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Megatunnel durchs Erzgebirge

Haben gestern im Dresdner Hauptbahnhof die neue Trasse nach Prag vorgestellt: Eckart Fricke, DB-Konzernbevollmächtigter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Jirí Kudela, Tschechiens Generalkonsul mit Sitz in Dresden (zuständig für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen), Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) und Alexander Kaczmarek, DB-Konzernbeauftragter Berlin (v.l.).
Haben gestern im Dresdner Hauptbahnhof die neue Trasse nach Prag vorgestellt: Eckart Fricke, DB-Konzernbevollmächtigter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Jirí Kudela, Tschechiens Generalkonsul mit Sitz in Dresden (zuständig für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen), Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) und Alexander Kaczmarek, DB-Konzernbeauftragter Berlin (v.l.). FOTO: Frank Claus
Dresden. Der Ausbau der insgesamt 125 Kilometer langen ersten Baustufe der Bahnstrecke Berlin – Dresden hat Fahrt aufgenommen. Der Freistaat Sachsen nutzt die Chance, legt eine Schippe drauf und hat gestern die Pläne für den Neubau der Strecke Dresden – Prag vorgelegt. Kernstück auf neuer Trasse ist ein 26,5 Kilometer langer Tunnel durch das Erzgebirge.

Seit 2008 bemüht sich der Freistaat Sachsen in Verbund mit seinen tschechischen Nachbarn und mit Rückendeckung der zuständigen EU-Kommission um eine leistungsfähigere Schienenverbindung von Dresden nach Prag. Denn die alte, vor mehr als 150 Jahren errichtete Strecke entlang der Elbe und durch das Elbsandsteingebirge stößt an ihre Kapazitätsgrenzen. Täglich verkehren etwa 200 Züge durch das Elbtal. Ein Ausbau auf bestehender Trasse ist aus vielerlei, vor allem topografischen Gründen, nicht realisierbar. Mit der Neubaustrecke soll die Reisezeit im Personenverkehr zwischen Dresden und Prag von derzeit etwas mehr als zwei Stunden (135 Minuten) auf 52 Minuten und damit auf unter eine Stunde gedrückt werden. Die Kapazität für den Güterverkehr soll sich verdoppeln. Deutlich verringern soll sich die jetzt von Anwohnern an der Strecke permanent kritisierte Lärmbelastung an der Strecke. Und die neue Bahnlinie soll vor allem auch eins sein: sicher vor Hochwassern, die inklusive des Jahrhunderthochwassers 2002 weitere drei Mal für teils verheerende Schäden gesorgt haben.

Schnell durch den Berg

Die neue Trasse zweigt unmittelbar hinter Pirna bei Heidenau aus der bestehenden Trasse ab, quert das Seidewitztal und führt abseits des Bahre- und des Gottleubatals mit den Kurbädern in Berggießhübel und Bad Gottleuba in Richtung tschechische Grenze. Bedeutendstes Bauwerk auf dieser Strecke ist der grenzüberschreitende 26,53 Kilometer lange Erzgebirgsbasistunnel, der auf deutscher Seite 15,1 Kilometer und auf tschechischer Seite 11,43 Kilometer verläuft. Bereits hinter Heidenau wird es zwei weitere, etwa einen Kilometer lange Tunnel geben. Das Seidewitztal soll eine Talbrücke überspannen. Die Neubaustrecke zwischen Heidenau und Ústí nad Labem beträgt 42,8 Kilometer.

Vorteil der neuen Verbindung: Der Personennahverkehr bleibt auf dem jetzigen, von Touristen besonders geschätzten Trassenverlauf - der Personenfernverkehr und der Güterverkehr werden über die neue Trasse geführt.

Auf tschechischer Seite sind enorme Investitionen geplant. Dort soll zwischen Usti und Prag eine neue Strecke für Geschwindigkeiten bis 350 Kilometer pro Stunde gebaut werden. Auf deutscher Seite werden die geplanten Investitionskosten gegenwärtig laut sächsischer Staatsregierung auf etwa 1,3 Millarden Euro veranschlagt.

Vorausgesetzt, das Vorhaben kommt jetzt noch in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans, ist ein Baubeginn im Jahr 2028 und die Inbetriebnahme im Jahr 2035 denkbar, so die sächsische Seite.

In Briefen an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und an Ronald Pofalla (CDU), Vorstandsmitglied der DB AG, habe sich Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) mehrfach für die Aufnahme der sächsischen Schienenprojekte in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes 2030 ausgesprochen und die Bedeutung der Vorhaben bekräftigt.

Allerhöchste Priorität

Für den Freistaat Sachsen, so der Minister gestern beim Termin im Dresdner Hauptbahnhof, habe die Neubaustrecke Dresden - Prag allerhöchste Bedeutung. Dulig: "Nachdem das Ausbauvorhaben Dresden - Berlin durch die gemeinsamen Bemühungen nun entscheidend vorangekommen ist und mit der Umsetzungsphase begonnen wurde, ist es nur konsequent, in der Fortsetzung dieser Verbindung auch den Engpass zwischen Dresden und Ústí nad Labem anzugehen und so die transeuropäische Trasse auszubauen." Dabei wisse er, dass es sich bei diesem Projekt um eine Generationenaufgabe handelt: "Gerade wegen der langen Planungs- und Umsetzungszeiten müssen wir jetzt die nächsten Schritte gehen und wollen nach einer Aufnahme in den Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes 2030 sowohl den erforderlichen Staatsvertrag mit der Tschechischen Republik abschließen als auch mit den konkreten Planungen beginnen", so Verkehrsminister Martin Dulig.

Rückendeckung bekommt er von Jirí Kudela, Tschechiens Generalkonsul mit Sitz in Dresden und zuständig für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: "Sachsen ist für uns das Tor zum Westen. Und eigentlich kommt der Ausbau schon jetzt viel zu spät." Wie bedeutsam der Schienen-Grenzübergang ist, erläutert Eckart Fricke, DB-Konzernbevollmächtigter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: "Das ist in Deutschland nach dem Rheintal in Richtung Basel der mit dem zweithöchsten Zugaufkommen."

Zum Thema:
Die Strecke Berlin-Dresden-Prag ist Bestandteil des transeuropäischen Verkehrsnetzes Orient/Östliches Mittelmeer und verbindet Mitteleuropa mit den Schnittstellen an Nord- und Ostsee und denen am Schwarzen Meer und am Mittelmeer.