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| 16:57 Uhr

Reaktion
Hochwassergefahr ist noch lange nicht gebannt für Bad Liebenwerda

Der linke Deich der Kleinen Röder oberhalb der Mündung in die Schwarze Elster ist teilweise zerstört und damit eine Gefahr für die Kurstadt.
Der linke Deich der Kleinen Röder oberhalb der Mündung in die Schwarze Elster ist teilweise zerstört und damit eine Gefahr für die Kurstadt. FOTO: Lutz Haberecht
Bad Liebenwerda. Zum Beitrag „Elster plagt sich mit alten Sturmschäden“ (LR vom 7. November) schreibt Lutz Haberecht* aus Bad Liebenwerda:

Nein, die Hochwassergefahr für Bad Liebenwerda ist noch lange nicht gebannt! Der RUNDSCHAUArtikel zu den Deich- und Gewässerschauen entlang der Schwarzen Elster in Elbe-Elster lässt die Leser in scheinbarer Sicherheit wiegen. Gewiss sind viele Sturmschäden an den Hauptdeichen der Schwarzen Elster beseitigt worden. Der Deich am Mühlgraben wurde ebenso wie der oberhalb liegende linke Deich dieses Flusses bis zur Einmündung der Kleinen Röder beziehungsweise der Ortsumgehungsbrücke kürzlich durch Massenauftrag profiliert und damit ein wenig standsicherer gemacht.

Aber wie sieht es mit den Rückstaudeichen der Kleinen Röder im Mündungsbereich in die Schwarze Elster bis Zobersdorf aus? Dieser Deich hat für die Hochwassersicherheit der Kurstadt die gleiche Bedeutung wie der Hauptdeich der Schwarzen Elster oberhalb des Wehres, weswegen schon im Generalplan Hochwasserschutz der Schwarzen Elster (Landesumweltamt Cottbus, 2002) dringende Lösungen aufgezeigt wurden.

Augenscheinlich wird dieser linke Rückstaudeich seit Jahren bei Deichschauen außer Acht gelassen. Wie kann es sonst sein, dass die Deichkrone durch Befahren mit vermutlich schwerem landwirtschaftlichen Gerät auf längerer Strecke bis zu 0,4 Meter abgesenkt wurde und als eigentliche Deichkrone nur rund 0,6 Meter Breite zur Verfügung stehen und das schon seit Jahren? Was das bei Extremhochwasser für die Standsicherheit des Deiches bedeutet, kann sich jeder Laie ausmalen, abgesehen davon, dass dieser Deichabschnitt für ein 100-jährliches Hochwasser ohnehin nicht die erforderliche Höhe aufweist.

Beim Referat Hochwasserschutz des Landesamtes für Umwelt (LFU) Brandenburg laufen seit Jahren die Planungen für die Rückverlegung der Deichstrecken vom Mühlgraben oberhalb der Kleingartenanlage, von Schwarzer Elster und Kleiner Röder bis nach Zobersdorf.

Nach Ausweisung der „Aktuellen Hochwasserschutz-Vorhaben an der Schwarzen Elster des Referates Hochwasserschutz, Investiver Wasserbau, 10. September 2018“ im Internet ist die Entwurfs- und Genehmigungsplanung unter der Bezeichnung „HWS Elsteraue KR 3l“ abgeschlossen, der Antrag auf Planfeststellung im Jahre 2018 gestellt worden.

Wann der Neubau des 1900 Meter langen Deiches erfolgt, ist den Unterlagen des LfU nicht zu entnehmen. Kann man bis dahin den alten Deich der Kleinen Röder mit gutem Gewissen so liegen lassen und der Gefahr ins Auge sehen? Ich meine, nein! Wann das nächste Hochwasser kommt, weiß niemand. Eine minimale Deichreparatur scheint hier dringend erforderlich.

*Lutz Haberecht hat an der TU Dresden studiert, ist Diplom-Ingenieur für Wasserbau und im Ruhestand. Er hat nach eigener Aussage an rund 60 Deich-Kilometern der Oder mitgeplant. Darüber hinaus auch an der Elbe und der Schwarzen Elster. An den beiden großen Flüssen sei viel realisiert worden, an der Elster kaum etwas.