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| 02:45 Uhr

Mehr als hundertmal ausgerückt

Mit der Medaille für treue Dienste in Gold geehrt: Herbert Koj (vorn r.) und Siegmar Pötzsch (vorn l.). Hinten von links: Bürgermeister Dieter Herrchen, Stadtwehrführer Uwe Petersen und Löschzugführer Daniel Neubert.
Mit der Medaille für treue Dienste in Gold geehrt: Herbert Koj (vorn r.) und Siegmar Pötzsch (vorn l.). Hinten von links: Bürgermeister Dieter Herrchen, Stadtwehrführer Uwe Petersen und Löschzugführer Daniel Neubert. FOTO: Sattler/sam1
Elsterwerda. Mit einer Schweigeminute gedachten die Floriansjünger der Freiwilligen Feuerwehr Elsterwerda bei der Jahreshauptversammlung ihrer verstorbenen Kameraden. Stadtwehrführer Uwe Petersen bedankte sich bei allen Kameraden und Kameradinnen für die im vorigen Jahr gezeigte Einsatzbereitschaft und für das Engagement in den Reihen der Feuerwehr. Mirko Sattler / sam1

Zu 107 Einsätzen war die Wehr im Jahr 2016 ausgerückt. Das sind neun mehr als im Jahr zuvor. Mit 82 Einsätzen leistete der Löschzug Elsterwerda den größten Anteil an den insgesamt 1526 Einsatzstunden - gefolgt von der Ortswehr Kraupa (15 Einsätze) und der Wehr aus Biehla (10).

"107 Alarmierungen bedeuten aber auch eine Verdopplung der Einsatzkilometer. 50 Brand- und 57 technische Hilfeleistungseinsätze - das sind 1945 Kilometer Fahrweg. Geschuldet ist dieser Umstand der Tatsache, dass unsere Kameraden viele auswärtige Einsätze zu bewältigen hatten oder mit mehreren Fahrzeugen ausrücken mussten", so Stadtwehrführer Petersen vor der versammelten Mannschaft.

Der wohl größte und spektakulärste Einsatz der Feuerwehr Elsterwerda war nach Worten von Uwe Petersen der Wohnungsbrand in der westlichen Feldmark am 11. Januar vergangenen Jahres. Zu einer Zeit, da viele Kameraden auswärts beruflich unterwegs waren, konnte die Feuerwehr innerhalb von einer Viertelstunde die Brandbekämpfung dennoch mit 22 Kameraden vornehmen. Im gesamten Einsatzverlauf waren 30 Kameraden ausgerückt. "Der Brand erforderte aufgrund seiner Ausdehnung die Nachalarmierung überörtlicher Kräfte, wie zum Beispiel den Hubsteiger aus Bad Liebenwerda, der den Löschangriff von der Hofseite durchführte. Dank der professionellen Einsatzleitung und dem besonnenen Vorgehen der Einsatzkräfte konnte ein noch größerer Schaden als ohnehin schon entstanden verhindert werden", resümierte der Feuerwehrchef.

Doch nicht nur Brände galt es zu löschen. Stellvertretend für die vielen technischen Hilfeleistungen der Feuerwehr Elsterwerda im Vorjahr sei hier nur die Tierrettung in Plessa zu erwähnen. Der zähe Schlamm des Hammergrabens verhinderte, dass sich das Pferd selbst aus seiner misslichen Lage im Gewässer befreien konnte. Mithilfe von mehreren Tierärzten und der Muskelkraft der Plessaer und Elsterwerdaer Floriansjünger wurde das Tier sprichwörtlich aus dem Schlamassel gezogen.

Wie schon andere Wehren in den vergangenen Jahren, so bemängelte der Elsterwerdaer Stadtwehrführer Petersen die geringe Motivation der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz, Lehrgänge, wie zum Beispiel zum Thema Gefahrgut, anzubieten. "Nur allein aus unseren Reihen könnten wir sofort mindestens sechs Kameraden nach Eisenhüttenstadt schicken. Von den beantragten Lehrgängen wurden nur vier bewilligt. In diesem Zusammenhang möchte ich mich beim Kreisbrandmeister und seinen Stellvertretern für die kurzfristige Organisation von drei weiteren Lehrgängen bedanken", so Petersen.

Das Thema Gefahrgut nimmt in diesem Jahr einen höheren Stellenwert in der Feuerwehr des Elsterstädtchens ein. Ab September wird, sofern es keine Verzögerungen beim Bau des Gerätewagens "Gefahrgut" gibt, die Gefahrstoff-einheit Elbe-Elster in die Feuerwehr Elsterwerda integriert und deckt damit den südlichen Landkreis bei Gefahrstoffeinsätzen ab.

Der oberste Dienstherr der Elsterwerdaer Floriansjünger, Bürgermeister Dieter Herrchen, lobte in seinem Grußwort die Einsatzbereitschaft. "Die Feuerwehr ist das einzige Ehrenamt, bei dem Pflichtaufgaben geleistet werden. Dafür ist ein Dankeschön immer angebracht", würdigte das Stadtoberhaupt das unermüdliche Engagement.

Mit dem Segen der Stadtverordnetenversammlung investierte Elsterwerda im vorigen Jahr 45 000 Euro in die Feuerwehr. Mit diesem Geld konnten zum Beispiel eine neue Motorsäge, ein Stabilisierungssystem für verunfallte Fahrzeuge, zwei Mittelschaumpistolen, eine Schleifkorbtrage für die neue Drehleiter sowie neue Einsatzbekleidung angeschafft werden. Zusätzlich investierte die Stadtverwaltung rund 26 500 Euro in den Erhalt der drei Gerätehäuser.

Trotz 60-prozentiger Förderung durch das Land Brandenburg steuerte die Stadt Elsterwerda reichlich Geld für das Hubrettungsfahrzeug DLA (K) 23-12 bei. In Summe habe die Feuerwehr aus dem Stadthaushalt knapp 350 000 Euro erhalten.

Bürgermeister Dieter Herrchen, der nach 15 Jahren als Bürgermeister und oberster Feuerwehrchef nicht mehr zur Wahl antreten wird, erhielt unter anhaltendem Applaus der anwesenden Kameraden die Ehrenmitgliedschaft der Freiwilligen Feuerwehr Elsterwerda verliehen.

Nach der gut zweieinhalbstündigen Mitgliederversammlung konnte nicht wie gewohnt ein wenig gefeiert werden. Pünktlich mit den letzten Worten des Stadtwehrführers Uwe Petersen schrillten die digitalen Meldeempfänger und meldeten, dass die Brandmeldeanlage im Elsterwerdaer Klinikum ausgelöst hat.