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| 21:51 Uhr

Landtagswahl 2019, Wahlkreise 36 und 37 Elbe-Elster
Peter Drenske und Volker Nothing von der AfD gewinnen die Wahl

 Allen Grund zur Freude: Peter Drenske, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 36 (l.) und Volker Nothing, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 37, haben jeweils das Direktmandat gewonnen. Dafür Daumen hoch auch von Katrin Otto vom AfD-Kreisverband Elbe-Elster.
Allen Grund zur Freude: Peter Drenske, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 36 (l.) und Volker Nothing, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 37, haben jeweils das Direktmandat gewonnen. Dafür Daumen hoch auch von Katrin Otto vom AfD-Kreisverband Elbe-Elster. FOTO: Privat
Elbe-Elster. Die Alternative für Deutschland (AfD) hat in den beiden Elbe-Elster-Landtagswahlkreisen jeweils das Direktmandat gewonnen. Doch wie ist es am Wahltag den Mandatsinhabern Rainer Genilke (CDU) und Barbara Hackenschmidt (SPD) ergangen? Haben sie einen Plan B? Von Frank Claus und Manfred Feller

Nach der Landtagswahl 2019 wird es aus Elbe-Elster, Stand 20.57 Uhr (alle Wahlkreise ausgezählt), zwei neue Gesichter im Brandenburger Landtag geben.

Wahlkreis 36 (Städte Falkenberg, Finsterwalde, Herzberg, Schönewalde, Sonnewalde, Uebigau-Wahrenbrück sowie Ämter Kleine Elster und Schlieben). Diesen Wahlkreis hat Peter Drenske (AfD) gewonnen. Auf ihn entfielen 25,5 Prozent der Stimmen. Es folgen Rainer Genilke (CDU, 24,3 Prozent), Barbara Hackenschmidt (SPD, 23,4 Prozent), Aaron Birnbaum (Die Linke, 9,0 Prozent), Axel Eckert (Freie Wähler, 8,6 Prozent), Friedericke Ullrich (Grüne/B 90, 5,2 Prozent) und Reiko Mahler (FDP, 4,1 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 61,6 Prozent.

Die meisten Zweitstimmen verbuchte die AfD (26,5 %), SPD (26,1 %), CDU (19,5 %), Die Linke (8,8 %), Freie Wähler (5,9 %), Grüne/B 90 (5,2 %) und FDP (4,1 %).

Mit Wahlparty war es angesichts dieser Ergebnisse nichts bei der CDU in Finsterwalde. Rainer Genilke zeigte sich sowohl über das Landes-, als auch über sein eigenes Ergebnis selbst „enttäuscht“. Die Entscheidung, SPD oder AfD, habe wohl polarisiert. Die CDU sei da zum Verlierer geworden. Von „Henkersmahlzeit“ war deshalb auch in der CDU-Zentrale beim Grillen die Rede.

Ein Blick zurück: Im Jahr 2014 holte Rainer Genilke den Wahlkreis mit 7390 Stimmen (31,4 Prozent) vor Barbara Hackenschmidt (6459 Stimmen, 27,5 Prozent). Stärkste Partei wurde die SPD mit 32,8 Prozent, gefolgt von CDU (27,0) und Die Linke (15,9). Die AfD verbuchte damals 10,5 Prozent.

Wahlkreis 37 (Städte Bad Liebenwerda, Doberlug-Kirchhain, Elsterwerda, Mühlberg, Ämter Elsterland, Plessa, Schradenland sowie Gemeinde Röderland). Dieser Wahlkreis hatte nach dem Ausscheiden von Anja Heinrich (CDU), die sich für das Bürgermeisteramt in Elsterwerda entschied, seit Februar 2018 keinen direkt gewählten Abgeordneten mehr in Potsdam. Den Wahlkreis für sich entschieden hat, Stand 20.07 Uhr (alle Wahlbezirke ausgezählt), Volker Nothing (AfD), der damit für einen Doppelerfolg seiner Partei in Elbe-Elster sorgt. Auf ihn entfallen 30,2 Prozent aller Stimmen. Es folgen Dr. Sebastian Rick (CDU, 25,2 Prozent), Kerstin Weide (SPD, 18,7 %), Diana Bader (Die Linke 9,0 %), Andreas Richter (Freie Wähler, 6,9 %) Anja Schwinghoff (FDP, 5,5 %) und Valentine Siemon (Grüne/B 90, 4,5 %). Die Wahlbeteiligung liegt bei 62,2 Prozent.

Die meisten Zweitstimmen verbuchte die AfD (31,7 %) vor der SPD (23,3 %), der CDU (19,6 %), Die Linke (7,8 %), Freie Wähler (4,9 %), FDP (4,7 %) und Grüne/B 90 (4,3 %),

Volker Nothing (AfD) gibt zu, fast bis zum Schluss gebangt zu haben. Aber letztlich spiegele das Ergebnis die von ihm wahrgenommene Stimmung vieler Bürger bei den sieben mit Peter Drenske gemeinsam organisierten Wahlkampfveranstaltungen in Elbe-Elster wider. Beide hatten zudem ihren Infostand in rund 25 verschiedenen Ortschaften aufgebaut.


