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Linda Quellmalz macht mit ihrer Geschichte viel Mut

Mit der Geschichte ihres Lebens hat die 18-jährige Elsterwerdaerin Linda Quellmalz bewegt.
Mit der Geschichte ihres Lebens hat die 18-jährige Elsterwerdaerin Linda Quellmalz bewegt. FOTO: Philipp Zeiler
Koselitz. 200 km, Regen, Gewitter, Strömung – dies alles erlebten Philipp Zeiler (22, Gröditz) und Kevin Ludewig (23, Großenhain) auf der Elbe im Rahmen ihrer Paddeltour für den Sonnenstrahl e.V. pm/blu

Dresden. Vor wenigen Tagen beendeten sie in der Kirche Koselitz im Rahmen eines Benefizkonzertes offiziell die Paddeltour. Dabei erzählten beide auf eine interessante Art und Weise von den Erlebnissen vor, aber auch während der Paddeltour. "Wir waren uns immer bewusst, für welchen großartigen Verein wir dies durchführen. Zu wissen, dass das Geld krebskranken Kindern zu Gute kommt, gab uns immer wieder Kraft", waren sich die jungen Männer am Ziel ihrer Reise einig. Frau Herrmann (Dresden) vom Sonnenstrahl e.V. bekam in Koselitz symbolisch den Scheck im Wert von 500 Euro überreicht und berichtete über die Arbeit im Verein.

Der emotionsreiche Höhepunkt war die Benefizrede der 18-jährigen Elsterwerdaerin Linda Quellmalz, in der sie ausführlich über ihr Leben sprach. Schon als Neugeborene war sie schwerkrank. Sie litt an einer Zwerchfellhernie, bei der die Organe in den Brustkorb rutschten und ihr Herz nach rechts verschoben. Weitere kleine Operationen folgten und jeder hoffte, dass sie das Schwerste überstanden hat. Doch im Mai 2003 kam der Schock: Das Mädchen erkrankte an akuter lymphatischer Leukämie (Blutkrebs). Viele Operationen, Untersuchungen und Chemotherapien folgten. Linda Quellmalz verlor ihre Haare und musste auch das Laufen neu erlernen. Als nach zwei Jahren Therapie das Schlimmste überstanden war, wurde sie eingeschult und nutzte diese neue Erfahrung, um die seelischen Schmerzen zu kompensieren.

Zehn Jahre lang konnte die Elsterstädterin alles verdrängen und hat selten über ihren erlebten Schmerz gesprochen. Als sie am Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda in die zehnte Klasse kam, merkte sie, dass sie die Last innerlich zusammenbrechen ließ. Sie begann eine Traumatherapie im Uniklinikum in Dresden. "Es war eine große Herausforderung, dies parallel zur Abizeit zu tun. Ich habe mehrmals auch ans Aufgeben gedacht, um mich besser auf die Therapie konzentrieren zu können" blickt die Elsterwerdaerin zurück. Heute ist sie froh, ihr Abitur mit 1,5 geschafft zu haben. "Die Schule und das damit verbundene Lernen haben mich oft abgelenkt und meine Familie ermutigte mich zum Durchhalten."

Im März 2017 erzählte sie in der Kreuzkirche in Dresden beim Benefizkonzert zugunsten des Sonnenstrahl e.V. von ihren Erlebnissen und betonte, wie wichtig die Nachsorge ist. Bei diesem Konzert waren auch Kevin Ludewig und Philipp Zeiler von "aktivhelfen". Beide waren bewegt von den Worten der jungen Frau. Letzterer war so fasziniert von ihr und ihrer Geschichte, dass er sie versuchte zu kontaktieren und aus einer Unterstützungsanfrage wurde ein intensiveres Schreiben und Kennenlernen. Mittlerweile sind sie ein Paar.

An diesem Donnerstag schließt Linda Quellmalz die Traumatherapie ab, bevor sie ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Finsterwalde beginnt. Gemeinsam mit ihrer Psychologin will die 18-Jährige auch bald die Kinderonkologie im Uniklinikum Dresden besuchen und ihre eigene Zeit Revue passieren lassen. "Vor zwei Jahren konnte ich nicht darüber reden, hatte keinen Lebensmut mehr und sah meine Erkrankung nur negativ. Heute rede ich darüber, um auch aktuell erkrankten Kindern Mut zu machen, dass es weiter geht." Ermutigt hat sie die Zuschauer in Koselitz definitiv. Viele hatten Tränen in den Augen.