Milchpreis sinke wieder leicht. Das heißt auch, die Butter sollte günstiger werden.

Eine Konstante unter all diesen Unsicherheitsfaktoren sind die Biogasanlagen. Die Agrar GmbH Lebusa nimmt demnächst ihre zweite in Betrieb.

Unabhängig von all dem Auf und Ab gilt seit dem 1. November in der Landwirtschaft der Mindestlohn von 9,10 Euro die Stunde (bisher 8,64). Zum Grundlohn für die 30 Beschäftigten (darunter fünf Frauen, geringfügig Beschäftigte und ein Azubi) der Agrar GmbH kommen ein Tankgutschein über 44 Euro, eine Erholungsbeihilfe (kleines Urlaubsgeld), Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit und eine Leistungszulage in Abhängigkeit vom Betriebsergebnis als 13. Monatsgehalt hinzu.

Mit Blick auf die Verhandlungen der möglichen Koalition in Berlin sehen die Landwirte dunkle Wolken aufziehen. David Hagen und Stefan Buchheim erwarten höhere Umweltstandards und damit zusätzliche Kosten und Investitionen sowie trotz der hohen Auflagen in Deutschland eine weitere Einschränkung beim Pflanzenschutz und damit Wettbewerbsnachteile gegenüber Agrarimporten. „Die Politik nimmt uns den Spaß an der Landwirtschaft“, sagt David Hagen.

Deutlicher wird Michael Lehmann: „Es wird noch schlimmer, wenn wir einen grünen Landwirtschaftsminister bekommen.“ Obwohl große Betriebe wirtschaftlicher seien, sieht er gerade diese in Gefahr. Sie befinden sich vornehmlich im Osten Deutschlands.

Mit dem leistungsstarken Häcksel war dieser Maisschlag der Agrargenossenschaft Oppelhain bei Gorden im Oktober zügig abgeerntet. Die Erträge bei dieser Feldfrucht liegen deutlich über denen der Vorjahre.
Mit dem leistungsstarken Häcksel war dieser Maisschlag der Agrargenossenschaft Oppelhain bei Gorden im Oktober zügig abgeerntet. Die Erträge bei dieser Feldfrucht liegen deutlich über denen der Vorjahre. FOTO: Manfred Feller / LR