| 14:43 Uhr

Deutschlands erster elektrogetriebener 200-Tonnen-Bagger
Ein Elektrogigant im Steinbruch

In der Lausitzer Grauwacke Lieske, OT Oßling, ist am Mittwoch im Tagebau der erste, etwa, 2,2 Millionen Euro teure elektrogetriebene 200-Tonnen-Bagger der Firma Liebherr in Betrieb gegangen. Eurovia-Spartenleiter Robert Finke (4.v.l.) nimmt den Schlüssel für den Bagger entgegen.
In der Lausitzer Grauwacke Lieske, OT Oßling, ist am Mittwoch im Tagebau der erste, etwa, 2,2 Millionen Euro teure elektrogetriebene 200-Tonnen-Bagger der Firma Liebherr in Betrieb gegangen. Eurovia-Spartenleiter Robert Finke (4.v.l.) nimmt den Schlüssel für den Bagger entgegen. FOTO: Frank Claus / LR
Lieske/Oßling. Lausitzer Grauwacke stellt den ersten elektrogetriebenen 200-Tonnen-Bagger in Betrieb Von Frank Claus

Es ist ein Riesengerät. Mehrere Schwerlasttransporte waren nötig, um den 200-Tonnen-Bergbau-Bagger der Firma Liebherr bis auf Sohle 5 des Lausitzer Grauwacke-Standortes in Lieske, Ortsteil Oßling, zu transportieren. Das Gerät ist nach Unternehmensangaben das erste Modell dieser Art mit einem Elektroantrieb in Deutschland und erst der zweite in Europa. Nummer zwei steht in einem Kohletagebau in Bosnien.

„Es ist der Schritt in den ,grünen’ Steinbruch“, sagt Eurovia-Spartenleiter Gestein, Robert Finke, zu dem auch die Lausitzer Grauwacke an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg gehört. Denn mit diesem Großgerät hält der Elektroantrieb Einzug in die Welt der 200-Tonnen-Bergbau-Bagger. Die Maschine ist so etwas wie ein Geburtstagsgeschenk. Die Eurovia feiert in diesem Jahr
100. Geburtstag, die Lausitzer Grauwacke GmbH begeht im Mai ihren 50. Etwa 2,2 Millionen Euro investiert das Unternehmen in diese moderne Abbautechnologie. Dabei hat es am Standort im sächsischen Lieske schon mal Elektrobagger gegeben, aber nicht mit dieser Ausstattung und Leistungskraft.


Baggerfahrer Roberto Zschech ist begeistert von der Technik.
Baggerfahrer Roberto Zschech ist begeistert von der Technik. FOTO: Frank Claus / LR

Baggerfahrer Roberto Zschech, seit 42 Jahren in der Firma, lehnt sich zufrieden zurück in seinem ergonomisch geformten und hydraulisch gesteuerten Sitz. Rechts ein Display, vor ihm Schalthebel und Knöpfe. Und hinter ihm ein Staubsauger. Ein Staubsauger? Der Baggerfahrer lacht, als er erzählt: „Der war ein Extrawunsch.“ Extra eine Steckdose ist für ihn in der Fahrerkabine installiert worden. „Der Bagger besitzt eine voll klimatisierte Überdruck-Kabine. Das heißt, auch Staub wird erheblich minimiert. Und was wir an den Schuhen reintragen, wird zum Feierabend ausgesaugt.“

Im etwa 60 Hektar großen Tagebau Oßling werden jährlich zwei Millionen Tonnen Grauwacke gefördert. Im Tagebau verlädt der Elektrobagger auf die 60-Tonnen-Schwerlastkaftwagen, die wiederum den Rohstoff zu den Brecheranlagen fahren. Eine moderne Bahnverladung mit einer Leistung von 1000 Tonnen pro Stunde sowie der Einsatz modernster Zugverholeinrichtungen gewährleisten in kurzer Zeit die Beladung von Schwerlastzügen mit 2760 Tonnen Zuladung.
Im etwa 60 Hektar großen Tagebau Oßling werden jährlich zwei Millionen Tonnen Grauwacke gefördert. Im Tagebau verlädt der Elektrobagger auf die 60-Tonnen-Schwerlastkaftwagen, die wiederum den Rohstoff zu den Brecheranlagen fahren. Eine moderne Bahnverladung mit einer Leistung von 1000 Tonnen pro Stunde sowie der Einsatz modernster Zugverholeinrichtungen gewährleisten in kurzer Zeit die Beladung von Schwerlastzügen mit 2760 Tonnen Zuladung. FOTO: Frank Claus / LR

Arbeiten im Steinbruch, das ist Staub. Wenn der große 12,5 Kubikmeter fassende Löffel in das nach Sprengung zerkleinerte Hartstein-Material greift und seine Ladung auf die Schwerlastkraftwagen verlädt, entsteht unweigerlich Staub. Doch damit nicht genug. Die Dieselabgase haben zusätzlich Mensch und Umwelt belastet. Damit ist jetzt Schluss.

Die Entscheidung für Elektroantrieb und den R9200E sei wohlüberlegt. „Wir streben nach kontinuierlichen Verbesserungen im Umweltbereich, wobei die nachhaltige Gestaltung der Zukunft ein wesentliches Ziel darstellt“, betont Spartenleiter Robert Finke. „Deshalb haben wir uns bei der Ersatzbeschaffung für den Elektroantrieb entschieden.“ Der R9200E sei ein leistungsfähiger 200-Tonnen-Bagger mit hoher Verfügbarkeit bei geringen Betriebs- und Verschleißkosten. Eingesetzt werden soll er in Lieske – gesichert ist der Abbau schon heute noch etwa 25 Jahre – zur Förderung von gesprengtem Haufwerk und der Beladung von Schwerlastkraftwagen mit einer Nutzlast von 65 Tonnen. Doch auch da wird schon an die nächst größere Dimension gedacht. Jetzt greift der Löffel drei Mal ins Gestein, und ein Fahrzeug ist beladen. Größere Transportfahrzeuge würden durch weniger Fahrten auch eine geringere Umweltbelastung bedeuten. Luft nach oben ist auf jeden Fall: Der Mining-Bagger ist auf Muldenkipper mit Nutzlasten von bis zu 140 Tonnen ausgelegt.

Der elektrogetriebene 200-Tonnen-Bagger im Tagebau Oßling der Lausitzer Grauwacke Lieske bei der Arbeit. Der Bagger hat 850kW, entspricht 1156 PS, und wird über eine Stromleitung versorgt.
Der elektrogetriebene 200-Tonnen-Bagger im Tagebau Oßling der Lausitzer Grauwacke Lieske bei der Arbeit. Der Bagger hat 850kW, entspricht 1156 PS, und wird über eine Stromleitung versorgt. FOTO: Frank Claus / LR

Nachhaltigkeit sei für die Grauwacke GmbH ohnehin bedeutsam. Deshalb arbeite das Unternehmen seit Jahren mit Beutlhauser, dem größten Liebherr Vertriebs- und Servicepartner der Erdbewegung in Deutschland, zusammen. Das gemeinsame Interesse an nachhaltigen, energieeffizienten Lösungen verbinde beide Unternehmen.