ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:13 Uhr

Bad Liebenwerda
Martin Luther war früher ein Luder

Mit spitzer Zunge hat Jürgen Udolph die Namensgeschichte Luders erklärt.
Mit spitzer Zunge hat Jürgen Udolph die Namensgeschichte Luders erklärt. FOTO: Veit Rösler/vrs1 / Veit Rösler
Bad Liebenwerda. Das Lutherjahr ist nun mittlerweile wie der Reformator selbst zur Geschichte geworden. Was auch in Zukunft bleibt, ist das Verdienst und der Name des Reformators, doch gerade der ist nicht ganz so echt, wie nahezu alle glauben. Von Veit Rösler

Außerhalb theologischer Fachkreise ist es kaum bekannt: Martin Luther wurde 1483 als Martin(us) Luder geboren. In einer Nachlese zum Lutherjahr 2017 hat der renommierte Namensforscher Prof. Jürgen Udolph am Donnerstagabend im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebenwerda und damit im Kernland der Reformation bei einer Buchpräsentation in einem mehrstündigen Vortrag detailreich und mit spitzer Zunge die Familien- und damit die Namensgeschichte Luders auseinander genommen. Professor Jürgen Udolph führte die Besucher des Abends Hunderte Jahre zurück, bis zu den Ursprüngen der ersten Familiennamen. Diese sind in etwa im 11. und 12. Jahrhundert aufgrund des Bevölkerungswachstums entstanden.

Professor Udolph ist Deutschlands einziger Professor für Namenforschung. Er weiß: Martin Luther hieß nicht immer Martin Luther. Von Martinus Luder über Eleutherius bis Martin Luther – zeitweise benutzte er alle drei Bezeichnungen parallel in unmittelbar hintereinander verfassten und datierten Dokumenten. Aber warum änderte er seinen Namen, was steckt hinter diesem Wechseln? Kirchenhistoriker glauben, so Prof. Jürgen Udolph, dass die griechische Form Eleutherius – abgeleitet von eleutheros für „frei“ – den Wechsel von Luder zu Luther veranlasst habe. Verschiedene Quellen widersprechen dieser Annahme jedoch, meint Udolph. Von größerer Bedeutung sei vielmehr, dass Luther zeit seines Lebens auch Niederdeutsch sprach und diese Ausdrucksform auch für Publikationen nutzte, um das Volk besser erreichen zu können. Dies kam ihm auch bei der Übersetzung der Bibel zugute.

Um den Geburtstag des Reformators am 10. November kommt es in seinem Geburtsort Eisleben regelmäßig zu Treffen der „Luther-Namensträger“, bei dem bis zu 70 „Luther“ aus ganz Deutschland anreisen. Im Vorfeld eines solchen Treffens wurde Prof. Jürgen Udolph gebeten, den Namen des Reformators zu analysieren. Was zunächst nach einer simplen Aufgabe aussah, entpuppte sich als eine spannende Geschichte. Luther lebte in Wittenberg, als er um 1517 seinen Namen änderte. Er gehörte als Professor an der Universität natürlich der Oberschicht der Stadt an, die bereits Hochdeutsch sprach. Luther sprach und verstand aber auch problemlos das Niederdeutsche. Über 200 datierte Belege hat der Namensforscher gesammelt, anhand derer die zeitliche Abfolge der Namensänderungen erkennbar wird. Luder habe vor 500 Jahren wohl seinen Namen geändert, weil dieser noch negativer geklungen hat als heute, eher wie liederlich oder lotterhaft. Luder war zu der damaligen Zeit bereits ein weltberühmter Professor. Er ändert seinen Namen in das Hochdeutsche, was zur damaligen Zeit für die Oberschicht kein Problem war. Am 24. Januar 1519 unterschrieb Luther zum letzten Mal mit Eleutherius, ab dann galt nur noch Luther. Martin Luther hat sich übrigens niemals zu einer Namensänderung geäußert.