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| 02:37 Uhr

Lücke in Elsterwerda für Praxis in Grünewalde

Falls der Terminservice keinen Facharzttermin innerhalb der Frist ausweisen kann, können Patienten die Ambulanz eines Krankenhauses aufsuchen. Foto: Marijan Murat/Archiv
Falls der Terminservice keinen Facharzttermin innerhalb der Frist ausweisen kann, können Patienten die Ambulanz eines Krankenhauses aufsuchen. Foto: Marijan Murat/Archiv
Elsterwerda. Hausarzt und Internist Tihamér Pap, bis Oktober im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in der einstigen Praxis von Dr. Hansjoachim Tolke angestellt, war in Elsterwerda bei Patienten und Berufskollegen geachtet. Inzwischen arbeitet er in einer Arztpraxis in Grünewalde im Nachbarkreis Oberspreewald-Lausitz. In Elsterwerda hat der Umzug viele Diskussionen ausgelöst. Frank Claus

Der erste, der mit dem Thema in die Öffentlichkeit ging, war Joachim Richter aus Elsterwerda, der einen über 90-Jährigen betreut. "Ich habe plötzlich kein Rezept mehr bekommen, und wir waren auch nicht informiert, dass Tihamér Pap Elsterwerda verlässt", berichtete er in einer Ausschusssitzung der Elsterwerdaer Stadtverordnetenversammlung. Viele Patienten seien verunsichert, berichtet er noch.

Die niedergelassenen Ärzte in Elsterwerda waren vom Weggang ihres Kollegen scheinbar ebenfalls ohne Vorankündigung überrascht worden. "Ich werde damit noch heute täglich konfrontiert, wenn neue Patienten von mir behandelt werden wollen", sagt einer der niedergelassenen Ärzte. Nach eigenen Angaben betreut er im Quartal jetzt schon bis zu 1500 Patienten, das seien 600 mehr als der Brandenburger Durchschnitt. Ein weiterer, der fast ebenso viele Patienten betreut, meint, dass das Versorgungszentrum mit der momentanen Nichtbesetzung der Stelle seinen Sicherstellungsauftrag nicht erfülle. Ihre Namen wollen alle befragten Ärzte mit Verweis auf die Spannungen, die es mit den Leitungen von Elbe-Elster-Klinikum und Versorgungszentrum gebe, nicht in der Zeitung lesen. Sie wollen eins aber geschrieben wissen: Die Zusammenarbeit mit den Ärzten im Krankenhaus Elsterwerda sei außerordentlich gut.

Die befragten niedergelassenen Ärzte erklären zudem, dass ihr ehemaliger Kollege, der sich sehr eingebracht habe, ihnen gegenüber versichert habe, auf Anweisung des Versorgungszentrums die Stelle in Grünewalde anzutreten. In der Stellungnahme des Klinikums Elbe-Elster, das das Versorgungszentrum betreibt, heißt es: "Herr Tihamér Pap hat sich auf eigenen Wunsch hin bereit erklärt, die MVZ-Praxis in Grünewalde zu übernehmen. Bedauerlicherweise steht somit Herr Pap in Elsterwerda nicht mehr zur Verfügung." Und was sagt der Betroffene selbst? Ihm sei von "seinem Chef" angeraten worden, nichts zu sagen. "Ich bin Angestellter, ich möchte keine Meinung äußern", sagt der Mann mit ungarischen Wurzeln. Auf die Frage, ob es ihm in Elsterwerda gefallen habe, bleibt er diplomatisch: "Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl, das war in Elsterwerda so und so ist es jetzt auch in Grünewalde. Ich bin froh, hier arbeiten zu dürfen."

Doch warum lässt das Versorgungszentrum in Elsterwerda überhaupt eine Lücke entstehen, um im Nachbarkreis und damit nicht im eigentlichen Kerngebiet des Klinikums tätig zu werden? Im Statement des Klinikums heißt es: "Wir, als Medizinisches Versorgungszentrum des Elbe-Elster Klinikums, sind von den Einwohnern der Gemeinde Grünewalde und von der Stadt Lauchhammer um Hilfe gebeten worden." In der Pressemitteilung zur Eröffnung der Praxis in Grünewalde steht, dass die Freude über die schnelle Eröffnung der neuen Praxis nicht nur aufseiten der Stadt Lauchhammer groß sei, sondern auch bei Michael Neugebauer, Geschäftsführer des Elbe-Elster Klinikums. Von der Kassenärztlichen Vereinigung erhält das Klinikum für die schnelle Entscheidung zu Grünewalde Rückendeckung. "Als Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg haben wir den Sicherstellungsauftrag für die ambulante medizinische Versorgung. Unser Ziel ist es, für alle Patienten im Flächenland Brandenburg eine ausgewogene wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten. Ohne das Engagement des MVZ mit der Entscheidung, Herrn Pap in Grünewalde zu beschäftigen, würde es an diesem Standort keine Hausarztpraxis mehr geben. Daher begrüßen wir die Entscheidung der Einrichtung", erklärt Sprecher Christian Wehry.

Wie das Klinikum Elbe-Elster versichert, bleibe die Versorgung in Elsterwerda gesichert: "Izabela Brych-Nowak vom MVZ Elsterwerda und der niedergelassene Arzt Dr. Frank Gogolin erklärten sich bereit, die Patienten von Herrn Pap zu übernehmen und weiter zu betreuen, sodass alle Patienten von Herrn Pap weiter versorgt werden." Den niedergelassenen Ärzten in Elsterwerda zufolge ist das wohl doch nicht ganz so. Täglich würden sie mit Anfragen von neuen Patienten konfrontiert. So sei für die von Tihamér Pap durchgeführten etwa 70 Hausbesuche nicht in jedem Fall Ersatz gefunden. Auch sei die Einordnung in den ärztlichen Bereitschaftsdienst nicht vollends gesichert.

Und wie sieht man im benachbarten Klinikum Niederlausitz den Schritt von "Elbe-Elster" ins neue Territorium? Auch da ist die Zurückhaltung groß, wohl vor allem, weil auch das Niederlausitz-Klinikum inzwischen an der neuen Augenarztpraxis in Elsterwerda beteiligt ist. Deshalb lässt Geschäftsführer Uwe Böttcher erklären, dass die Sicherung der wohnortnahen Versorgung in Grünewalde auch für ihn Vorrang habe. Allerdings, so meint er: "Wir würden als ,Nachbarn' eine Information und Abstimmung hilfreich finden und begrüßen."