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Elbe-Elster
Mann bietet Minderjähriger Geld für Sex

Der Täter ist bei der sexuellen Annäherung an Minderjährige nicht selten ein Bekannter.
Der Täter ist bei der sexuellen Annäherung an Minderjährige nicht selten ein Bekannter. FOTO: Wolfgang Klein / kle
Elsterwerda. Ein Vater aus dem Raum Elsterwerda ist in großer Sorge um seine Tochter und erstattet Anzeige. Die Staatsanwaltschaft stellt das Ermittlungsverfahren ein. Der Mann geht dagegen in Widerspruch. Von Manfred Feller

Das hätte Martin M. (Name geändert) nie und nimmer für möglich gehalten. Ausgerechnet sein ehemaliger guter Bekannter, ein Mann um die 40, soll seiner minderjährigen Tochter eindeutige sexuelle Angebote gemacht haben? Er habe Beweise. Denn den WhatsApp-Chatverlauf hat das seinerzeit 15-jährige Mädchen aufgehoben. „Ich möchte gern mit dir schlafen. Ich find dich so süss“, schreibt der Mann unmissverständlich. Auch Geld bietet er an. Denn heranwachsende Schülerinnen sind fast immer knapp bei Kasse. Klamotten und Kosmetik sind teuer.

Beide Familien kannten sich bestens. Es wurde auch gemeinsam gefeiert. Die gleichaltrigen Töchter verstanden sich. Martin M., Mitte 30, nimmt an, dass sein einstiger Kumpel über den Kontakt der Kinder untereinander zu der Handynummer seiner Tochter gelangt war. „Er hatte vor zwei Jahren angefangen zu schreiben. Am Anfang war es belangloses Zeug. Dann wurde es immer direkter“, weiß der besorgte Vater.

Im Dezember 2016 habe es den letzten Kontakt zwischen dem Mädchen und dem Mann gegeben. Als dieser immer weiter gegangen war, habe die Tochter von sich aus dessen Nummer gesperrt. Das war absolut richtig. Doch das Mädchen schwieg darüber. Aus einem speziellen Grund.

Erst ein Jahr später, im Herbst 2017, habe die ehemalige Lebensgefährtin von Martin M. ihn um Hilfe gebeten: „Rede mal mit ihr! Da stimmt was nicht.“ Die nunmehr 16-Jährige blockte nicht ab, wie dies Teenager gern tun. Sie habe sich so lange nicht geäußert, weil sie Angst hatte, vor Gericht aussagen zu müssen, so ihr Vater. Sie sei im Alter von zehn Jahren von einem anderen Mann sexuell belästigt worden. Der Täter aus dem Bekanntenkreis sei verurteilt worden.

Den ausgedruckten Chatverlauf in der Hand stellte Martin M. seinen Ex-Kumpel zur Rede. Dieser habe sich entschuldigt. Noch außer sich vor Wut ging er weiter und zur Polizei. Er stellte Strafanzeige. Und wartete fast bis Ende Januar 2018. Dann die Enttäuschung: Der Tatvorwurf des versuchten sexuellen Missbrauchs sei nicht erfüllt. Der angezeigte Sachverhalt sei keine strafbare Tat nach Paragraf 182 des Strafgesetzbuches. Allein die Nachricht „Ich möchte gern mit dir schlafen“ erfülle keinen Tatbestand, teilt die bearbeitende Staatsanwältin, die in ähnlichen Fällen als sehr konsequent gilt, dem Vater mit.

Der Chatverlauf auf Whatsapp
Der Chatverlauf auf Whatsapp FOTO: LR

Martin M. platzt der Kragen. Er legt Beschwerde ein. „Muss denn immer erst was passieren, ehe einer eine Strafe bekommt?“, kann und will er nicht hinnehmen, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt wurde. „Solche Menschen machen immer weiter, so lange ihnen nicht das Handwerk gelegt wird. Wer weiß, was alles in den vergangenen zwei Jahren passiert ist?“, ahnt er nichts Gutes.

Die Cottbuser Oberstaatsanwältin Petra Hertwig bestätigt den Eingang der Beschwerde. Diese sei umgehend zur Prüfung an den Generalstaatsanwalt weitergeleitet worden. Dessen Antwort hat Martin M. noch nicht.

„Ich erschrecke immer wieder, wie schnell Minderjährige, Mädchen und Jungen, auf Kontakte in sozialen Medien eingehen. Wenn sich in diesem Fall das Mädchen eingelassen hätte, dann hätte der Mann das durchgezogen“, ist Karin Wende überzeugt, dass der Erwachsene die 15-Jährige missbraucht hätte. Die Polizeioberkommissarin ist in der Polizeiinspektion Elbe-Elster als Präventionsberaterin zu vielen Themen unterwegs. Der Umgang mit den neuen Medien und dem Phänomen Cybermobbing ist dabei ein Schwerpunkt.

Kinder, durchaus schon ab Klasse 4, und Jugendliche würden sich zu rasch auf ihnen bekannte, aber auch unbekannte Personen bei WhatsApp & Co einlassen. Daten wie Name, Wohnort, Vorlieben und Schule werden unbedarft ausgetauscht. Fakeprofile, wenn Erwachsene sich als Gleichaltrige ausgeben, Männer als Frauen usw., würden nicht erkannt.

Ein Fall von vielen bleibt Karin Wende besonders im Gedächtnis. Über Facebook nahm eine 16-Jährige Kontakt zu einem ehemaligen Kumpel auf, dachte sie jedenfalls. „Am dritten Tag wollte er schon Nacktfotos von ihr“, so die Polizeibeamtin. Ihre Gegenwehr hielt nicht lange. Dann sollte die Jugendliche sexuelle Handlungen an sich vornehmen, dies ablichten und senden. „Sobald die Gegenseite auch nur ein Foto besitzt, hat sie das Opfer in der Hand. Wenn es nicht weitermacht, wird gedroht, das Bild ins Netz zu stellen oder die Eltern zu informieren. Dadurch ist der Weg zur Hilfe bei Mutter und Vater abgeschnitten“, warnt die Präventionsberaterin.

Auch manche Jungs denken nicht nach. Sie glauben, dass sie eine neue Freundin gewinnen können und versenden Nacktfotos von sich. In solchen Fällen und wenn Freundschaften zerbrechen, machen ganz private Aufnahmen nicht selten in Kreisen Gleichaltriger und an Schulen die Runde. Das Cybermobbing beginnt. „Vielen Jugendlichen fehlt das Gefühl dafür, ihre Intimsphäre zu schützen. Es geht nur um Aufmerksamkeit“, bittet Karin Wende darum, den gesunden Menschenverstand einzuschalten.  Eltern müssten nicht alles kontrollieren, aber viele sollten ihren Kindern mehr Aufmerksamkeit schenken, lautet der Rat.

Martin M. will weiterkämpfen: „Ich gebe keine Ruhe“, sagt er.