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| 02:47 Uhr

Mehr als 76 Millionen Datensätze ausgewertet

Rückersdorf. Seit März 2013 testet der enviaM-Netzbetreiber Mitnetz Strom in Rückersdorf sogenannte intelligente Stromzähler, um daraus Rückschlüsse auf das Verbraucherverhalten und entsprechende Auswirkungen in einem Niederspannungsnetz zu ziehen. Am Dienstagabend wurde im Gemeindezentrum im Rückersdorfer Ortsteil Oppelhain der bisherige Verlauf des brandenburgweit einzigartigen Pilotprojektes als voller Erfolg gewertet. leh

"Das Projekt ermöglich uns wie erhofft einen guten Einblick in den Zustand und das Verhalten des Niederspannungsnetzes vor Ort", zeigte sich Projektleiter Dr. Sebastian Lissek zufrieden.

109 intelligente Stromzähler wurden für eine auf drei Jahre angelegte Feldstudie in privaten Haushalten, bei Unternehmen und kommunalen Einrichtungen eingebaut. So gewinnt der Netzbetreiber Daten, die für Planung, Ausbau und Verstärkung der Ortsnetze im Zuge der Energiewende notwendig sind.

Die Messsysteme lieferten bislang täglich mehr als 150 000 Datensätze. Damit sind seit Beginn des Feldtests mehr als 76 Millionen Datensätze ausgewertet worden. "Eine riesige Herausforderung an uns. Ein gemeinsam mit der Hochschule Mittweida entwickeltes Datenbanksystem hilft uns dabei", sagte Lissek. Der milde Winter lasse insbesondere auf diese Monate noch keine echten Rückschlüsse zu. Hier baut Lissek auf den Winter 2014/15.

Erkenntnis Nummer eins: Die am Feldtest beteiligten Haushalte verbrauchen deutlich weniger Strom zur gleichen Zeit. Das heißt: Das Ortsnetz hat weitaus mehr Reserven für die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien als ursprünglich berechnet.

Erkenntnis Nummer zwei: Durch die angeschlossenen Photovoltaikanlagen wird das Netz sehr ungleichmäßig ausgelastet. Das liege weniger am Wetter. Es sei technisch bedingt, weil durch die Photovoltaikanlagen in der Regel nur einer der drei im Niederspannungsnetz befindlichen Leiter belastet wird. Dies könne zu einer teilweisen Überspannung führen und Geräte schädigen, obwohl die maximale Übertragungsleistung längst nicht erreicht sei. Hier müsse künftig auf Ausgewogenheit geachtet werden, ohne dass das Netz schon ausgebaut werden muss.

Erkenntnis Nummer drei: Nur knapp die Hälfte der teilnehmenden Haushalte nutzt bislang die Möglichkeit, ihren Stromverbrauch am heimischen Computer zu verfolgen. Ein Bruchteil davon hat sein Verbauchsverhalten nennenswert geändert oder sich energieeffizientere Geräte angeschafft. Lissek: "Unsere Beobachtung ist, dass die intelligenten Stromzähler allein offenbar noch keinen Bewusstseinswandel beim Verbraucher auslösen."