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| 18:00 Uhr

Mühlberg/Elbe
Landwirte reparieren im Winter Technik

Diesen Fendt-Traktor, der mit Gewichten für den schweren Feldeinsatz mehr als zehn Tonnen Gesamtmasse auf die Waage bringt, repariert Landmaschinenmechaniker Florian Mahl (r.) selbst. Sein Chef, Uve Gliemann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg, informiert sich hier in der Werkstatt in Fichtenberg über den Fortgang der Arbeiten.
Diesen Fendt-Traktor, der mit Gewichten für den schweren Feldeinsatz mehr als zehn Tonnen Gesamtmasse auf die Waage bringt, repariert Landmaschinenmechaniker Florian Mahl (r.) selbst. Sein Chef, Uve Gliemann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg, informiert sich hier in der Werkstatt in Fichtenberg über den Fortgang der Arbeiten. FOTO: Manfred Feller / LR
Mühlberg/Elbe. In den Werkstätten auch der Agrargenossenschaft Mühlberg wird jetzt geschraubt, gebaut und das Öl gewechselt. Vor allem die Traktoren müssen schnell wieder einsatzbereit sein. Von Manfred Feller

Auf den Feldern der rund 5900 Hektar großen Agrargenossenschaft Mühlberg mit mehreren Standorten herrscht Winterruhe. Dafür geht es in den Werkstätten rund und in der Tierproduktion sowieso. Vor allem die rollende Technik muss nach den harten Einsätzen bei Bestellung und Ernte wieder flottgemacht werden.

Landmaschinenmechaniker Florian Mahl aus Elsterwerda, seit einem halben Jahr in dem Betrieb, schraubt in der Werkstatt Fichtenberg an einem Koloss von Traktor. Die mächtigen Vorderräder sind demontiert. Der Frontzapfwellenantrieb wird erneuert, der Lenkzylinder abgedichtet und die Ventile eingestellt. Dies sind nur einige Arbeiten. „Das ist normaler Verschleiß. Die Reparatur dauert eineinhalb bis zwei Wochen“, sagt er.

Daneben steht ein Häcksler. Robert Gliemann aus Möglenz, Landmaschinenmechaniker-Meister, erneuert die Messer und die Verschleißbleche und wechselt das Öl. „Das ist die übliche Winterwartung. Die Technik hat viel gearbeitet“, sagt er. Zur Schlossermannschaft in Fichtenberg gehört auch Klaus Käseberg aus Borschütz.

Wer in der Pflanzenproduktion derzeit nicht unbedingt gebraucht wird, der bummelt Überstunden ab, verrät Genossenschafts-Geschäftsführer Uve Gliemann. Davon haben sich während der Hoch-Zeiten einige angesammelt. Anders in den Werkstätten. Nach dem Elek­tronikcheck in der Fachwerkstatt TC Lausitz in Plessa werden Traktoren, Häcksler und Mähdrescher selbst repariert. Darum kümmern sich elf Mechaniker in Koßdorf, Fichtenberg, Möglenz und Kosilenzien. Weitere elf erbringen in Weinberge Reparaturfremdleistungen an Lastwagen, Bussen und Pkw.

Der Fuhrpark der Mühlberger kostet ein paar Millionen Euro und wird entsprechend gewartet. Allein in Koßdorf stehen zehn Traktoren  seit der Wende vornehmlich deutsche Fendt, aber auch amerikanische John Deere. Dazu müssen ein Häcksler und ein Mähdrescher sowie die Technik für die Milchviehanlage gewartet werden. In Fichtenberg sind elf Traktoren stationiert und weitere Maschinen. In Möglenz und Kosilenzien noch einmal acht Trecker. Im Durchschnitt kostet einer rund 180 000 Euro und muss sieben bis acht Jahre sowie mehr als 10 000 Betriebsstunden arbeiten. Dann wird er getauscht.

Ein Traktorist trägt eine enorme Verantwortung. Denn ein Gespann aus Zugmaschine, Presse und Stapelwagen kostet etwa 400 000 Euro. So viel wie ein Eigenheim. „Aber mit Grundstück“, ergänzt der Geschäftsführer. Um bei den Preisen zu bleiben: Für einen Mähdrescher sind um die 230 000 Euro, für einen Häcksler 250 000 Euro und für einen Teleskoplader 80 000 Euro hinzublättern. Diese Summen müssen erst einmal erwirtschaftet werden.

„Aufgrund der niedrigen Milch- und Fleischpreise der vergangenen Jahre haben die Landwirte, auch wir, wenig investiert. So ein Traktor muss dann eben ein Jahr länger halten“, verrät Uve Gliemann. Die finanzielle Lage habe sich gebessert. Nun endlich ist vorgesehen, dass drei neue Schlepper auf den Hof rollen sollen. Da verstehe es sich von selbst, dass die Mechaniker immer wieder weitergebildet werden. Vier haben sich zum Meister qualifiziert.

Auch der Gesetzgeber hält die Landwirte auf Trab. Die aktuelle Düngeverordnung zwinge zum Anschaffen neuer Ausbringetechnik. Die riechende Gülle muss nun bodennah in den zu schlitzenden Acker gebracht und sofort mithilfe der Scheibenegge zugedeckt werden. Dies hat bis Ende September zu erfolgen. Bis Ende Oktober wäre wegen der Wachstumsphase der Pflanzen besser, so Uve Gliemann. Für die ab Oktober anfallende Gülle sind nun zusätzliche Lagerkapazitäten zu schaffen.

„Die Verordnung ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Man sollte den Landwirten mehr Freiheiten bei ihren Entscheidungen lassen“, kritisiert Michael Lehmann, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster. Der Nitratgrenzwert im Grundwasser werde hier auch so unterschritten.

Auch die Reparatur dieses leistungsstarken Häckslers ist eine 1-Mann-Sache. Daran arbeitet Landmaschinenmechaniker-Meister Robert Gliemann.
Auch die Reparatur dieses leistungsstarken Häckslers ist eine 1-Mann-Sache. Daran arbeitet Landmaschinenmechaniker-Meister Robert Gliemann. FOTO: Manfred Feller / LR