Ein Blick zurück:
Den Wahlkreis gewann im Jahr 2014 Anja Heinrich mit 8255 Stimmen (40,0 Prozent) vor Martina Mieritz (SPD, 4928, 23,9 Prozent) und Joachim Pfützner (Die Linke, 3598, 17,4 Prozent).

Stärkste Partei wurde die CDU (30,2 Prozent), vor der SPD (29,7) und den Linken (14,0). Der AfD gaben im Jahr 2014 12,3 Prozent der Wähler ihre Stimme.

 Der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Genilke (51) aus Finsterwalde am Wahlmorgen mit seiner Frau Annegret (52) im heimischen Wohnzimmer beim Frühstück.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Genilke (51) aus Finsterwalde am Wahlmorgen mit seiner Frau Annegret (52) im heimischen Wohnzimmer beim Frühstück. FOTO: LR / Frank Claus

Ein Wahltag zwischen Hoffen und Bangen. Für Rainer Genilke (CDU), der 2009 zum ersten Mal über die Liste in den Landtag einzog und 2014 das Mandat direkt holte, und Barbara Hackenschmidt (SPD), die 2004 die Landtagswahl in ihrem Wahlkreis gewann und sowohl 2009 als auch 2014 als Nachrückerin auf der Liste wieder in den Landtag gelangte, ist der Wahltag mit besonderer Spannung verbunden. Werden sie in ihrem „Job“ weiterarbeiten können?

Der CDU-Mann wirkt mit sich im Reinen, als ihn die RUNDSCHAU am Wahlmorgen in seinem Haus in Finsterwalde besucht. Gemeinsames Frühstück mit seiner Ehefrau Annegret ist angesagt. Diesmal etwas später. Ansonsten stehen Genilkes immer zwischen Sechs und Sieben, auch am Wochenende, auf. 18 Tourstationen und jede Menge Bürgergespräche in vielen Orten liegen im Wahlkampf hinter ihm.
Grämt es ihn, dass es seine CDU laut Prognose erneut nicht schafft, Wahlsieger zu werden? Ist der Spitzenkandidat dran schuld? Rainer Genilke bleibt da diplomatisch. „Ingo Senftleben hat einen Bekanntheitsgrad von 60 Prozent. Diesen Wert hatten viele unserer Spitzenkandidaten in den vergangenen Wahlkämpfen nicht.“ Doch hat sich die CDU nicht schon als Sieger gesehen und er sich als möglicher neuer Infrastrukturminister? Auch da bleibt Rainer Genilke ganz Politiker: „Du musst immer warten, bis der Bär erlegt ist, bevor das Fell verteilt wird. Für mich gilt, zuerst das Land, dann die Partei und dann die Person.“ Aber Chancen, den Wahlkreis zu gewinnen, die rechne er sich doch aus, oder? „Ich glaube, ich habe einen Fuß in der Tür“, zu mehr lässt er sich auch da nicht hinreißen, gesteht aber ein: „Einen Plan B habe ich jetzt nicht.“ Den Tag will er locker angehen, zuerst um Zehn zum Gottesdienst in die katholische St. Marienkirche gehen, dann mit seiner Frau zu Mittag essen, wie immer sonntags länger mit dem Sohn, der in Aachen wohnt, telefonieren, am Nachmittag zu einem Geburtstag bei einem Freund fahren und schließlich ab 18 Uhr in der CDU-Zentrale in Finsterwalde die Wahlergebnisse verfolgen.

 Die SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt (64) mit ihrer Tochter Sabine (39) und Enkel Max (4) am Wahltag unterm Nussbaum auf ihrem Grundstück.
Die SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt (64) mit ihrer Tochter Sabine (39) und Enkel Max (4) am Wahltag unterm Nussbaum auf ihrem Grundstück. FOTO: LR / Frank Claus

Barbara Hackenschmidt genießt am Sonntagvormittag das schattige Plätzchen unterm Nussbaum mit ihrer Tochter Sabine und Enkel Max. Termine hat sie am Wahltag nicht. „Ich bin froh, dass wir Zeit miteinander haben.“ Der Wahlkampf war intensiv, auch kraftraubend. Vor allem wegen der Hitze, die ich gar nicht ab kann.“ Ihre Chancen? „Ich hoffe, es klappt über die Liste“, meint sie und rechnet, dass ihre SPD am Ende 24 Prozent einfährt.
Was sie am meisten ärgert: „Fast schlimmer, dass ich vielleicht nicht gewählt werde, ist für mich, dass dann die anderen gewählt werden.“ Der Unterton in der Stimme und ihr Gesichtsausdruck verraten, dass sie damit die AfD meint. Sie verstehe nicht, dass so viele Leute auf diese Partei abfahren. Am Freitag hat sie noch einen Facebook-Post abgesetzt, indem sie schreibt, wer ihrer Meinung nach wirklich „das Land zurück geholt“ hat und erklärt: „Wir vollenden die Wiedervereinigung hier im demokratischen Miteinander.“ Im Wahlkampf habe sie unheimlich viele Gespräche gehabt, nur zwei-, dreimal echte Ablehnung. Hat sie einen Plan B? „Ja, aber nicht sofort. Für mich steht fest, wenn ich nicht wieder in den Landtag einziehe, kümmere ich mich bis Weihnachten erst mal um alles, was liegen geblieben ist.“