Die Ausstellung des streitbaren Künstlers Paul Böckelmann in Altenau über die zwei Bände seiner Bücher „Dreck ist ein fruchtbarer Boden“, verbunden mit einer Lesung und musikalischen Untermalungen, besuchten viele interessierte Gäste. Dass kaum noch Altenauer darunter sind, fällt auf. Ich selbst wollte auch keine Veranstaltung auf dem alten Pfarrhof mehr besuchen, war aber neugierig geworden durch den Titel „Fontane – er war nie hier“. Erlebt habe ich eine gekonnt vorgetragene Lesung mit einer einfallsreichen musikalischen Untermalung. Diese Künstler haben sich ihren Beifall verdient.

Jedoch der Inhalt der vorgetragenen Texte enttäuschte mich als Ehefrau des Altenauer Ortschronisten sehr. Sein Ehrenamt und das des Ortsvorstehers wurden beleidigt und den Altenauer Einwohnern übel nachgeredet. Hier ist „die künstlerische Freiheit“ zur Selbstinszenierung missbraucht worden.

Dabei haben der Künstler und seine Frau Elke ab 1980, als sie in Altenau Fuß fassten, für den Ort sehr viel Positives geleistet: Das Laientheater ab 1984, welches bis heute von anderen weiter geführt wird, thematische Mitgestaltung der Umzüge zu den Dorffesten aller zwei Jahre, das aufwändige Foto- und Buchprojekt „Altenau – ein Dorf zeigt sich“, bei dem sich fast alle Altenauer beteiligten und nicht zu vergessen Satz und Gestaltung der kleinen Altenauer Chronik 2009 zur 775-Jahrfeier. Zu seinen Foto-Projekten „Schlachten“ und „Dorfleben“ fand Paul Böckelmann überall offene Türen.

Statt als Einwohner froh zu sein, dass sich noch Bürger für ein Ehrenamt des Ortes bereit erklären, zieht er deren Arbeit vor einem breiten Publikum ins Lächerliche – für mich niveaulos. Auch die seit 2005 von meinem Mann über von ihm aufgefundenes geschichtliches Material des Ortes und der Umgebung durchgeführten Heimatabende, die sehr gut angenommen werden und in der Region in dieser Kontinuität fast einmalig sind, fielen seinem Sarkasmus zum Opfer, sogar bis hin zur schwarzen Aktentasche.

Sogar der Kulturpreis für Heimatgeschichte des Landkreises Elbe-Elster, den mein Mann 2008 für seine Arbeit erhielt, musste herhalten. Herr Böckelmann vergaß dabei vollkommen, dass er mit Fürsprache der Altenauer 2012 selbst einen Kunstpreis erhielt.

Das Entsetzliche für mich ist, dass das fast ausschließlich von außer­halb stammende Publikum die Zusammenhänge nicht erfassen konnte, weil es das Ganze als fiktives Beiwerk zum Hauptthema sah.

Und das alles ist ja ein mit Steuergeldern gefördertes Projekt gewesen. Das ist wiederum kein gutes Beispiel dafür, den Steuerzahlern glaubhaft zu machen: Eure Gelder werden nur sinnvoll und nutzbringend eingesetzt.

Annelore Grobe
Borschütz