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| 10:04 Uhr

Schimmel und schlimmer
Was Lebensmittelkontrolleure in Elbe-Elster entdecken

   Blick in den Lagerraum von einem vom Lebensmittelüberwachungsamt Elbe-Elster kontrollierten Imbiss: ein zugestopfter Kühlschrank, teils verschimmelte Obstkonserven und kühlpflichtige Lebensmittel neben dem Kühlschrank.
Blick in den Lagerraum von einem vom Lebensmittelüberwachungsamt Elbe-Elster kontrollierten Imbiss: ein zugestopfter Kühlschrank, teils verschimmelte Obstkonserven und kühlpflichtige Lebensmittel neben dem Kühlschrank. FOTO: Landkreis
Elbe-Elster. Es gibt Betriebe, dort würden die Lebensmittelkontrolleure aus Elbe-Elster auch privat einkaufen und essen. Und es gibt Betriebe, da kann es einem Lebensmittelkontrolleur schon mal übel werden. Von Manfred Feller

Fleischermeister Egbert Baehr aus Fermerswalde öffnet den Lebensmittelkontrolleuren vom Landkreis gern die Tür. Denn in seinem Betrieb müssen sie lange suchen, um wieder nichts Negatives zu finden.

„Sauberkeit kostet Geld und Zeit“, sagt der 53-Jährige. Dies wisse die Kundschaft neben der Qualität seiner Waren sehr wohl zu schätzen. Fleisch- und Wurstwaren aus Fermerswalde würden bis Berlin, Potsdam und in die alten Bundesländer geliefert.

 Hygiene ist das oberste Gebot. Bei Fleischermeister Egbert Baehr (53) in Fermerswalde können die Lebensmittelkontrolleure lange suchen. Und sie werden nichts finden. Während der Hoffeste dürfen sich die Kunden selbst ein Bild von dem im Jahr 2002 gegründeten und heute zwölf Mitarbeiter zählenden Handwerksbetrieb machen. Das nächste ist am 22. September. Egbert Baehr ist seit 30 Jahren Meister seines Fachs.
Hygiene ist das oberste Gebot. Bei Fleischermeister Egbert Baehr (53) in Fermerswalde können die Lebensmittelkontrolleure lange suchen. Und sie werden nichts finden. Während der Hoffeste dürfen sich die Kunden selbst ein Bild von dem im Jahr 2002 gegründeten und heute zwölf Mitarbeiter zählenden Handwerksbetrieb machen. Das nächste ist am 22. September. Egbert Baehr ist seit 30 Jahren Meister seines Fachs. FOTO: Dieter Müller

Egbert Baehr steht für viele Betriebe von der Produktion/Erzeugung von Lebensmitteln bis hin zu deren Verkauf an die Kunden, in denen die Hygiene oberstes Gebot ist. Denn der Ruf ist schnell ruiniert.

Ilona Schrumpf, Amtsleiterin im Amt für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Landwirtschaft in der Kreisverwaltung Elbe-Elster, kennt die nicht immer nasenfeine Arbeit der Kontrolleure aus eigener Erfahrung. Neben der sauberen gebe es aber auch die andere, die schmutzige Seite. „Ich habe einst selbst kontrolliert. Wer keine Zeit zum Reinigen hat, dem verschaffen wir welche“, versichert sie.

 Unter einer Spüle in einem Imbiss: verschmutztes Geschirr und verdreckte Wandfliesen.
Unter einer Spüle in einem Imbiss: verschmutztes Geschirr und verdreckte Wandfliesen. FOTO: Landkreis

Lebensmittelüberwachung: Gruselbeispiele aus dem Arbeitsalltag

Ein paar Gruselbeispiele aus dem Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter hat sie auch parat: Das Lager in einem Imbiss (der Ort darf nicht genannt werden) ist der Horror. „Mangelhafte Warenpflege“ im Kühlschrank. Teilweise verschimmelte Obstkonserven. Kühlpflichtige Lebensmittel stehen im Raum.

Oder das Lager eines Einzelhändlers mit offener Toilettenkabine und abgestelltem Rasenmäher. Dort wurden Brötchen getrocknet, um daraus Semmelmehl herzustellen. Ekelhaft.

 Entdeckt vom Lebensmittelüberwachungsamt Elbe-Elster in der Kühlzelle einer Fleischerei: Aufgebrochenes Wild noch in der Decke liegt auf dem Fußboden neben unverpackten Fleischwaren.
Entdeckt vom Lebensmittelüberwachungsamt Elbe-Elster in der Kühlzelle einer Fleischerei: Aufgebrochenes Wild noch in der Decke liegt auf dem Fußboden neben unverpackten Fleischwaren. FOTO: Landkreis

Um das Durchsetzen der Hygienevorschriften kümmern sich acht Lebensmittelkontrolleure, die sich sieben Stellen teilen. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Ilona Schrumpf, auch wenn sie gern mehr Personal hätte. Denn Elbe-Elster zählte im vergangenen Jahr nicht weniger als 2061 überwachungspflichtige Betriebe. Darunter waren 563 Erzeuger (wie von Milch, Eiern, Honig), 123 Hersteller (wie Bäcker, Fleischer, Direktvermarkter), 766 Dienstleister (wie Gaststätten, Küchen, Imbissgeschäfte), 547 Einzelhändler, 16 Lebensmitteltransporteure und 25 Hersteller/Abpacker (wie von Getränken).

