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Mädchen seid still, sonst wird's Blubberwasser

Beim Osterwasserholen darf nicht gesprochen werden, sonst wird es Blubberwasser.
Beim Osterwasserholen darf nicht gesprochen werden, sonst wird es Blubberwasser. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Plessa. Bei einem haben die Mädchen des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Plessa am Osterwochenende das Osterwasser geholt. Das Holen des Osterwassers der Plessaer Reiterei fand in diesem Jahr zum 20. Veit Rösler/vrs1

Mal statt. Das Osterwasser wird dabei immer an einer anderen Quelle, einem Graben oder einem Fluss geholt. Diesmal waren die Mädchen am Neugraben. Mit dem Osterwasser sollen sich junge Mädchen am Ostermorgen waschen, damit ihre Schönheit erhalten bleibt. Vom Osterwasser holen bis zur Reinigung darf nicht mehr gelacht oder gesprochen werden, sonst wird es Blubberwasser. Der Reit- und Fahrverein unter der Leitung von Günter Kamenz hat sich den Erhalt alter Bräuche auf die Fahnen geschrieben. Der Tross war in diesem Jahr mit 10 Pferden und 20 Reiterinnen unterwegs. Die Hälfte der Mädchen musste also zeitweise in einem Kremser fahren. Die jüngsten Mädchen waren sechs Jahre alt. Inzwischen hat der Verein mehr als 50 Mitglieder.

Der Neugraben gehört zu dem Floßgrabensystem, welches vor über 270 Jahren zwischen Plessa, Gorden und Staupitz aufgebaut wurde, um das Holz aus den Wäldern zu flößen. Das Floßgrabensystem wurde unter sächsischer Hoheit von August III. angelegt. Der Floßgraben verdankt seinen Ursprung dem Mangel an Brennholz in der Gegend von Elsterwerda und dem Holzreichtum der Wälder bei Gorden und Umgebung.

Die dort geschnittenen Scheite schwammen in dem Kanal zur Elster und von da weiter bis Elsterwerda. Hier wurden sie zeitweise von eisernen Rechen aufgehalten und über den von Elsterwerda bis Röderau führenden Floßkanal bis zum Holzhof um- und weitergeleitet. Dort wurden sie aus dem Wasser gefischt und aufgestapelt, um bei der von einem Elsterwerdaer Außenrichter beaufsichtigten "Holzmesse" an Interessenten verkauft zu werden.

Ein Teil des Holzes nahm seinen Weg erneut über die Wasserstraßen des Grödelkanals und der Elbe bis tief in das Herz Sachsens. Zeitweise wurde das Holz auch aus dem Floßgraben über die Schwarze Elster bis zur Elbe bei Wittenberg geflößt. Der Floßgraben nahm ursprünglich seinen Ausgangspunkt im Seeteich, dem Neuteich und dem Wehrteich bei Lichterfeld und einigen anderen Gräben aus dem heute dem Bergbau zum Opfer gefallenen Gebiet um Bergheide. Östlich des Lobens, womit eigentlich die gesamte feuchte Niederung bezeichnet werden müsste, passiert der Floßgraben die Hohenleipischer Wiesen und umfließt die Baatzer Berge in nordöstlicher Richtung. Über den Neugraben ist der Floßgraben mit dem Loben verbunden.