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| 02:42 Uhr

Lange Kampagnen werden jetzt normal

Die Zuckerrübenkampagne 2016 dauerte in Brottewitz 102 Tage. Mit dem Ende des regulierten EU-Zuckermarktes soll sie künftig 120 Tage überschreiten.
Die Zuckerrübenkampagne 2016 dauerte in Brottewitz 102 Tage. Mit dem Ende des regulierten EU-Zuckermarktes soll sie künftig 120 Tage überschreiten. FOTO: Karsten Bär/bae1
Brottewitz. Erst Silvester, gerade noch im alten Jahr, wurde in der Zuckerfabrik Brottewitz nach 102 Kampagnetagen die Zuckerrübenverarbeitung aus der 2016er Ernte beendet. Die nächste Kampagne, so viel steht fest, wird deutlich über den Jahreswechsel andauern. Karsten Bär

Mit dem Ende des regulierten EU-Zuckermarktes will die Südzucker AG die "Herausforderungen des Wettbewerbs annehmen", wie Dr. Rainer Schechter, der Leiter des Geschäftsbereichs Zucker/Rüben bei dem in Ochsenfurt/Mannheim ansässigen Konzern, erst unlängst bei einer Versammlung vor Zuckerrübenanbauern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zum wiederholten Male erklärte.

Man beabsichtige, so Schechter, die Kostenführerschaft in der gesamten Wertschöpfungskette zu erlangen und als Zuckererzeuger seine Marktführerschaft in Europa zu behaupten. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist die volle Auslastung aller bestehenden Verarbeitungsstandorte mit 120 Verarbeitungstagen pro Rübenkampagne, um bestehende Fixkosten zu reduzieren.

Auch für die Zuckerfabrik Brottewitz bedeutet dies, dass man ab der nächsten Kampagne über 120 Tage volle Kraft fahren will. Notwendig ist dafür eine entsprechende Menge an Rüben - bei einer Verarbeitungskapazität von 6000 Tonnen am Tag müssten insgesamt 720 000 Tonnen angeliefert werden. Um die Versorgung sicherzustellen, wurden mit den Zuckerrübenanbauern, die zum überwiegenden Teil auf den fruchtbareren Ackerstandorten in Sachsen ansässig sind, entsprechende Lieferkontrakte geschlossen. Für das gesamte sächsisch-thüringische Anbaugebiet, das für Brottewitz und das größere Südzucker-Werk in Zeitz Rüben erzeugt, wurde eine Kontraktmenge von etwas über zwei Millionen Tonnen gebunden. Das reicht noch nicht ganz, um beide Zuckerfabriken 120 Tage arbeiten zu lassen.

Unwahrscheinlich ist es nicht, dass eine leicht überdurchschnittliche Ernte diese Menge liefert. So war auch 2016 zu Beginn kaum zu erwarten, wie hoch die Ernte ausfallen würde. Im Einzugsbereich der Zuckerfabrik Brottewitz wurden von 408 Agrarbetrieben auf einer Anbaufläche von 8141 Hektar insgesamt über 595 000 Tonnen Zuckerrüben geerntet, das entspricht einem Durchschnittsertrag von 73,1 Tonnen je Hektar und ist der drittbeste Werte aller Zeiten. Der Trend zeigt, bei jährlichen Schwankungen, seit Langem nach oben. Beim Verband Sächsische-Thüringische Zuckerrübenanbauer verweist man auf im Mittel steigende Erträge, die unter anderem dem züchterischen Fortschritt beim Saatgut resultieren. Allerdings sind die regionalen Unterschiede beträchtlich. Während man in der Lommatzscher Pflege bis zu 100 Tonnen vom Hektar holt, können es im Südbrandenburger oder im Jessener Raum in Sachsen-Anhalt auch deutlich unter 60 Tonnen sein.

Wie bereit die Rübenanbauer sind, ihren Anbau auszuweiten und mehr Rüben nach Brottewitz zu liefern, ist nicht zuletzt vom Preis abhängig, den sie für die Rüben bekommen. Südzucker hat gemeinsam mit seinen Anbauern, die über die Süddeutsche Zuckerverwertungsgenossenschaft zu einem großen Anteil an dem Konzern beteiligt sind, das Bezahlsystem überarbeitet und vereinfacht. Man wolle den Erlös des Zuckers fair mit den Landwirten teilen und so eine nachhaltige Rohstoffversorgung sicherstellen, heißt es.

Gerade rechtzeitig vor dem Ende der Zuckermarktordnung ist der Zuckerpreis in Europa und am Weltmarkt wieder angezogen, nachdem er zuletzt mehrere Jahre deutlich im Keller war. Entsprechend dürfen sich die Landwirte über ihre Rübenabrechnung von der Zuckerfabrik freuen. Aber auch, weil Südzucker mit den weiteren Geschäftsfeldern Frucht, Spezialitäten und CropEnergies (Bioethanol- sowie Futtermittelherstellung) breit aufgestellt ist und Marktschwankungen abfedern kann, sieht sich der Konzern für die Zeit des beginnenden schärferen Wettbewerbs gut gerüstet, wie Schechter erklärte.