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Bergbausanierung
Braunes Wasser wird bei Plessa „entfärbt“

Drei Vorflutgräben strömen mit ihrer Eisenhydroxidfracht derzeit in die Schwarze Elster. Die Wasserbehandlungsanlage bei Plessa steht dazwischen.
Drei Vorflutgräben strömen mit ihrer Eisenhydroxidfracht derzeit in die Schwarze Elster. Die Wasserbehandlungsanlage bei Plessa steht dazwischen. FOTO: LMBV
Plessa. LMBV lässt eine mehr als 20 Millionen Euro teure Behandlungsanlage errichten. Baubeginn soll im nächsten Jahr sein.

Bis Plessa fließt die Schwarze Elster als großer Vorfluter im Süden Brandenburgs relativ klar dahin. Dann sorgen der Hammergraben und seine Zuflüsse durch ihr Wasser aus dem einstigen Braunkohleabbaugebiet um Lauchhammer und Plessa für eine sichtbare Braunfärbung. Pflanzen- und Tierwelt leiden darunter. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern.

Die Lausitzer- und Mitteldeutsche BergbauVerwaltungsgesellschaft (LMBV) plant am Ortseingang Plessa aus Richtung Lauchhammer eine mächtige Behandlungsanlage. Auf den Zeichnungen kommt sie wie ein mittlerer Industriebetrieb mit mehreren Hochbauten daher. Die Vorarbeiten mit dem Verlegen der notwendigen Trinkwasserleitung durch Plessa zu dem künftigen Bauplatz auf der grünen Wiese laufen seit einigen Wochen.

Weil in der feuchten Elster-Niederung gebaut wird, muss das gesamte Gelände hochwasserfern angehoben werden. Baubeginn soll im nächsten Jahr sein. In Betrieb geht die Anlage zur Wasserbehandlung voraussichtlich im Jahr 2021. Die Gesamtkosten für das Projekt beziffert die LMBV mit mehr als 20 Millionen Euro.

Schematischer Aufbau der Wasserbehandlungsanlage. Sie entsteht linksseitig vor Plessa aus Richtung Lauchhammer.
Schematischer Aufbau der Wasserbehandlungsanlage. Sie entsteht linksseitig vor Plessa aus Richtung Lauchhammer. FOTO: LMBV

Nach der Zeit der Braunkohleförderung in dem nach LMBV-Angaben ältesten und größten zusammenhängenden Tagebaugebiet der DDR zwischen dem heutigen Berg­heider See über den Grünewalder Lauch bis in den Raum Plessa strömt das Grundwasser wieder in Richtung der Niederung der Schwarzen Elster. Damit vor allem die einst von Kleintagebauen geprägte Stadt Lauchhammer entlastet wird, muss das saure und eisenreiche Nass im Norden gezielt über die teils bereits miteinander verbundenen kleinen Seen in Richtung Südwesten nach Plessa abgeleitet werden. Es entsteht, so Michael Matthes, Abteilungsleiter Projektmanagement bei der Bergbausaniererin LMBV mit Sitz in Senftenberg, ein mehr als 20 Kilometer langes Ableitsystem. Dieses verbindet nicht weniger als 18 Seen mit einer Wasserfläche von rund 860 Hektar. Zum Vergleich: Der beliebte Senftenberger See hat eine Fläche von etwa 1300 Hektar.

Um den Bau der Behandlungsanlage bei Plessa kommt die LMBV nicht herum, wenn sie das Wasser neutralisieren und das gelöste Eisen fällen will. Auf den großen Gewässern des Lausitzer Seenlandes können Bekalkungsschiffe effektiv und erfolgreich eingesetzt werden. Nicht geeignet sei dieses Verfahren für die kleinen Seen der Restlochkette bei Lauchhammer. Es fehlen schiffbare Kanäle und die Infrastruktur. Außerdem sei der Zustrom des sauren Grundwassers dort zu stark. Der Effekt der Neutralisation wäre schon nach wenigen Wochen dahin.

Die Wahl zum Bau einer Behandlungsanlage fiel auf Plessa, weil dort mit dem Binnen-, Hammer- und Floßgraben drei kleine Vorfluter mit saurem und eisenhaltigem Wasser auf dem Weg zur Schwarzen Elster zusammentreffen. Der Floßgraben führt zudem Grundwasser mit einem hohen Eisenanteil aus dem einstigen Tagebau Plessa mit sich.

Die Anlage kann bis zu 1,6 Kubikmeter Wasser je Sekunde behandeln. Dies reiche laut der LMBV bei normalem Durchfluss in den Gräben vollkommen aus. Für den Hochwasserfall in der Schwarzen Elster sei jedoch keine Sperre in dem Ableitsystem der kleinen Restlochkette abseits des Bergheider Sees vorgesehen. Das Wasser werde so behandelt, dass der pH-Wert von 3 auf 6,5 bis 8,5 steigt. Der Eisenanteil soll von 49 bis 73 Milligramm je Liter auf unter 3 gesenkt werden.

Am Ortseingang von Plessa wird diese Anlage mit gewaltigen Becken errichtet.
Am Ortseingang von Plessa wird diese Anlage mit gewaltigen Becken errichtet. FOTO: LMBV