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| 23:54 Uhr

Handwerker ausgezeichnet
Hand- und Beißfestes kommt vom Meister

Hin und wieder packt es Manfred Bielig. Dann muss der Tischlermeister aus Hohenleipisch in die Werkstatt und Holz bearbeiten.
Hin und wieder packt es Manfred Bielig. Dann muss der Tischlermeister aus Hohenleipisch in die Werkstatt und Holz bearbeiten. FOTO: LR / Manfred Feller
Elbe-Elster. Zu den 43 Diamantenen und 63 Goldenen Meistern, die am Mittwoch in Lehde von der Handwerkskammer Cottbus geehrt wurden, zählen auch Zahntechnikermeister Heinz Grieser aus Finsterwalde, Tischlermeister Manfred Bielig aus Hohenleipisch und Schmiedemeister Werner Henze aus Wiederau. Von Gabi Böttcher, Sylvia Kunze und Manfred Feller

„Die Jubilare haben in ihrem Arbeitsleben viel Wandel erlebt und ihn auch selbst mitgestaltet“, würdigte Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus, die Lebensleistung mit  Goldenen und Diamantenen Meisterbriefen.

Heinz Grieser (84) aus Finsterwalde kann sich diesmal nicht mit dem Auto  auf den Weg in den Spreewald machen. Seinen Goldenen Meisterbrief hatte er sich vor zehn Jahren noch in festlicher Runde abgeholt.

Zahntechnikermeister Heinz Grieser aus Finsterwalde bekommt zum Goldenen nun den Diamantenen Meisterbrief hinzu.
Zahntechnikermeister Heinz Grieser aus Finsterwalde bekommt zum Goldenen nun den Diamantenen Meisterbrief hinzu. FOTO: LR / Gabi Böttcher

Der Zahnarzt Erich Stuhlmacher in Prettin war es, der den damals  noch nicht einmal 15-Jährigen in die Welt der Zahntechnik schnuppern ließ, die ihn dann bis zum Ende seines Berufslebens nicht mehr los ließ. Schon in seinem Facharbeiterzeugnis, das er 1954 in Halle erhielt, wurde ihm eine  fleißige, saubere, und sehr zuverlässige Arbeit bescheinigt. Von der Poliklinik Torgau war er zur Meisterausbildung delegiert worden, die  er 1958 abschloss.

Auch Ehefrau Hannelore ist Zahntechnikerin. Beide verschlug es zunächst nach Lauchhammer und 1962 nach Finsterwalde. In der damaligen Zahnpoliklinik in der Karl-Marx-Straße wurde Heinz Grieser Chef des Labors mit neun Mitarbeitern. Mit der  Wende wurde es aufgelöst. Er wechselte dann in das im Ambulatorium Süd entstandene zahntechnische Labor und blieb seinem Beruf dort bis zum Eintritt ins Rentenalter treu.

Es seien wohl 18 Lehrlinge, die er im Laufe der vielen Jahre ausgebildet habe. Fingerfertigkeit, Ausdauer, gewissenhaftes und kreatives Arbeiten seien in diesem Beruf sehr wichtig, meint Heinz Grieser. Manchem jungen Menschen sei diese Arbeit heute wohl ein wenig zu „pipselig“.

Fuhr er zu DDR-Zeiten zur Münze nach Berlin, um für den Altkreis Finsterwalde das Kontingent für das benötigte Edelmetall zu holen, so war das nach der Wende nicht mehr das Problem. Neue Techniken hielten Einzug. Zum Beispiel waren die Gaumenplatten statt aus Kunststoff nun aus Edelstahl. „Wir haben praktisch von vorn angefangen“, blickt Heinz Grieser zurück und zieht sein Fazit: „Ich habe immer Freude gehabt an meiner Arbeit.“ Auch wenn er manche Nacht nicht habe schlafen können, ob die jeweilige Anfertigung wohl auch passen würde. „Aber da wurde man ja direkt zum Patienten an den Stuhl gerufen“, schmunzelt der 84-Jährige.