 Entdeckt vom Lebensmittelüberwachungsamt Elbe-Elster in einer Gaststätte: ein lange nicht mehr gereinigter Besteckkasten.
Entdeckt vom Lebensmittelüberwachungsamt Elbe-Elster in einer Gaststätte: ein lange nicht mehr gereinigter Besteckkasten. FOTO: Landkreis

Rein statistisch ist durch die erfolgten 1938 Kontrollen fast jeder Betrieb binnen eines Jahres aufgesucht worden. „Doch wir arbeiten nach der Risikobeurteilung. Manche sind alle zwei Monate an der Reihe, andere mehrmals im Jahr und weitere nur alle paar Jahre“, erläutert die Amtsleiterin.

Relativ oft Besuch erhalten zum Beispiel Küchen in Kindereinrichtungen, Altenheimen und Krankenhäusern. Generell gelte: Wo es Beanstandungen gibt, taucht die Behörde immer wieder auf.

Lebensmittelkontrolleure werden oft fündig

 Im Verkaufsraum eines Lebensmittelgeschäftes entdeckt: längere Zeit nicht entfernte Reste unter den Verkaufsstiegen.
Im Verkaufsraum eines Lebensmittelgeschäftes entdeckt: längere Zeit nicht entfernte Reste unter den Verkaufsstiegen. FOTO: Landkreis

Die Lebensmittelkontrolleure werden oft fündig. Im Vorjahr waren 259 Betriebe (etwa jeder achte) beanstandet worden – die meisten durch Kontrollen, einige wenige durch die insgesamt 522 genommenen Proben.

Die protokollierten Verstöße, in einigen Betrieben mehrfach, summieren sich auf 7181. Dies betrifft unter anderem die Betriebshygiene (5093), die allgemeine Hygiene/Management (807), Kennzeichnung/Aufmachung (656) und die Zusammensetzung von Produkten (172).

Irreführend sei zum Beispiel, wenn eine Pizza falsch deklariert mit Spalla Cotta, anstatt mit Schinken belegt wird und mit Käseersatz oder billige Tropenzunge/Pangasius als Seezunge teurer verkauft wird.

So ahnden Lebensmittelkontrolleure Verstöße

 Lagerraum eines Lebensmitteleinzelhändlers ohne eine Tür zur Toilette.
Lagerraum eines Lebensmitteleinzelhändlers ohne eine Tür zur Toilette. FOTO: Landkreis

Die Kontrolleure haben Mittel, um die Verstöße zu ahnden. Für Ordnungswidrigkeiten (wie das Rauchen in der Küche oder verschmutzte Kleidung) gibt es eine Verwarnung zwischen fünf und 55 Euro – 2018 insgesamt 94-mal verhängt. Verfügungen (173-mal erlassen, wie Lager entrümpeln und reinigen) haben kostenpflichtige Nachkontrollen zur Folge.

Bußgelder können bis in eine Höhe von 30 000 Euro verhängt werden. In der Realität seien es meistens zwischen 100 und 1000 Euro, in Ausnahmen bis zu 7500 Euro. 27 Betriebe mussten 2018 zahlen.

Gründe waren gravierende Hygienemängel in Einkaufsmärkten, Gaststätten, Küchen, nicht gekennzeichnete Al­lergene bei Fleischer, Bäcker und in der Eisdiele oder getäuschte Kunden. Gegenwärtig sei lediglich ein Strafverfahren anhängig – gegen einen Milcherzeuger.

Wenn die Hygiene absolut mangelhaft ist, wird ein Laden bis zur Beseitigung der Mängel geschlossen. Dies betraf in der Vergangenheit u. a. einen Bäcker im Raum Doberlug-Kirchhain, einen Fleischer im Raum Finsterwalde und eine Gaststätte im Raum Bad Liebenwerda.

Davon abschrecken lässt sich Amtsleiterin Ilona Schrumpf nicht. „Ich würde überall essen gehen, wo offen ist“, sagt sie, gibt aber zu, auf den ersten Eindruck Wert zu legen: Ist es allgemein sauber? Ist die Auslage in Ordnung? Gelingt ein Blick in die Küche? Sind allerdings die Toiletten schmutzig, macht sie wieder auf dem Absatz kehrt.

Lebensmittelkontrollen: Ein Viertel der Proben beanstandet

Weniger Mängel bei Lebensmitteln in Sachsen