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| 06:30 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Mann ergötzt sich an sexgequälten Babys

Über Jahre hat ein Mann aus dem Raum Herzberg Kinderpornografie konsumiert und verbreitet. Zeitweise nutzte er sogar den Internetanschluss seines Nachbarn. Jetzt wurde er verurteilt.
Über Jahre hat ein Mann aus dem Raum Herzberg Kinderpornografie konsumiert und verbreitet. Zeitweise nutzte er sogar den Internetanschluss seines Nachbarn. Jetzt wurde er verurteilt. FOTO: dpa / Silas Stein
Bad Liebenwerda/Herzberg. Ein Konsument von Kinderpornografie aus dem Raum Herzberg wird als Wiederholungstäter vom Schöffengericht in Bad Liebenwerda zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt. Von Manfred Feller

Das, was ein Mann aus dem Raum Herzberg an übelsten kinderpornografischen Inhalten aus dem Internet heruntergeladen und verbreitet hat, sprengt jedes Vorstellungsvermögen - mengenmäßig und inhaltlich.

Die anklagende Staatsanwältin spricht von Zehntausenden Bildern und Videos auf Dutzenden Datenträgern mit einem Gesamt­speichervolumen im Terabyte-Bereich. Damit der Prozess vor dem Schöffengericht Bad Liebenwerda aufgrund der Fülle des kassierten Materials überhaupt beginnen kann, seien die gelöschten Dateien erst gar nicht bearbeitet worden.

Den Inhalt der sichergestellten Bildmassen beschreibt die Staatsanwältin nur andeutungsweise. Doch das genügt. Es stockt einem der Atem, so verachtend, widerlich, in höchstem Maße pervers sind die Taten des 36-jährigen Ehemannes und zweifachen Vaters in erster Ehe.

Die Rede ist von fast allen erdenklichen Sexualpraktiken mit Minderjährigen, besonders unter 14 Jahre jungen Menschen. Gleiches gilt - es ist unfassbar – auch für Babys, die zudem aus Lust am Quälen übelst misshandelt werden. Diese Missbrauchsdarstellungen als Kinderpornografie zu bezeichnen, sei, so die Staatsanwältin, für sie eher verharmlosend.

Die internationalen Fahnder sind den Kinderpornoringen seit Jahren auf der Spur und bleiben dran, wenn sie jemanden einmal im Visier haben. Das sollte auch der Mann aus dem Westen des Elbe-Elster-Kreises wissen. Und trotzdem kam er seinem Drang nach Illegalem aus dem Internet immer wieder nach.

Der seit dem Jahr 2001 mehrfach Vorbestrafte (u. a. Fahren ohne Fahrerlaubnis und Computerbetrug) war im Dezember 2014 zu einem Jahr  und neun Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt worden. Kaum zu Hause, setzte er sein Treiben im Internet und später auch in einer Kinderporno-WhatsApp-Gruppe mit Unterbrechungen bis Anfang 2018 fort. Dann schnappten die Ermittler erneut zu. Allerdings auf einem Umweg. Denn der gelernte Bäcker, der in der Telekommunikationsbranche arbeitet, hat sein technisches Wissen schamlos ausgenutzt. Er half seinem Nachbarn beim Einrichten des Routers und hatte in der Folge vom eigenen Rechner aus nach Belieben Zugang zu dem fremden Internetanschluss.

Im Gericht mimt der Angeklagte den Unschuldigen. Wenn sein W-LAN unterbrochen war, habe sich sein Rechner automatisch beim Nachbarn eingeloggt. „Das merkt man nicht“, versichert er. Wer sich auch nur ein wenig auskennt, weiß, mit dem Code kann sich jeder Fremde manuell einwählen.

Und so kam, was absehbar war. Eines sehr frühen Morgens wurden seine Nachbarn von der Polizei aus dem Bett geholt und deren Wohnung auf den Kopf gestellt. Alle Datenträger wurden mitgenommen. Doch die Ermittler fanden nichts und wurden stutzig. Die weiteren Recherchen führten schließlich zu dem wahren Kinderpornogucker.

Einsicht zeigt der Mann, der seinen Sohn, aber nicht seine Tochter aus erster Ehe sehen darf, nur auf Nachfragen. „Sind sie pädophil?“, will die Staatsanwältin wissen. „Diese Frage stelle ich mir gerade“, kommt zögerlich als Antwort – und das nach Jahren des Konsums sowie der ersten Verurteilung. Er fühle sich von den Bildern mit Kindern weder angezogen noch erregt.

Das nimmt ihm die Anklagevertreterin erkennbar nicht ab. Seine Einsicht komme sehr spät. Das erste Urteil vor vier Jahren habe ihn in keiner Weise beeindruckt. Im anderen Fall hätte er sich schon damals therapieren lassen müssen. Auch seine Anwältin hält eine Therapie für erforderlich, zumal ihr Mandant jetzt dazu bereit sei.

In dem Bericht der Bewährungshilfe heißt es, dass das normale Leben des 36-Jährigen mit Frau und Arbeit nicht zu dessen Straftaten passe. Vor Gericht erscheint er angemessen gekleidet, mit modischer Brille und gepflegtem Kurzhaarschnitt.

Neben der Sucht nach Kinderpornos gibt es noch ein anderes gewichtiges Problem. Den Mann drücken laut der Bewährungshilfe Schulden in Höhe von wohl 50 000 Euro. Woher, wird nicht erwähnt. Seit drei Jahren befinde er sich deshalb in Privatinsolvenz. Netto verdiene er derzeit 1000 bis 1200 Euro.

All die aktuell vorgeworfenen Taten würden – gerichtlich einzeln entschieden – ausreichen, um den Mann für viele Jahre einzusperren. Doch dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Urteil angefochten und der Prozess irgendwann in nächsthöherer Instanz neu aufgerollt wird. Doch viele Gerichte sind bereits überlastet.

Also hat der Gesetzgeber die „Verständigung“ erfunden, die die Anzahl der Berufungsprozesse bundesweit bereits um 70 Prozent gesenkt haben soll. Damit würden, so Schöffenrichter Egon Schaeuble, Absprachen „von den finsteren Fluren in das Licht der Öffentlichkeit“ gebracht. Auf Deutsch heißt das: Es wird wie auf dem Basar gehandelt, bis alle Seiten mit dem Ergebnis leben können. Hier einigten sich Gericht, Staatsanwältin und Anwältin auf eine Strafobergrenze von drei Jahren und vier Monaten und eine Strafuntergrenze von zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Die Staatsanwaltschaft forderte im Plädoyer schließlich drei Jahre, während die Anwältin die Untergrenze für ausreichend hält. Das Urteil des Schöffengerichts lautet drei Jahre Gefängnis ohne Bewährung und ist inzwischen rechtskräftig.