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| 19:27 Uhr

LR vor Ort in Elsterwerda
Lärmgeplagte Einwohner und ein schwacher Hochwasserschutz

Rudi Scheibe und weitere Einwohner haben am Donnerstagabend die Möglichkeit genutzt, um ihre Fragen bei der Rathauschefin loszuwerden.
Rudi Scheibe und weitere Einwohner haben am Donnerstagabend die Möglichkeit genutzt, um ihre Fragen bei der Rathauschefin loszuwerden. FOTO: Veit Rösler
Elsterwerda. Bei „LR vor Ort“ in Elsterwerda werden nicht nur Probleme, sondern auch positive Ausblicke auf den Tisch gepackt. Von Veit Rösler

Neuigkeiten aus erster Hand haben die etwa 60 Einwohner der Stadt Elsterwerda bei „LR vor Ort“ im gepflegten Miniaturenpark erhalten. Viele sind ihre brennenden Fragen losgeworden. Moderiert von RUNDSCHAU-Reporter Manfred Feller ist Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU), erst seit vier Monaten im Amt, keiner Frage ausgewichen und hat fundiert geantwortet. Damit war fast jeder in der lockeren Runde bei kühlen Getränken und Gegrilltem von Parkbetreiber Frank Brunne zufrieden. Die anwesende geballte Kompetenz aus der Verwaltung musste die Chefin des Rathauses nicht bemühen. Alt-Bürgermeister Dieter Herrchen verfolgte nebst Gattin in Sichtweise, wie sich seine Nachfolgerin auch den durchaus sehr kritischen Einwohnerfragen stellte.

Sie habe sich vom ersten Tag an in die Arbeit gestürzt. Jeder Neue im Amt habe eine riesige Liste an Aufgaben. So musste auch sie schon lernen, das Manches eben seine Zeit braucht. Die Stadt sei besser aufgestellt als ihr Ruf es sagt, stellt sie fest. Elsterwerda habe einen soliden Haushalt. Dies bedeute aber nicht, dass aus dem Vollen geschöpft werden kann. „Wir müssen das optimal nutzen, was wir haben“, so Anja Heinrich.

Viele Geschäfte in der Innenstadt haben geschlossen. Andere Inhaber wollen ebenfalls aufhören. Die Verwaltung suche mit Geschäftsinhabern und dem Gewerbeverein nach Lösungen. Einige seien bereits spruchreif. So wolle die SpreeGas ein Büro in der Hauptstraße eröffnen. Ein neues Café werde es geben. An der Postmeilensäule entsteht ein Künstleratelier. Gegenwärtig wird ein Projekt für neue Sitzgelegenheiten erarbeitet. Die Schaukästen sollen neu gestaltet werden. Die beschädigte Elster auf dem Marktbrunnen wird im Herbst abgenommen und repariert.

Ein nach wie vor großes Problem seien im Besitz der Fleischerei Arnold befindliche Ruinen im Stadtzentrum. Über das Abrissbegehren sei man nicht glücklich, weil einerseits eines der ältesten Gebäude verschwindet und danach eine unschöne Lücke entsteht.

Die Schulen seien alle in einem sehr guten Zustand. Im Moment werde ein verbessertes Mediensystem in den Grundschulen eingeführt. Der Hort soll wegen der zu knappen Räumlichkeiten entlastet werden. Dafür wird die alte Schule in Biehla für zehn Jahre angemietet. Leider sei die Förderschule als Ganzes nicht mehr da, was neue Probleme bringen werde.

Für Rentner Alexander Klaus ist der Name Poststraße, den es in Elsterwerda und im Ortsteil Kraupa gibt, ein großes Problem. Pflege- und Rettungsdienst landeten schon an der falschen Adresse. Lösung? Nicht in Sicht. Dann lädt Alexander Klaus die Bürgermeisterin ein, sich die Situation der verwinkelten Poststraße anzusehen. Anja Heinrich nimmt an.

Walter Kroker sieht große Probleme auf die Anwohner der Hainichenstraße zukommen. In dem Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe will ein Onlinehandel für Malerbedarf Waren per Lastwagen vertreiben, was mit einer enormen Geräuschbelastung verbunden sein dürfte. Die Anwohner seien ohnehin schon durch die nahe Bundesstraße belastet. Lärm ist auch das Ärgernis von Karlheinz Kirchner aus der Schillerstraße. Die Belästigung von der Bundesstraße sei nicht mehr auszuhalten. Jeden Tag kämen mit dem ersten Sonnenstrahl die 40-Tonner vorbeigedonnert. Diese würden sich zudem nicht an das vorgeschriebene Tempo halten. Eine stationäre Blitzeranlage oder eine Geschwindigkeitsanzeige seien erforderlich.

Auch nach den knapp zwei Frage-Antwort-Stunden bleibt Bürgermeisterin Anja Heinrich mit den Elsterwerdaern im Gespräch.
Auch nach den knapp zwei Frage-Antwort-Stunden bleibt Bürgermeisterin Anja Heinrich mit den Elsterwerdaern im Gespräch. FOTO: Veit Rösler

Während Bad Liebenwerda eine weitere Ortsumfahrung erhält, schauen die Elsterwerdaer in die Röhre. Anja Heinrich weiß, dass sich die Vorplanung seit den 1990er-Jahren hinzieht. Teure Gutachten sind überholt und müssen neu erstellt werden. Das Land, das hinsichtlich der Planungskapazitäten handlungshemmend gespart hat, komme seinen Aufgaben nicht mehr nach. Der Spatenstich für die Umfahrung müsse vor 2030 erfolgen, ansonsten gehe Elsterwerda gänzlich leer aus. Die Stadt bleibe an dem drängenden Thema dran.

Ebenso abgehängt vom Land fühle sich Elsterwerda beim Hochwasserschutz. Die Gefahr sei nicht gebannt und hemme im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster Investitionen. Die Bürgermeisterin versichert, dazu mit ihren Amtskollegen am Ball zu bleiben.

Ein weiteres Problem seien im Wohngebiet West leer stehende Wohnungen und eine zunehmende Verwahrlosung bestimmter Areale. Im Gegensatz dazu werde die derzeit im Ausbau befindliche Ackerstraße ab November eine schöne Ansicht bieten. Dort werden gleich noch Leerrohre verlegt, damit später das Glasfaserkabel eingezogen werden kann.

Eine große Herausforderung komme auf die Stadt mit dem Ausbau der Weststraße im nächsten Jahr zu. „Das wird eine anspruchsvolle Aufgabe“, so Anja Heinrich. Letztlich werde davon die gesamte Innenstadt betroffen sein.

Auch kulturell wird einiges geboten: Am 14. Juli steigt im Zentrum ein großes Klassikkonzert. Die immer mehr zurückgeschraubte Agreda soll künftig durch ein kleineres Erntedankfest auf dem Schlossareal ersetzt werden, das alle zwei Jahre Anfang Oktober stattfinden soll - im jährlichen Wechsel mit der Historischen Einkaufsnacht. Das Historische verschwindet zum Bedauern vieler Einwohner.

Zeitgleich findet am 1. September auf dem Holzhof ein von der Jugend organisiertes Fußballturnier statt. Apropos Jugend: Warum hat Kraupa einen Jugendclub und Elsterwerda nicht? Dies werde sich ändern, so Anja Heinrich. Ein Gebäude in der Bahnhofstraße sei dafür im Visier. Auch das alte Tennisheim auf dem Holzhof habe man sich als Option angesehen.