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| 01:07 Uhr

Legendäres Foto mit Joe Polowsky kehrte nach 60 Jahren an seine Wurzeln zurück

Vor dem Haus in der Dorfstraße 49 entstanden das berühmt gewordene und nun das nachgestellte Foto.Das historische Foto trugen Teilnehmer des Elbe-Days auf einem T-Shirt.Am Originalschauplatz wurde nach 60 Jahren am Sonntag das historische Foto nachgestellt.
Vor dem Haus in der Dorfstraße 49 entstanden das berühmt gewordene und nun das nachgestellte Foto.Das historische Foto trugen Teilnehmer des Elbe-Days auf einem T-Shirt.Am Originalschauplatz wurde nach 60 Jahren am Sonntag das historische Foto nachgestellt. FOTO: Fotos: Bettina Broneske
Burxdorf. Am Wochenende jährte sich zum 60. Mal die historische Begegnung der 58. sowjetischen Gardeschützendivision und einer Patrouille der 69. Infanteriedivision der US-Armee an der Elbe bei Torgau. Dass sich bereits einen Tag vor dem legendären Händedruck von Sowjets und Amerikanern auf der zerstörten Elbbrücke gleiches in Burxdorf abspielte, ist bis heute weitestgehend unbekannt. Dabei entstand vor dem Haus in der Dorfstraße mit der heutigen Nummer 49 ein Foto von Russen und Amerikanern, das um die Welt ging, und dessen Ursprung bisher dem sächsischen Kreinitz zugesagt wurde. Dieses Foto zeigt den in Torgau beerdigten Amerikaner Joe Polowsky. Von Bettina Broneske

Zur Geschichte: Am 25. April 1945 setzten gegen 11.30 Uhr Joe Polowsky, Buck Kotzebue und weitere vier Männer der Kotzebue-Aufklärungspatrouille unweit der zerstörten Brücke bei Lorenzkirch zur 58. sowjetischen Gardenschützendivision über (die RUNDSCHAU berichtete am Montag). Fast unbemerkt von den wenig verbliebenen Einwohnern und trotz der an die 300 Leichen, die entlang des Elbufers lagen, fielen sich die Sowjets und die Amerikaner gelöst in die Arme. Am Nachmittag des 25. April traf unterdessen eine andere russische Patrouille in Torgau auf amerikanische Truppen. Soldaten kletterten von beiden Seiten über die zerstörte Elbbrücke und reichten sich die Hände. Des Symbolcharakters wegen wurde dieses Aufeinandertreffen einen Tag später nachgestellt und durch den für eine US-Nachrichtenagentur arbeitenden Amerikaner Allan Jackson wirkungsvoll in Szene gesetzt. Dieses Foto, auf dem sich Russen und Amerikaner die Hände reichen, ging um den Globus und wurde zum Symbolbild für die Zerschlagung Hitlerdeutschlands und das Ende des Zweiten Weltkrieges.

