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| 19:12 Uhr

Amtsgericht Bad Liebenwerda verhängt Bewährungsstrafe
Mann verbreitet Kinderpornos im Netz

Weil ein Mann aus dem Raum Finsterwalde nachweislich kinderpornografische Inhalte im Netz zum Herunterladen angeboten hat, wurde er vor dem Amtsgericht Bad Liebenwerda zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.
Weil ein Mann aus dem Raum Finsterwalde nachweislich kinderpornografische Inhalte im Netz zum Herunterladen angeboten hat, wurde er vor dem Amtsgericht Bad Liebenwerda zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. FOTO: dpa / Volker Hartmann
Bad Liebenwerda/Finsterwalde. Gericht in Bad Liebenwerda verurteilt einen 40-Jährigen aus dem Raum Finsterwalde zu einer Haftstrafe auf Bewährung. Von Manfred Feller

Mehr als vier Jahre lang hat ein Mann aus dem Raum Finsterwalde nachweislich kinderpornografische Schriften, hier Videos und Bilder, im Datennetz zum Herunterladen angeboten. Besessen hat er viele Tausend Dateien. Über 50 Handlungen, die Kinderpornos verbreitet zu haben, konnten dem 40-Jährigen nachgewiesen werden.

Dafür ist der nicht Vorbestrafte vor dem Amtsgericht in Bad Liebenwerda zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Während der Bewährungszeit von zwei Jahren und sechs Monaten darf er sich nichts zuschulden kommen lassen. Ansonsten wandert er ins Gefängnis. Laut Gesetz kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft jede einzelne Verbreitungstat mit bis zu drei Monaten Haft geahndet werden.

Die Anklage hatte dem ledigen Arbeiter 58 Handlungen im Zeitraum von November 2011 bis Februar 2016 vorgeworfen. Diese geschahen beinahe zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das haben die lange andauernden Ermittlungen und die Auswertung der Datenspeicher ergeben. Vor Gericht wird jede Tatzeit einzeln genannt.

Inhaltlich bezogen sich die Dateien auf Sexualpraktiken in vielen Variationen vor allem mit und an unter 14-jährigen Mädchen. Auch Jungen seien teilweise darunter gewesen.

Bei der polizeilichen Durchsuchung der Wohnung des damals Verdächtigen seien unter anderem ein Rechner und eine externe Festplatte sichergestellt worden.

Entlastendes wirft der Anwalt des Mannes in den Prozess. Demnach habe sein Mandant Datenträger freiwillig herausgegeben, die die Polizei gar nicht gefunden hatte. Von drei USB-Sticks ist die Rede. „Er wollte reinen Tisch machen“, so der Rechtsbeistand.

Die Verteidigung hatte laut dem Gericht im Vorfeld eine Verständigung angeregt. Diese vereinfacht den Prozess, setzt aber ein Geständnis voraus. Der Strafrahmen, also die Gesamtfreiheitsstrafe für alle erwiesenen Taten, würde sich dann zwischen 13 und 18 Monaten bewegen - ausgesetzt auf eine Bewährungszeit. Anwalt und Staatsanwalt stimmen zu.

Der Angeklagte äußert sich zur Anklage der Staatsanwaltschaft nicht selbst, sondern lässt seinen Anwalt sprechen. Demnach sind alle Vorwürfe richtig. Die Taten würde sein Mandant sehr bereuen. Diese seien ihm zudem unangenehm. „Er ist sich bewusst, dass er das nicht hätte tun dürfen“, so der Anwalt weiter.

Die kinderpornografischen Dateien seien zwar im Besitz des Mannes aus dem Raum Finsterwalde gewesen, jedoch habe dieser viele davon seit Jahren nicht mehr genutzt. Der Angeklagte verzichtet auf die Herausgabe aller eingezogenen Geräte und Speicher.

Das Leben des 40-Jährigen verlief nicht geradlinig. Nach dem Abitur begann er eine Ausbildung, brach diese jedoch ab. Dann studierte er drei Jahre und arbeitete schließlich in seinem erlernten Beruf. Er habe keine Unterhaltsverpflichtungen.

Seit der Durchsuchung sind mehr als zwei Jahre vergangen. Das Gericht möchte wissen, wie es zu dem Horten und Anbieten von kinderpornografischem Material kommen konnte? Keine Antwort. Auch jene Frage zur bisherigen therapeutischen Hilfe fällt spärlich aus. „Nachgedacht habe ich, aber den Aufwand gescheut“, sagt der Mann mit dem lichten, kurzen Haar.

Es gebe auch anonyme Angebote, bohrt das Gericht weiter und gibt zu bedenken: „Es gibt die Möglichkeit des Rückfalls, wenn man sich mit dem Thema nicht beschäftigt.“

Der Rechtsanwalt sagt, dass er mit seinem Mandanten darüber gesprochen habe. Es werde jedoch kein Therapieansatz gesehen, höchstens ein Gespräch mit einem Sachverständigen. Außerdem seien Termine schwer zu bekommen, wird hörbar ausgewichen.

Im Plädoyer spricht aus Sicht der Staatsanwaltschaft für den Angeklagten, dass er gestanden hat, die Taten Jahre zurückliegen und er seitdem nicht mehr auffällig war. Jedoch waren der Tatzeitraum lang und die entdeckten Datenmengen erheblich. Er steche damit aus der Tätergruppe heraus. Ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung (zwei Jahre und sechs Monate) wären angemessen. Zudem muss er einen Sexualtherapeuten aufsuchen und 1000 Euro an einen Hilfeverein zahlen.

Eine 13-monatige Haftandrohung bei einer zweijährigen Bewährung würden nach den Worten des Rechtsanwaltes ausreichen, zumal der Großteil der Taten lange zurückliege, die ersten vor der Verjährung stünden. Außerdem habe sein Mandat „nur“ Dateien zum Herunterladen angeboten, nicht zum Verkauf. Der Angeklagte verzichtet auf das letzte Wort.

Verurteilt wird er schließlich zu 18 Monaten Haft. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre und sechs Monate. 1000 Euro hat er an den Familien-Hilfeverein Elsterwerda zu zahlen. Alsbald muss er einen Beratungstermin bei einem Therapeuten nachweisen. Sieht dieser Bedarf, sind zehn Beratungstermine vorgeschrieben. Für den Verurteilten spreche unter anderem, dass er in sozial geordneten Verhältnissen lebe und bei der Durchsuchung seiner Wohnung geholfen habe.

Der 40-Jährige, sein Anwalt und die Staatsanwaltschaft haben während der einwöchigen Frist keine Rechtsmittel eingelegt. Damit ist das Urteil rechtskräftig.