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Massive Kritik an Elsterwerdas Stadtentwicklung

Leserbrief. Zu den Ankündigungen des Elsterwerdaer Bürgermeisters Dieter Herrchen, dass die Fleischereifamilie Arnold in der Rossstraße einen Abriss von ungenutzten Gebäuden und eine Bebauung als Wohnstandort beplanen lasse, äußert sich Horst Jangen aus Elsterwerda.

Was heißt das eigentlich konkret? Was kann der Bürger erwarten? Das gleiche Vorgehen und Ergebnis wie vor und nach dem Abriss des ältesten Hauses der Stadt, der Bäckerei Selkmann? Auch hier wurde von der Eigentümerfamilie viel versprochen, um den Abriss endlich durchzusetzen.(…)

Was geschah im letzten Jahrzehnt, seit dem Abriss der Bäckerei Selkmann wirklich? Nichts! Geblieben ist ein optisch sanierungsbedürftiges Mehrfamilienhaus, dessen Erscheinungsbild das Stadtzentrum mehr als negativ prägt. Der Eigentümer wollte nicht einmal das Verputzen der nach dem Abriss offenen Stirnseite finanzieren. Seitdem steht auch der notdürftig errichtete Bauzaun. Das Gleiche erwartet viele Bürger nun wohl auch in der Rossstraße. Einen Abriss eines großteils einer Gebäudezeile, ohne einen Ersatzneubau. Warum sollte die Eigentümerfamilie in der Rossstraße plötzlich eine Initiative zeigen, die sie bis heute am Grundstück Südspitze negierte? Im Grunde, das zeigt der Zustand der Gebäude, ging es doch, so wie beim Objekt Selkmann, nur um günstige Flächenankäufe. In der Wendezeit üblich. Die neuen Eigentümer vermuteten wohl einen höheren Verkaufswert der Innenstadtflächen. Dem war aber nicht so. Was passierte in Folgezeit mit den erworbenen "Filetstücken"? Nichts. (…)

Ich kann die Stadt und insbesondere Herrn Herrchen nicht verstehen. Warum erhält die Eigentümerfamilie wieder Abrissgenehmigungen? Ohne eine vertragliche Vereinbarung, wie und wann die entstehenden Abrisslücken im direkten Stadtzentrum geschlossen werden? Oder gibt es belastbare Bauanträge? Hat man im Rathaus nichts aus dem Umgang mit dem ältesten Haus der Stadt Elsterwerda, der Bäckerei Selkmann, gelernt? Lässt man sich im Rathaus wieder nur von der Eigentümerfamilie vorführen und glaubt an Luftschlösser? (…) So, wie nach dem Abriss der Bäckerei Selkmann, wird dann in der Rossstraße eine primitive marode Hütten- und Schuppenbebauung sichtbar. (…)

Wie andere Eigentümer zu ihrer Verantwortung am Grundbesitz stehen, sieht man auf der gegenüberliegenden Seite der Rossstraße. Hier haben die Besitzer des Hotels "Weißes Ross" zeitgleich gezeigt, was möglich ist und wie man mit Eigentum umgeht. Hier wurde ein Schmuckstück in der Stadt erschaffen. (…) Sollen die Besucher der Fußgängerpassage künftig auf Schuppen schauen?

Ich frage mich wirklich, soll dass das Erbe des noch in der Pflicht stehenden Bürgermeisters sein? (…) Wenn ich bei einem Spaziergang die Investitionen der vielen Grundstückseigentümer optisch ausblende, was haben die Verantwortlichen im Rathaus überhaupt in mehr als 28 Jahren Nachwendezeit für eine attraktive Stadt- und Zentrumsgestaltung geleistet? Einen Marktplatz mit der Südspitze, den kaum ein Bürger so wollte? Ich sehe einen Denkmalplatz, der sich unansehnlich und schmuddelig dem Besucher zeigt. (…) Das Gleiche in der Bahnhofstraße. Dunkelheit und Gehwege aus tiefsten DDR-Zeiten. In der Burgstraße, eine Nebenstraße, existieren mehr Beleuchtungskörper als in diesem Teil des Stadtzentrums. In Folge schließt auch zwischen Denkmalsplatz und Bahnhofstraße Laden für Laden. Welcher Besucher, der sich vom Bahnhof in Richtung Stadtzentrum bewegt, schlägt da nicht die Gegenrichtung ein! Und welches Rezept hat das Rathaus?? Beratungsverträge mit externen Firmen, die dem Sterben der Stadt und dem Umsatzverlust der Geschäfte auf den Grund gehen sollen. Dabei wären schon ein paar Schritte mit offenen Augen hilfreich. (…)

Wissen einige der Altabgeordneten überhaupt noch, was ihre Aufgabe als Stadtverordneter ist? Parteigeglünkel und gegenseitige Blockierhaltungen, wenn es um Neues oder um die Stadtentwicklung geht, gehören jedenfalls nicht dazu. Das Gezeter um die Gestaltung des Marktplatzes und deren Südspitze sind nur ein Beispiel. Genau diese Fraktionsspielchen haben Elsterwerda dahin geführt, wo Elsterwerda heute steht. Während andere Städte und Gemeinden im Umland aufstreben und Attraktivität ausstrahlen, geht in Elsterwerda langsam, aber spürbar Licht für Licht aus. (…)

Das anschaulichste Beispiel für eine gesunde Stadtentwicklung ist Bad Liebenwerda. Das dortige Zentrum, wie die ganze Stadt, blüht auf und entwickelt sich äußerst positiv. (…)