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| 17:05 Uhr

Hilfe für Existenzgründer und Nachfolger
Selbstständigkeit ist in Elbe-Elster fast ein Ladenhüter

Bad Liebenwerda. Neben dem großen Problem der Betriebsnachfolge könnte Elbe-Elster auch bei den Existenzgründungen zulegen. Im deutschlandweiten Ranking der 401 Landkreise und kreisfreien Städte von Focus-Online liegt der Südwesten Brandenburgs auf dem letzten Platz.

Neben dem großen Problem der Betriebsnachfolge könnte Elbe-Elster auch bei den Existenzgründungen zulegen. Im deutschlandweiten Ranking der 401 Landkreise und kreisfreien Städte von Focus-Online liegt der Südwesten Brandenburgs auf dem letzten Platz.

Die nackten Zahlen sind nach Angaben der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster mbH dann auch ernüchternd. Im Jahr 2015 wurden kreisweit 497 Gewerbeanmeldungen registriert. Im Gegenzug meldeten sich sogar 642 Personen als Selbstständige ab. Im Jahr darauf sah es mit 451 Neuanmeldungen und 483 Abmeldungen nicht besser aus.

Die Ursachen für die unbefriedigende Situation in diesem stark ländlich geprägten Gebiet sind vielschichtig. „Altersgründe spielen eine große Rolle. Aber oft bringt hier eine reguläre Arbeit finanziell mehr ein als die Selbstständigkeit“, stellt Jens Zwanzig, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, fest. „Wir hätten gern viel mehr innovative Gründungen, jedoch fehlt uns die Hochschule.“ Die Bandbreite könnte von den neuen Medien bis hin zu einem mit dem eigenen Geschäft und darüber hinaus verknüpften Onlineshop reichen.

Die vom Lotsendienst der Regionalen Wirtschaftsförderung begleiteten Existenzgründer kommen aus allen möglichen Branchen. Da sind das Frauenfitnessstudio und die Gerberei in Doberlug-Kirchhain ebenso darunter wie der Blumenladen in Bad Liebenwerda, der Keramiker in Hohenleipisch, der arabische Laden in Elsterwerda, die Zahntechnik in Falkenberg und die fachlich begleitete Übernahme einer Elektrofirma in der Kurstadt, zählt Regina Veik vom Lotsendienst auf.

Die meisten starten allein in die Selbstständigkeit. Etwa ein Drittel sind Frauen. „Einige scheitern, andere haben sich gut entwickelt, schon zehn- und 15-jähriges Jubiläum begangen und mittlerweile bis zu 30 Mitarbeiter“, weiß Regina Veik.

Mit sinkender Tendenz nahmen zuletzt in einem Jahr etwa 300 Gründungswillige an der Erstberatung des Lotsendienstes teil. Jene, bei denen gute Chancen gesehen werden, filtern die Fachleute für die Einzelbewertung heraus. Mit dem zur Verfügung stehenden, begrenzten Geld, können pro Jahr 50 Personen speziell betreut und auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet werden. „Tatsächlich an den Start gehen binnen zwei Jahren etwa 45“, so Regina Veik. Manche würden diesen Schritt schon nach wenigen Wochen wagen.

Die meisten Gründer nehmen den Lotsendienst nicht in Anspruch. Daneben unterstützt auch die Handwerkskammer Gründungswillige. Manche kommen von sich aus auf den Lotsendienst zu, andere werden von der IHK, dem Jobcenter, der Arbeitsagentur und den Wirtschaftsförderern der Städte auf die Möglichkeit der fachlichen Begleitung hingewiesen.

Um das Thema Selbstständigkeit schon bei jungen Leuten populärer zu machen, gibt es nach Auskunft von Jens Zwanzig einige Aktivitäten. Das Projekt „Schüler trifft Chef“ läuft. Auch Schülerfirmen gibt es. Ebenso gehen Unternehmerinnen und Unternehmer selbst in die Schulen und berichten von ihren Erfahrungen. Insgesamt sollte noch mehr getan werden. Die kreisliche Wirtschaftsförderung sei dazu bereit, bietet der Geschäftsführer an - damit sich die Gründerzahlen bald wieder positiv entwickeln.

(mf)