Vom Puppenspiel umrahmt und damit dreidimensional vorgetragen sowie mit Blick hinter die Kulissen als Zeitreise wurde auf 250 Jahre Marionettentheatergeschichte im Elbe-Elster-Land zurückgeblickt und der Weg in die Zukunft aufgezeigt. "Wir sind stolz darauf, diese alte Tradition mit dem Museum in Bad Liebenwerda und mit dem Festival fortzuführen. Das 17 Jahre alte Festival war wieder ein erfolgreiches Event. Zumindest haben die Menschen hier sehr viele Karten gekauft", resümierte der künstlerische Leiter, der Theaterwissenschaftler Dr. Olaf Bernstengel. Und weiter: "Wir hatten in diesem Jahr auch etwas Besonderes. Es geht um 250 Jahre Marionettenspiel in dieser Region." Hier habe es über 80 Puppenspielerfamilien gegeben - zwar teilweise mit unterschiedlichen Namen, aber alle untereinander verwandt. In der Region seien über 150 Theater unterwegs gewesen, die im Jahr etwa 21 000 Vorstellungen gegeben haben. Um 1900 habe es im Raum Sachsen, um die 3000 Gasthofsäle gegeben. Mit zwei Millionen verkauften Eintrittskarten pro Jahr, nur in Sachsen, waren die Marionettentheater ein Massenmedium, vergleicht Bernstengel.

Museumsmitarbeiter Ralf Uschner hat als Kind noch die wandernden Puppenspieler erleben können. Sie sind mit ihren Wagen auf dem Dorfanger vorgefahren, um am Abend, schon bei Dunkelheit, die spannende Aufführung mit großen barocken Figuren zu geben. Vielen Besuchern kommt das in der heutigen Marionettenspielausstellung im Museum in Erinnerung.

Ralf Uschner erzählte, wie es mit einem eigentlich arbeitslosen Soldaten der sächsischen Armee beginnend vor 250 Jahren zum Marionettenspiel im Elbe-Elster-Land kam. In dem schon vielfach kopierten Film aus dem Jahre 1982 waren mit Roswitha und Kurt Dombrowsky sowie Marthel und Roland Ritscher Altmeister dieser Kunst bei ihren Auftritten vor und hinter der Bühne zu sehen.

Das "fundus-Marionetten-dresden" mit Dr. Olaf Bernstengel und Detlef Kaminsky zeigte klassische Varieté-Figuren. Das Hohenloher Figurentheater mit Johanna und Harald Sperlich führte aus der ursprünglichen alten Tradition heraus als aktuelles zeitgenössisches Spiel seine Interpretation von Carlo Goldonins "Der Diener zweier Herren" auf.

Johanna und Harald Sperlich gelten mit ihren Aufführungen als Theater der Spitzenklasse. Die Zuschauer im Saal konnten gleichzeitig die geniale Fadenführung der beiden Künstler im Halbdunkel und die dadurch lebendig wirkenden Marionetten bestaunen. Johanna und Harald Sperlich stammen selbst aus alten Marionettenspieler-Dynastien. Sie haben sich jedoch von der klassischen Tradition gelöst. Beide beweisen, dass das Marionettentheater heute als moderne Kunst lebt und leben kann.

"Viele Nachfahren der alten Puppenspielerdynastien haben diesen Sprung geschafft - hin zum Marionettenspiel, das unserem Zeitgeist entspricht", urteilt auch Dr. Olaf Bernstengel zufrieden.