ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:28 Uhr

Massiver Absatzeinbruch im Kieswerk

Anlagenfahrer Steffen Jahre vor der alten Siebanlage (im Hintergrund), die nach Angaben der Firma bereits verkauft ist und im Laufe des Jahres demontiert werden soll. Davor ist bereits die neue mobile Anlage zu sehen, die direkt am Abbaufeld stehen wird. Fotos: Mona Claus
Anlagenfahrer Steffen Jahre vor der alten Siebanlage (im Hintergrund), die nach Angaben der Firma bereits verkauft ist und im Laufe des Jahres demontiert werden soll. Davor ist bereits die neue mobile Anlage zu sehen, die direkt am Abbaufeld stehen wird. Fotos: Mona Claus
Zeischa. Es ist das, was man einen radikalen Schnitt nennt. In der Weiland GmbH in Zeischa werden sämtliche Produktionsanlagen zurückgebaut. Die mächtige Siebanlage gehört ebenso dazu wie die Bandanlage, und sogar der Schwimmbagger geht nicht mehr in Betrieb. Im Gegenzug soll mit einer wesentlich kleineren, mobilen Anlage weiter abgebaut werden. Grund ist ein massiver Absatzeinbruch. Etwa 70 Prozent weniger Kiese und Sande werden heute nach Firmenangaben im Vergleich zu 2007 verkauft. Von Frank Claus

Es ist still geworden im Kieswerk neben dem Zeischaer Waldbad. Wo früher ohne Unterlass Kies in Waggons und auf Lkw verladen wurde, muss man heute Geduld aufbringen, bis mal wieder ein Brummi um die Ecke biegt, um sich den Baugrundstoff abzuholen. Anlagenfahrer Steffen Jahre, der zugleich auch den großen Radlader steuert, ist einer der letzten verbliebenen Mitarbeiter. Neben Werkleiter Jürgen Thiemig sitzen nur noch zwei Leutchen im Büro. Gut 50 000 Tonnen Kiese und Sande in verschiedenen Körnungen liegen noch zu Riesenhügeln aufgeschüttet für den Verkauf bereit.Der Betriebsleiter schimpft: "Wir könnten locker noch weiterproduzieren, wenn die Politik ihre Hausaufgaben gemacht hätte. Doch beim Konjunkturpaket ist doch nischt für den Baubereich vorbereitet." Und gerade der liege bundesweit am Boden. Jürgen Thiemig und Mirko Schüring, Letzterer ist Inhaber der Weiland GmbH, hatten mit dem seit Langem versprochenen Bau der Bad Liebenwerdaer Ortsumfahrung geliebäugelt. "2009 sollte der ja mal losgehen, jetzt spricht man schon von Ende 2011, und wer weiß, ob das dann wirklich kommt", sagt Thiemig. Zwischen 200- und 300 000 Tonnen Kies würde der Bau vermutlich verschlingen. Vorausgesetzt, die Zeischaer hätten den Zuschlag für den Auftrag bekommen, ein echtes Schnäppchen für das Unternehmen.Schließlich hatte vor 120 Jahren mit dem Straßenbau auch die Erfolgsgeschichte der Firma begonnen. Carl Weiland habe im 19. Jahrhundert zunächst weitgehend mittellos in der heutigen "Hafenschänke" in Liebenwerda gearbeitet, ehe er begann, Kies für den Straßenbau der heutigen B 101 zu verkaufen. Im Winter baute er den Baustoff bei Zeischa ab und lagerte ihn am Straßenverlauf, sodass im Sommer ohne Zeitverzug gearbeitet werden konnte. Diese logistische Leistung verhalf ihm zu weiteren Aufträgen, etwa beim Bau der Bahnstrecken zwischen Liebenwerda und Wahrenbrück, bei Ruhland und bei Falkenberg.Weil große Bauprojekte in der Region schon längst dem berühmten Sechser im Lotto gleichkommen, muss sich die Weiland GmbH schon lange nur noch mit der Abgabe von Kleinstmengen zufrieden geben.Die Kosten zum Betreiben der großen Siebanlagen, der Wartungsaufwand für die etwa zwei Kilometer lange Bandanlage neben dem Kiessee - 200 Meter weitere Förderbänder sind auf Pontons im See montiert - fressen die Gewinne längst auf. Im März hatte man die Siebanlage noch einmal angefahren - und schnell wieder abgeschaltet. Eigentlich, so die Hoffnung, sollte auch der Schwimmbagger seine große Schaufel noch einmal tief in den Grund des Sees graben. Doch Aus, vorbei. Keiner hatte geahnt, dass das quietschende Geräusch im November des vergangenen Jahres zum letzten Mal zu hören sein sollte.Auch die Betonmischanlage steht still. Ein Kompressor hängt hochgezogen am Haken eines Kranes. Damit auch der nicht noch geklaut wird. Denn mit Vandalismus hatte der Unternehmer, der im vergangenen Jahr vor allem im Zusammenhang mit rechtsextremen Wachschützern, die er angeheuert hatte, um "Ordnung" auf dem Betriebsgelände zu schaffen, in die Schlagzeilen geraten war, immer zu kämpfen.Regelmäßig waren Kabelanlagen zerstört und Förderbänder beschädigt worden. Inzwischen hat das Unternehmen auch den Gleisanschluss bei der Bahn gekündigt. Gut 20 000 Euro habe man allein an Grundgebühren dafür hinlegen müssen. Perspektivisch will die Weiland GmbH mit einer mobilen Anlage, die direkt am Abbaufeld aufgebaut wird, weiter produzieren. Der Schwimmbagger wird durch ein Gerät mit einem langen Ausleger ersetzt, so dass vom Festland aus abgebaggert werden kann.

Verwaist: der Arbeitsplatz des Baggerfahrers.
Verwaist: der Arbeitsplatz des Baggerfahrers.
Auch der Schwimmbagger geht nicht mehr in Betrieb.
Auch der Schwimmbagger geht nicht mehr in Betrieb.
Relikte der Bandanlage.
Relikte der Bandanlage.
Bald Bild der Vergangenheit.
Bald Bild der Vergangenheit.
Neue Bewohner sind schon da.
Neue Bewohner sind schon da.