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| 17:49 Uhr

Run auf Strecke Berlin-Dresden
Auf ein Bier mal schnell nach Prag

Leo Express, ein privates tschechisches Eisenbahnunternehmen, interessiert sich für die Strecke Berlin - Dresden - Prag mit Halt in Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda. Es bremst allerdings Euphorie: Noch läuft die Vorprüfung. Inzwischen wird auch der mögliche Starttermin ein Jahr nach hinten geschoben.
Leo Express, ein privates tschechisches Eisenbahnunternehmen, interessiert sich für die Strecke Berlin - Dresden - Prag mit Halt in Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda. Es bremst allerdings Euphorie: Noch läuft die Vorprüfung. Inzwischen wird auch der mögliche Starttermin ein Jahr nach hinten geschoben. FOTO: Leo Express / LR
Elsterwerda/Prag. Tschechische Privatbahn will auf Strecke Berlin-Dresden mit Stopps in Doberlug und Elsterwerda. Von Frank Claus

Es könnte eng werden auf der inzwischen zu großen Teilen ausgebauten Bahnstrecke Berlin-Dresden. Das private tschechische Eisenbahnunternehmen Leo Express interessiert sich nach eigenen Angaben am Betrieb dieser Strecke. Nach Medienverlautbarungen werde geprüft, schon zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember dieses Jahres täglich sechs Zugpaare verkehren zu lassen – und zwar von Berlin bis nach Prag. Elbe-Elster würde von diesem Vorhaben gleich zweimal profitieren, nämlich mit zusätzlichen Stopps in Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda.

Leo-Express-Geschäftsführer Peter Köhler, der seinen Sitz in Prag hat, bremst am Montag allerdings noch zu viel Euphorie: „Zu diesem Zeitpunkt können wir leider nur sagen, dass es sich um eine Vorprüfung handelt.“ Konkrete Pläne würden davon abhängen, wie in Zukunft auf tschechischer Seite Verkehre bestellt werden. Zur Zeit sei es so, dass die Strecke Prag bis Bad Schandau als gemeinwirtschaftlich ausgeschriebene Strecke mit Subventionen an die tschechische Bahn vergeben sei. Sein Unternehmen habe jedoch Anfang Februar einen Antrag für die Streckennutzung beim Amt für Zugang zur Bahninfrastruktur UPDI eingereicht.  „Der jetzige Antrag beim tschechischen Regulationsamt soll klären, inwieweit unsere Verkehre das ökonomische Gleichgewicht der subventionierten Verkehre der tschechischen Staatsbahn stören“, sagt Peter Köhler.


Leo Express ist ein privates tschechisches Eisenbahnunternehmen.
Leo Express ist ein privates tschechisches Eisenbahnunternehmen. FOTO: Leo Express

Definitiv, das bestätigte er am Montag, werde Leo Express nicht, wie zunächst vermeldet, in diesem Jahr auf der Strecke an den Start gehen. „Wenn, dann frühestens im Dezember 2019“, erklärt Peter Köhler auf Nachfrage.

In Deutschland wäre das nicht das erste Engagement der tschechischen Privatbahn. Der Bahnanbieter Leo Express hat Mitte August 2017 Teile der insolventen Locomore, ein Unternehmen mit Sitz in Berlin, übernommen und verkehrt seitdem fünf Mal in der Woche von Stuttgart nach Berlin. Dazu ist Leo Express eine Kombination mit Flixbus eingegangen, nutzt das Buchungssystem des Fernbus-Anbieters und das Marketing. Ob das auch für die mögliche neue Streckenbelegung zwischen Berlin, Dresden und Prag so gehandhabt werden soll, ist noch nicht entschieden.


Leo Express ist ein privates tschechisches Eisenbahnunternehmen.
Leo Express ist ein privates tschechisches Eisenbahnunternehmen. FOTO: Leo Express

Auch zum möglichen Preismodell gibt es noch keine Aussagen. Locomore hatte versucht, den Wettbewerb mit Fernbusunternehmen aufzunehmen und sich an ökologisch und preisbewusst denkende Zielgruppen, zumeist auch Studenten und Familien mit Kindern, gewandt. Mit Niedrigstpreisen und viel Service am Platz wollte man dem Marktbeherrscher, der Deutschen Bahn, Paroli bieten. Gelungen ist das nicht. Locomore gab nach nicht einmal einem Jahr auf. Dennoch, so ist verschiedenen Verlautbarungen zu entnehmen, sei die Locomore-Philosophie nicht vom Tisch.

Welche Wagen auf der Strecke Berlin-Prag zum Einsatz kommen könnten, ist auch noch nicht sicher.  Bekannt ist, dass Leo Express Züge des chinesischen Herstellers CRRC bestellt hat, die noch in diesem Jahr zur Auslieferung kommen sollen.

Leo Express will viel Komfort bieten.
Leo Express will viel Komfort bieten. FOTO: Leo Express

Im Elbe-Elster-Land hat die mögliche Aufwertung der Strecke schon für Aufsehen gesorgt. Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU) war zunächst skeptisch – meinte aber, nachdem sich die Meldungen bestätigten, dass weitere günstige Verbindungen nach Berlin und Dresden „ein Segen“ seien. Momentan halten je zwei Züge wochentags am Morgen, einer am Nachmittag und einer am Abend.  Die Stadt Elsterwerda hat bereits jahrelang, auch unter Amtsvorgänger Dieter Herrchen (parteilos), um IC-Halte am Bahnhof Elsterwerda gerungen und sogar zwischenzeitliche Kompromisslösungen für zusätzliche Halte am Freitag und Sonntag erkämpft.

Bei der Deutschen Bahn, so ist einem Bahnsprecher zu entnehmen,  führt der mögliche neue Bewerber auf der Strecke nicht zu hektischer Betriebsamkeit oder gar zu Schweißperlen auf der Stirn. Die Bahn hat ihrerseits bereits im vergangenen Jahr verkündet, ab Dezember 2019 eine neue IC-Verbindung Warnemünde-Rostock-Berlin-Dresden zu eröffnen. Der IC solle zweistündlich verkehren und ebenfalls in Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda halten. Auf der Strecke sollen nach Bahnangaben neue Fahrzeuge des Typs „Inter­city 2“ einge­setzt wer­den. Die Doppelstock-Fahrzeuge würden „über ein mod­ernes Design, eine großzügige Rau­maufteilung, viel Bein­frei­heit und bequeme Sitze“ verfügen. Zudem gebe es im Zug unter anderem auch einen  großräu­migen Kleinkind­bere­ich für Fam­i­lien, zusät­zlichen Platz für die Gepäck­auf­be­wahrung sowie reservierungspflichtige Fahrrad­plätze.

Leo-Express-Geschäftsführer Peter Köhler kennt dieses Vorhaben und sagt dennoch, dass der private tschechische Bahnanbieter an seinen Vorprüfungen festhalten wolle. „Konkurrenz auf der Strecke kann nur gut sein, besonders auch für die Kunden“, sagt Peter Köhler.