Historisches Foto in Burxdorf
Doch schon einen Tag vor dieser „inszenierten“ Begegnung reichten sich in Burxdorf, bei Bad Liebenwerda, Amerikaner und Russen zum ersten Mal die Hände. Dies belegen neueste militärhistorische Erkenntnisse. Die 36 Mann starke US-Patrouille unter Leutnant Kotze bue drang weiter bis nach Burxdorf vor. Ihr Ziel war es, den im Haus mit der heutigen Nummer 49 einquartierten zuständigen Stab des 175. Gardeschützenregiments der Roten Armee zu erreichen und später nach Torgau weiter zu ziehen. Beide Patrouillen sollen im Gebäude des Regimentsstabes ausgiebig gefeiert haben. Hierbei entstand auch jenes legendäre Foto, das den jungen Amerikaner Joe Polowsky im Jeep stehend zeigt. Auch diese Aufnahme, festgehalten vom Russen Igor Belousewitsch, gelangte nach Kriegsende zu Weltruhm und zierte die Geschichtsbücher. Vor allem während der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR soll dieses Foto medienwirksam verwendet worden sein.
Da Militärhistoriker lange im Glauben waren, die amerikanischen Truppen wären auf sächsischem Gebiet weiter in Richtung Torgau gezogen, schrieb man besonders dem sächsischen Elbdorf Kreinitz eine historische Rolle zu. Deshalb auch die Annahme, dass diese Foto in Kreinitz entstanden sein muss. Erst vor zehn Jahren widerlegte ein holländischer Historiker diese Theorie. Für Torgauer Heimatforscher eine ganz neue Erkenntnis, die zum Anlass genommen wurde, am 23. März 1995 in einer Torgauer Tageszeitung eine Sonderseite mit Fotos zu veröffentlichen, deren Zuordnung bis dato noch unklar erschien.
Der Burxdorfer Hauseigentümer erkannte sofort eindeutige Übereinstimmungen. Weitere Forschungen ergaben schließlich, dass es sich tatsächlich um dieses Gebäude in dem kleinen Ort handelte - eindeutiger Beleg dafür, dass die amerikanische Kotzebue-Patrouille wirklich ihren Weg bis ins heutige Brandenburg fand. Der welthistorische „Elbe-Day 1945“ führte also bis nach Burxdorf.

Polowsky wurde zur Symbolfigur
Die Ereignisse an der Elbe prägten den jungen Joe Polowsky nachhaltig. Nach seiner Rückkehr in die USA, 1946, wandte er sich an die Vereinten Nationen, um den 25. April zum Weltfriedenstag erklären zu lassen. Vergeblich. Fortan stellte er sich jedes Jahr zum Gedenken an den „Elbe-Day 1945“ auf die Michigan-Avenue-Bridge in Chicago und hielt eine Mahnwache. In Amerika wegen „unamerikanischer Umtriebe“ verfolgt, erkannte die sozialistische Welt dagegen die Friedensbemühungen Polowskys als anerkennenswert. Es folgten Besuche im Kreml und beim damaligen Staatsoberhaupt der DDR, Walter Ulbricht. Nach seinem Tod, am 18. Oktober 1993, ließ sich Polowsky trotz des „Eisernen Vorhangs“ in Torgau beerdigen. „Damit wollte er die Gräben des kalten Krieges außer Kraft setzen“ , so Günther Schöne, Autor des Buches „Joe Polowsky - Brücke zwischen den Welten“ und Mitorganisator des Elbe-Day in Torgau.

Elbe-Day in Burxdorf
Schöne war es auch, der aufgrund dieser neuen spektakulären Erkenntnisse den Elbe-Day zum 60. Jahrestag der Befreiung bis nach Brandenburg kommen ließ. Durch den Militärhistorischen Verein Zeithain, Vereine aus dem Vogtland und eigens angereiste Russen und einen Kalifornier ließ Günther Schöne das historische Jeep-Foto am Original-Schauplatz noch einmal nachstellen und demonstrierte den Einzug der Ost- und Westalliierten Truppen. Und dies unter den Augen eines zahlreichen Publikums. Schöne dazu gegenüber der RUNDSCHAU: „In dieser Region wurde Weltgeschichte geschrieben. Dies sollte fortan als touristischer Baustein genutzt werden. In Verbindung mit den Kriegsgefangenenlagern Mühlberg und Zeithain sowie den Schauplätzen in Lorenzkirch und Torgau könnte diese Gegend verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden.“

Keine Zeitzeugen
Vom damaligen Einzug der Truppen in Burxdorf weiß heute allerdings kaum jemand etwas zu berichten. Zeitzeugen dieses historischen Ereignisses zu finden, erweist sich als schwierig. 1945 sollen hauptsächlich Alte, Frauen und Kinder im Dorf gewohnt haben, die Männer im wehrfähigen Alter waren meist im Krieg. Viele Orte wurden vorsorglich evakuiert, und die Wenigen, die geblieben waren, sollen sich zum eigenen Schutz versteckt haben, ist von wenigen Dorfbewohner zu erfahren.