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"Manege frei!" im neuen Zirkuszelt

Die Zeltplane sitzt. Am Mittelmast werden nun noch die zwei Trapeze montiert.
Die Zeltplane sitzt. Am Mittelmast werden nun noch die zwei Trapeze montiert. FOTO: Mona Claus/mcl1
Elsterwerda. Nach sechs Stunden ist es geschafft, das Zelt vom Schulzirkus "Robbi" leuchtet wieder in schönstem Blaugelb. Das Zelt ist ein Aushängeschild der Grund- und Oberschule in Elsterwerda: Zirkus steht dort im Lehrplan. Mona Claus / mcl1

Ein Sturm und weitere Wetterunbilden haben dem Zirkuszelt auf dem Hof der Grund- und Oberschule in Elsterwerda gehörig zugesetzt. Fast zwei Jahre fristet es seinem unbespielbaren Dasein. Nötige finanzielle Mittel fehlen, um an weiteren Unterricht im Zelt zu denken. Inzwischen ranken sich wilde Geschichten und Gerüchte aus der Nachbarschaft um den angeblichen Szenetreff der Jugend. Schulleiter Dietmar Koßagk und seine Lehrerschaft aber lassen sich nicht entmutigen, wollen festhalten an ihrem Alleinstellungsmerkmal und endlich wieder richtigen Zirkus in der schuleigenen Manege zeigen.

Im November vergangenen Jahres kommt schließlich Bewegung in das Zelt-Problem. "Abriss ist nie eine Alternative gewesen", sagt der Schulleiter und verweist darauf, dass es nur noch in Berlin ein ähnlich gelagertes Schulprojekt gibt. Geld kommt von der Sparkassenstiftung "Zukunft Elbe-Elster-Land" und vom Förderverein der Schule. Ein Vor-Ort-Termin mit den Erbauern des ersten Zeltes lässt Hoffnung keimen.

Der Altmeister des Unternehmens Fesotex in Fehrbellin, Holger Röder, der einst das erste Zelt mit Kugelschreiber auf Papier brachte und die Eckdaten daran verewigte, fand die Unterlagen wieder. Für Firmenchef Gordon Hasse ein Glücksfall. Schnell werden alle Einzelheiten besprochen, zu Papier gebracht und der Auftrag ausgelöst.

Am Donnerstag dieser Woche ist es dann endlich soweit. Gordon Hasse reist mit großer Mannschaft an - zwei technischen Konfektionären, zwei Monteuren und einem Azubi. Vorsorglich wird auf dem Weg aus Richtung Lauchhammer kommend noch ein Hubsteiger angemietet. Pünktlich neun Uhr geht es los. Nach einer Stunde ist vom alten Zelt nichts mehr zu sehen.

Firmenchef Gordon Hasse sagt: "Wir schaffen das an einem Tag." Alles läuft wie am Schnürchen. Das Zelt liegt nach Anweisung von Altmeister Röder in der richtigen Position. Die Spannseile fallen, nachdem die Trapeze abgenommen sind, Ersatzspannseile werden montiert, der Mastumfang wird gemessen, um ihm eine Mütze zu verpassen und dann soll es eigentlich losgehen: Hasse setzte auf Plan A - Zelt mit Hubsteiger hochfahren, überlegen und verspannen. Keiner will an Plan B denken, der das Umlegen des Mastes bedeutet. Der Hubsteiger steht in Position, das Zelt soll gerade auf den Korb aufgelegt werden, als die Technik ihren Geist aufgibt. Doch kein Zeltaufbau?

Doch nun wird Ersatztechnik besorgt, eine Stunde Zeitverzug. Und dann die frohe Erkenntnis: Plan A funktioniert! Die Zeltbahn wird aufgelegt, mit vier kräftigen Männerarmen übergehoben und verspannt - wieder einmal beweist das Team seine Kompetenz in Sachen Zeltbau. Alles ist geschafft. Schulleiter Koßagk erleichtert: "Jetzt kann das Jubiläum - ,Zirkus macht Schule' gibt es in Elsterwerda seit 20 Jahren - im Sommer zünftig gefeiert werden.

Vorbereitende Arbeiten durch die technischen Konfektionäre, bevor die Zeltbahn über den Mast gezogen wird.
Vorbereitende Arbeiten durch die technischen Konfektionäre, bevor die Zeltbahn über den Mast gezogen wird. FOTO: mcl1
Firmenchef Gordon Hasse und Schulleiter Dietmar Koßagk (rechts) bei der Abnahme des Zirkuszeltes.
Firmenchef Gordon Hasse und Schulleiter Dietmar Koßagk (rechts) bei der Abnahme des Zirkuszeltes. FOTO: mcl