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Kreissynode
Luther hat den Sinnstreit neu entfacht

Das Reformationsjubiläum war ein zentrales Thema bei der in Bad Liebenwerda tagenden Synode des Kirchenkreises.
Das Reformationsjubiläum war ein zentrales Thema bei der in Bad Liebenwerda tagenden Synode des Kirchenkreises. FOTO: Kirchenkreis Bad Liebenwerda
Bad Liebenwerda. Aus Sicht der Kreissynode in Bad Liebenwerda hat das Reformationsjubiläum die vielen Erwartungen noch übertroffen. Der Kirchenkreis steht auf einem soliden finanziellen Fundament.   Von Manfred Feller

Der große Reformator Martin Luther bewegt die Menschen bis hinein in die heutige Zeit. Das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ hat zu vielfältigen, auch kontroversen Diskussionen in der ganzen Gesellschaft geführt. Es hat Gläubige und Atheisten zu intensiven Gesprächen und zum Nachdenken über das Sein und das Zusammenleben in der Gegenwart veranlasst. „In dieser Breite haben wir es nicht zu träumen gewagt“, resümiert Superintendent Christof Enders nach der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Liebenwerda, die am Sonnabend in der Kurstadt stattgefunden hat. „Und ohne Luther gäbe es die Synode nicht“, stellt er fest. Dieses Gremium ist das gewählte Kirchenparlament mit mehr als 40 haupt- und ehrenamtlichen Synodalen, die die 83 Kirchengemeinden zwischen Schwarzheide im Osten, Mühlberg im Westen und Schönewalde im Norden vertreten.

Pilotprojekt. Wie ein kommunales, Kreis-, Landes- oder Bundesparlament fasst auch die Synode Beschlüsse für die Arbeit in den kommenden Jahren. Angeschoben wurde jetzt ein Pilotprojekt, das junge Menschen ansprechen soll. Anders als in anderen Bundesländern sei Religion in Brandenburg kein ordentliches Lehrfach. Oftmals gebe es nicht einmal ähnliche Angebote, wie an der Oberschule in Schlieben. Nun wird ein zweijähriges Pilotprojekt gestartet, das sich der Kirchenkreis einiges kosten lässt. Es soll eine Stelle für den Religionsunterricht und für religionsphilosophische Tage geschaffen werden. Die Gemeindepädagogin oder der Gemeindepädagoge bietet Schulen dann auch Gesprächsrunden zu religionsphilosophischen Themen an, die nicht fern der heutigen Realität sind, sondern jeden bewegen, wie Freundschaft, Liebe, aber auch Sterbehilfe.

„Ich freue mich sehr, dass die Synode diesem Projekt zugestimmt hat“, sagt Superintendent Christof Enders. Die Idee dazu sei aus der Nordregion des Kirchenkreises mit Schlieben, Herzberg und Schönewalde gekommen. Nach zwei Jahren solle entschieden werden, ob aus der befristeten eine feste Anstellung wird. Jetzt geht der Kirchenkreis aber erst einmal auf die Suche nach der pädagogischen Kraft mit Fachhochschulabschluss.

Stellenplan. Ein zusätzlicher Arbeitsplatz bleibt im Kirchenkreis die Ausnahme. Er muss sich wie die öffentlichen Verwaltungen den aktuellen und künftigen Gegebenheiten stellen. Angesichts der weiter sinkenden Einwohner- und Gemeindegliederanzahl (momentan etwa 16 500) müsse auch das Personal nach unten angepasst werden. Von den derzeit 24 Vollzeitstellen (einige Stellen teilen sich Mitarbeiter) bleiben laut dem beschlossenen Stellenplan bis 2015 genau 21. Dahinter stehen Pfarrer, Gemeindepädagogen und Kirchenmusiker. „Es wird keine Entlassungen geben. Wir fangen dies durch den Ruhestand ab“, versichert Christof Enders. Es werden also nicht in jedem Fall Stellen neu besetzt.

Doch die Belastungen werden wachsen. „Man kann auch unter diesen Bedingungen eine gute Arbeit machen, aber es wird eine logistische Herausforderung“, weiß der Superintendent bestens aus eigener Erfahrung. Bevor er im September 2015 zum geistlichen Leiter des hiesigen Kirchenkreises gewählt worden war, ist er Pfarrer in der Altmark gewesen – mit 17 Kirchengemeinden, 19 Kirchengebäuden und 14 Friedhöfen. „Da kann man nicht in jeder Gemeinde um 10 Uhr einen Gottesdienst abhalten“, sieht er den auch hier anhaltenden Wandel.

Pfarrstellen. Die Kreissynode, die sich laut Gesetz zu mehr als der Hälfte der Gewählten aus Ehrenamtlichen zusammensetzt, hat darauf mit Beschlüssen zu Pfarrstellen reagiert. Jene in Plessa, seit etwa zehn Jahren von Elsterwerda aus betreut, ist jetzt dem Pfarrbereich Elsterwerda zugeordnet worden.

Der Raum Mühlberg/Koßdorf war bis vor rund vier Jahren von einem Pfarrerehepaar betreut worden. Die zwei Pfarrbereiche sind zusammengelegt. Der Pfarrbereich heißt jetzt Mühlberg und Umgebung. Dafür gibt es auch nur noch eine Pfarrstelle. Und diese ist nach dem Weggang der Pfarrerin unbesetzt. „Wir haben uns um eine Entsendungsdienststelle beworben“, so Christof Enders. Das heißt, die Landeskirche möge eine junge Pfarrerin, einen jungen Pfarrer als Berufsanfänger für eine dreijährige Bewährungszeit, wie es fachlich heißt, nach Mühlberg entsenden.

Mit dieser Praxis habe der Kirchenkreis bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. Denn in der jüngeren Vergangenheit hätten sich die jungen Pfarrer nach den drei Jahren stets um die offene Pfarrstelle beworben. Sie haben die Menschen und den Landstrich kennen und lieben gelernt.

Haushalt. Und schließlich hat die Synode noch den Haushalt 2018 für den Kirchenkreis Bad Liebenwerda beschlossen. „Der Kirchenkreis ist handlungsfähig. Wir können das Personal und alle Vorhaben finanzieren“, blickt der Superintendent zuversichtlich und in Gottvertrauen nach vorn. Es gebe auch Rücklagen, mit denen zum Beispiel das Projekt „Religionsunterricht“ finanziert wird. „Es ist eine solide Haushaltsplanung“, versichert Christof Enders den Tausenden Gemeindegliedern überall im Kirchenkreis.

Christof Enders, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Bad Liebenwerda.
Christof Enders, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Bad Liebenwerda. FOTO: Kirchenkreis Bad Liebenwerda