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| 16:38 Uhr

In Würdenhain praktiziert
Teil der Trinkwasser-Hauptleitung liegt in einem Flüssigbodenbett

An der Wehrbaustelle in Würdenhain wird die reparierte Trinkwasser-Hauptleitung vom Wasserwerk Oschätzchen nach Elsterwerda auf einem Teilstück mit Flüssigboden ummantelt und damit stabilisiert.
An der Wehrbaustelle in Würdenhain wird die reparierte Trinkwasser-Hauptleitung vom Wasserwerk Oschätzchen nach Elsterwerda auf einem Teilstück mit Flüssigboden ummantelt und damit stabilisiert. FOTO: LR / Manfred Feller
Würdenhain. Nach der Havarie mit Totalausfall des Trinkwassers Ende Juli/Anfang August wird das starke Gussrohr vom Wasserwerk Oschätzchen nach Elsterwerda in einem Abschnitt havariesicher ummantelt. Von Manfred Feller

Die Havarie an der Trinkwasser-Hauptleitung vom Wasserwerk Oschätzchen nach Elsterwerda ist allen Betroffenen noch in bester, eher in schlechter Erinnerung. Ungefähr 13 000 Kunden, darunter Großbetriebe und das Klinikum, waren am 31. Juli und 1. August vom Totalausfall der zentralen Trinkwasserversorgung betroffen. Die Schadstelle, ein Riss in der 400er-Gussleitung neben der Röderwehr-Baustelle in Würdenhain, war zwar bald behoben, doch die Suche nach den Ursachen hält an.

Damit es nicht erneut zu einer Katastrophe mit enormen Folgeschäden bei den Kunden kommt, handelt der Wasser- und Abwasserverband (WAV) Elsterwerda vorbeugend. Einige Meter neben dem neuen Würdenhainer Wehr wird die Gussleitung noch bis hinein in die nächste Woche auf 60 Metern Länge in 5-Meter-Abschnitten freigelegt. Ein Betonmischfahrzeug bringt sogenannten Flüssigboden, der über eine Metallrinne in die Grube fließt.

„Der Flüssigboden besteht aus Sand und Zuschlagstoffen“, erläutert Heiko Pirschel, Meister Trinkwasserversorgung beim WAV. Zement sei keiner drin. Denn dieser würde aushärten. Der Flüssigboden umschließt das 400 Millimeter starke Gussrohr aus den 1970er-Jahren, muss nicht verdichtet werden und bleibt stichfest wie halb abgebundener Estrich. Bei Bedarf könne er wieder mit Wasser gelöst werden. Das Material kompensiert Erschütterungen und Vibrationen, die von außen in das Erdreich eingetragen werden sowie stabilisiert und schützt damit die Trinkwasserhauptleitung vor weiteren Schäden. Insgesamt müssen etwa 60 Kubikmeter Flüssigboden herangefahren werden.

Beim WAV hat diese Methode der Leitungssicherung nach Auskunft von Heiko Pirschel Premiere. Angewendet werde sie vornehmlich dort, wo ebenfalls Erschütterungen durch das Verdichten des Füllmaterials in den Kanalgruben vermieden werden muss. Zum Beispiel in sehr dicht besiedelten Wohngebieten.

Diese zusätzliche Maßnahme in Würdenhain kostet dem Wasserverband mehr als 30 000 Euro, sagt Verbandsvorsteher Maik Hauptvogel. Der Vorstand hatte sich dazu nach eingehender Analyse entschieden. Dies ist zwar viel Geld, aber im Vergleich zum wirtschaftlichen Schaden bei einem erneuten Rohrbruch angemessen.

Bei der Havarie Ende Juli seien anscheinend mehrere ungünstige Umstände zusammengetroffen, heißt es zur Ursachensuche. Der Verband werde nach Abschluss der Untersuchungen seine Schlüsse ziehen. „Die Versorgungssicherheit hat oberste Priorität“, versichert Maik Hauptvogel.

Eine noch zu prüfende Variante wäre, eine zweite Leitung von Oschätzchen nach Elsterwerda zu verlegen. Die geschätzten Kosten von fünf bis sieben Millionen Euro müsste der kleine Verband auf mehrere Jahre verteilen. Der Anschluss an das entfernte Wasserwerk Tettau käme weitaus teurer.