Werner Henze (84) aus Wiederau gehört zu den wenigen „Diamantenen“, die heute immer noch im Berufsleben stehen. Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht seinen Blaumann anzieht. Dem Sohn, der seit 1990 die Schmiede führt und in die Fußstapfen des Vaters getreten ist, den Rücken freihalten, nennt Werner Henze es. „Weil ich den Beruf so gerne mache, weil ich Spaß an der Arbeit habe“, begründet der rüstige Senior, warum er nicht die Hände in den Schoß legen will. Und außerdem: „Es war mir immer eine Freude, morgens um Sieben das Licht in der Werkstatt einzuschalten und loszulegen“, berichtet er. Was aber auch mit Disziplin zu tun hat. Eine Charaktereigenschaft, die Sohn Frank ebenfalls übernommen hat.

Fast könnte man meinen, so viel hat sich mit den Jahren – zumindest seit Vater Henze als 18-Jähriger den Betrieb übernahm – nicht verändert. „Hat es auch nicht“, schüttelt er den Kopf. Wenn man davon absehe, dass allein der Hufschmied heute nicht mehr so gefragt sei wie zu seinen Zeiten, sei Schmiedearbeit eben weitestgehend Schmiedearbeit geblieben.

In der Wiederauer Werkstatt, die es immerhin schon seit 548 Jahren gibt, werde alles abgearbeitet, was die Kunden so wünschen. Ob Zäune, Tore, Kunstschmiedearbeiten oder Arbeiten für Baubetriebe – bei Frank Henze sind die Aufträge in guten Händen. Und soweit es die Kräfte zulassen bis heute eben auch in denen seines Vaters. „Bloß nicht stillsitzen, sonst geht es zu Ende“, will Werner Henze auch zukünftig so schnell nicht von seiner Arbeit lassen.

Manfred Bielig (81) aus Hohenleipisch, gelernter Tischler, gehörte 1958 zu den jüngsten Meistern in der Region. Mit gerade einmal 21 Jahren hielt er das begehrte Papier in den Händen. Am Mittwoch erhielt er den Diamantenen Meisterbrief.

Zu Hause war er damals noch in Gorden. Sein Handwerk gelernt hat er ab 1951 in der Tischlerei von Fritz Heinrich in Grünewalde. Bis 1968 arbeitete er dort, fertigte Fenster und Türen, aber auch Särge und Möbel.

„Dann wollte ich mein eigener Herr sein“, erinnert er sich. Er machte sich selbstständig. Das  passende Grundstück, ein altes Bauerngehöft mit reichlich, aber verfallenem Nebengelass fand er 1971 in Hohenleipisch. Es wurde um- und ausgebaut und erweitert. Vom Wohnhaus bis zur Werkstatttür waren es nun nur ein paar Schritte. Bis heute fällt an dem sehr gepflegten Anwesen auf, dass dort ein Handwerksmeister mit seiner Frau Hand angelegt hat. Natürlich sind alle Fenster und Türen und einige Möbel in der eigenen Werkstatt entstanden. Darin hat Manfred Bielig auch etwa zehn Lehrlinge ausgebildet. Wenn er sich recht erinnert, sind fünf von ihnen selbst Meister geworden und haben sich selbstständig gemacht.

Über einen Mangel an Arbeit musste zu DDR-Zeiten kein Tischler klagen. Das größte Problem war wie in jedem Gewerk das stets knappe Material. „Ich habe hauptsächlich Kiefer und Eiche verarbeitet. Es wurde zugeteilt“, so der Senior, der immer noch nicht vom Holz und seiner nach wie vor komplett eingerichteten Werkstatt lassen kann. Wer die damalige Zeit als Handwerker oder Bauherr kennt, der weiß, es fanden sich immer Wege, um an das begehrte Material heranzukommen.

Das änderte sich mit der Wende schlagartig. Es gab plötzlich alles. Die Baumärkte nahmen den Bautischlern einen Teil ihrer Arbeit weg. Fenster und Türen aus pflegeintensivem Holz wurden durch Kunststoff ersetzt. „Das war eine schwere Zeit“, blickt der Hohenleipischer zurück. Zu tun hatte er dennoch. Anstelle der privaten Auftraggeber traten zunehmend staatliche. Im Jahr 2000 verabschiedete sich Manfred Bielig zwar in den Ruhestand, doch er wird nach wie vor unruhig, wenn er einige Zeit nicht mit dem so wunderbaren Rohstoff Holz arbeiten kann.