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| 10:57 Uhr

Elbe-Elster hat gewählt
Landratswahl: Ein Blick auf die Zahlen

Wahlparty beim Unternehmen Mc Car im Herzberger Gewerbegebiet: Christian Heinrich-Jaschinski (CDU, 3.v.l.) gewinnt im ersten Wahlgang die Landratswahl in Elbe-Elster. Um 19.19 Uhr – da sind nur noch zwei Briefwahlbezirke offen – erklärt er seinen Sieg. Michael Stübgen (2.v.l.) gratuliert als Erster.
Wahlparty beim Unternehmen Mc Car im Herzberger Gewerbegebiet: Christian Heinrich-Jaschinski (CDU, 3.v.l.) gewinnt im ersten Wahlgang die Landratswahl in Elbe-Elster. Um 19.19 Uhr – da sind nur noch zwei Briefwahlbezirke offen – erklärt er seinen Sieg. Michael Stübgen (2.v.l.) gratuliert als Erster. FOTO: Frank Claus / LR
Elbe-Elster. Das Interesse an der Wahl des Verwaltungschefs war deutlich höher als im Jahr 2010. Die AfD ist der große Verlierer. Von Frank Claus und Birgit Rudow

Mit dem Durchmarsch von Amtsinhaber Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) gleich im ersten Wahlgang haben die Landratswahlen im Elbe-Elster-Kreis ein klares Ergebnis gefunden. Bei 89 229 Wahlberechtigten entfielen 18 175 Stimmen auf Christian Heinrich-Jaschinski, 10 259 auf die parteilose Iris Schülzke und 6431 auf Peter Drenske (AfD).

Die Wahlbeteiligung lag bei 39,4 Prozent und damit um 14,3 Prozent höher als bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2010. Die Amtszeit Christian Heinrich-Jaschinskis hätte eigentlich bereits zum 14. April 2018 geendet. Danach hätte die Wahl bereits Ende vergangenen Jahres stattfinden müssen. Sie wurde aber wegen der vom Land Brandenburg beabsichtigten Kreisneugliederung ausgesetzt und die Amtszeit der Amtsinhaber entsprechend verlängert. In 135 der 224 Wahlbezirke wählten 50 Prozent und mehr den Amtsinhaber. Das war die Grundlage für den klaren Wahlsieg mit 52,1 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen.

Um 19.19 Uhr stellte sich der alte und neue Landrat am Sonntagabend bei der Wahlparty im Unternehmen Mc Car im Herzberger Gewerbegebiet vor die etwa 100 Parteifreunde und Sympathisanten und erklärte nach Rücksprache mit dem Kreiswahlleiter  – nur noch zwei Briefwahlbezirke waren zu diesem Zeitpunkt offen – seinen Wahlsieg und bedankte sich unter kräftigem Beifall für die Unterstützung.

Der CDU-Kreisvorsitzende, Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium,  Michael Stübgen, gratulierte als Erster und erklärte, dass die Kreis-CDU voll hinter ihrem Kandidaten gestanden habe. Ehefrau Anja Heinrich, zugleich Elsterwerdas Bürgermeisterin, folgte mit Umarmung und Küsschen, worauf der Landrat entgegnete, dass nun die Debatte um die Höhe der Kreisumlage wohl auch am Abendbrottisch weitergehe.

Sein Ergebnis sieht Christian Heinrich-Jaschinski „als Bestätigung erfolgreicher Arbeit für den Landkreis“, von dem auch das Signal ausgehe, „dass die AfD bei uns die 20-Prozent-Marke nicht mehr erreicht hat.“

Bei der Bundestagswahl im zurückliegenden Herbst hatte die AfD mit deutlichen Stimmgewinnen vor allem auch der CDU Wähler abgejagt.

70 Prozent und mehr erreichte Heinrich-Jaschinski in Oppelhain, Pechhütte und in zwei Elsterwerdaer Wahllokalen. In den übrigen Wahllokalen Elsterwerdas, wo der Landrat beheimatet ist, erzielte er ebenfalls mehr als 60 Prozent.

Die Einzelkandidatin Iris Schülzke hat den Wahlabend mit der Familie, Freunden und Unterstützern in der Mühle in Jagsal verbracht. Am nächsten Morgen klingt sie am Telefon ausgeschlafen und „aufgeräumt“. Über ihr Wahlergebnis von 29,4 Prozent, das entspricht 10 259 Stimmen, sei sie schon etwas enttäuscht, sagt Schülzke. Sie habe mit einer Stichwahl gerechnet. „So schlecht ist mein Ergebnis aber auch wieder nicht, jedenfalls besser als im ersten Wahlgang vor acht Jahren. Da waren es an die 8000 Stimmen. Ich möchte allen meinen Wählern danken, und auch den vielen Helfern“, sagt sie. Ihr Glückwunsch geht an Christian Heinrich-Jaschinski. „Ich gratuliere ihm zur Wahl. Und ich wünsche mir, dass er jetzt seine Versprechen einhält und sich mit der Kreisumlage und den Finanzen für die Gemeinden beschäftigt. Der Kreis muss bei den Einsparungen die gleichen Anstrengungen unternehmen wie die Kommunen“, sagt sie.

Die Wählerhochburg von Iris Schülzke lag vor allem im Amt Schlieben. In Kolochau  bekam sie 77,1 Prozent der Stimmen, in Jagsal 72,1 und in Frankenhain 71 Prozent. Im Amt Schlieben waren es insgesamt 54,5 Prozent. In der Stadt Herzberg lag sie mit 43 Prozent knapp hinter Christian Heinrich-Jaschinski (48,6 Prozent). Aber auch in Nexdorf (64 Prozent), Dübrichen (63) und Buchhain (43,4) konnte Iris Schülzke punkten. Gefreut habe sie sich über die Wähler in Sonnewalde, wo ihr 53,4 Prozent die Stimme gaben. „Ich hatte viele Nachfragen aus diesem Bereich zur Eingliederung. Ich bin kein Freund davon, dass sich der Staat aus der Fläche zurückzieht“, sagt sie. Iris Schülzke will sich jetzt auf ihre Aufgaben als Landtagsabgeordnete konzentrieren und „weiter streiten für die Parteilosen und politisch Ungebundenen.“

Auch der AfD-Kandidat Peter Holger Drenske gratuliert Christian Heinrich-Jaschinski zum Wahl­erfolg. „Für den ersten Wahlgang ist das ein sehr eindeutiges Votum. Er konnte seine Wähler erreichen“, sagte Drenske. Ihm sei das mit 6431 Stimmen (18,4 Prozent) nicht gelungen. „Damit konnten wir nicht einmal 50 Prozent der AfD-Wähler von der Bundestagswahl im September mobilisieren. Deshalb bin ich mit dem Ergebnis bei Weitem nicht zufrieden, auch, wenn eine Landratswahl eine Personenwahl ist“, so Drenske. Er sei angetreten, Bürgerpolitik zu machen und sein Konzept sei nicht schlecht gewesen, sagt er. Aber er sei enttäuscht, wie wenig Bürger sich dafür interessierten, wie sich der Landkreis entwickele.

In 19 Gemeinden des Landkreises bekam der AfD-Kandidat mehr als 30 Prozent der Stimmen. „Spitzenreiter“ sind Großbahren (39,4 Prozent), Oschätzchen (36,1) und Eichholz (36).

FOTO: Katrin Janetzko / LR