ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:12 Uhr

Elbe-Elster-Kritik an Plänen des Landes
Provinz wehrt sich gegen das Baukorsett

 Das kommunale Bauland nicht nur im Schradenland ist begrenzt. In Merzdorf wird diese Fläche direkt an der Ortsdurchfahrt entwickelt.
Das kommunale Bauland nicht nur im Schradenland ist begrenzt. In Merzdorf wird diese Fläche direkt an der Ortsdurchfahrt entwickelt. FOTO: LR / Manfred Feller
Schradenland. Im Schradenland wird kaum ein gutes Haar am „Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion“ gelassen. Damit im Berliner Speckgürtel massiv gebaut werden kann, soll der ländliche Raum schön grün bleiben. Von Manfred Feller

Der Landessüden mindestens zwischen dem Amt Ortrand (OSL) und der Gemeinde Röderland (Elbe-Elster) muckt auf. Wenn die Sprache auf den jüngst von den Landesregierungen in Brandenburg und Berlin abgesegneten „Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion“ kommt, dann geht so manch einem Kommunalpolitiker die Hutschnur hoch. So lässt Schradenland-Amtsdirektor Thilo Richter kaum ein gutes Haar an dem Papier, in dem vom Land versichert wird, dass „in allen Gemeinden“ mehr Spielräume für die Entwicklung geschaffen werden. „Es wird vielmehr alles getan, um die Entwicklung der Orte am Rand zu verhindern“, kritisiert Thilo Richter die Fokussierung auf die sternförmigen, von und nach Berlin und Potsdam laufenden Hauptverkehrsachsen, an denen wohl bald auf Teufel komm’ raus gebaut werden dürfe. Im Radius von einer Fahrstunde könnten demnach bis zu 400 000 neue Wohnungen entstehen.

Und was wird den Randregionen ermöglicht? Zu den vorhandenen Baulücken darf ein Hektar zusätzliches Bauland je 1000 Einwohner geschaffen werden – jedoch über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die CDU im Schradenland hatte dieses Korsett bereits Ende vorigen Jahres kritisiert. Wenn die aktuellen Lücken in den Dörfern geschlossen sind, würden auf der Basis des einen zustehenden Hektars zwei Bauplätze pro Jahr und 1000-Einwohner-Dorf keineswegs ausreichen.

Amtsdirektor Thilo Richter wird deutlich: „Wir sind nicht die frische Luft, die erhalten werden muss, damit der Berliner Raum zugebaut werden kann. Hat nicht der Bundespräsident gesagt, dass den ländlichen Gebieten wieder mehr Aufmerksamkeit gehört und dass Daseinsvorsorge im ländlichen Raum auch Dableibevorsorge sein muss? Da hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.“ Im Mittelpunkt stehe jedoch der Großraum Berlin. Da müsse man sich über den Frust in der Bevölkerung nicht wundern. Die Stellungnahme des Amtes Schradenland zu dem Plan sei bis heute unbeantwortet.

 Thilo Richter, Amtsdirektor im Amt Schradenland.
Thilo Richter, Amtsdirektor im Amt Schradenland. FOTO: LR / Manfred Feller

Und wenn vom Ausstrahlen einer Metropolregion die Rede ist, dann sei eines nicht berücksichtigt worden: Dresden. „Die Elbmetropole stahlt bis zu uns in den Süden Brandenburgs aus“, so der Amtschef. Rückkehrer, Zuzügler und weitere Bauwillige aus dem Dresdener Raum würden aufgrund der dort explodierten Preise hier zunehmend anklopfen. „Die Notariate sagen uns, dass auch im Schradenland jährlich viele Grundstücksgeschäfte von Privat zu Privat abgewickelt werden“, weiß Thilo Richter. Die stark geschrumpften und sich jetzt erholenden Dörfer bräuchten jeden Einwohner – auch mit Blick auf den Erhalt aller Schulen, der Feuerwehren und der rund 50 Vereine. „Was in größeren Städten bezahlte Hauptamtliche erledigen, das machen bei uns Ehrenamtler“, hebt der Verwaltungsleiter die unabkömmlichen Gestalter der lebenswerten Dörfer ausdrücklich hervor.

Angenommen wird, dass das aktuell ins Auge gefasste kommunale und teils auch private Bauland in den vier Schradendörfern in greifbarer Zeit verkauft sein wird. Platz wäre an den Ortsrändern. Doch der Landesplan schränke dies ein. So werde eine Entwicklung in nördliche Richtung konsequent ausgeschlossen, kritisiert Dr. Sebastian Rick, Vorsitzender der CDU im Schradenland. Die Christdemokraten wollen noch einen Schritt weitergehen, hatten sie bei ihrer Versammlung angekündigt: Notfalls müsse der Plan, über den nicht im Landtag abgestimmt werden solle, nach der Landtagswahl gekündigt werden. Dr. Rick kandidiert für das Parlament.

 Seit Jahren möchte das Amt Kleine Elster an der Grubenstraße in Lichterfeld Grundstücke erwerben, um Richtung Bergheider See weitere Häuser zu bauen. Das blieb ihnen bisher allerdings verwehrt.
Seit Jahren möchte das Amt Kleine Elster an der Grubenstraße in Lichterfeld Grundstücke erwerben, um Richtung Bergheider See weitere Häuser zu bauen. Das blieb ihnen bisher allerdings verwehrt. FOTO: LR / Josephine Japke

Zwischenzeitlich suchen die Gemeinden im Amt Schradenland Baulücken. Merzdorf: An der Hauptstraße/Ulmenweg (direkt an der Ortsdurchfahrt) gibt es etwa 5000 Quadratmeter kommunales Land. Dieses reiche für vielleicht vier Parzellen, die auf dem Land oft etwas größer ausfallen dürfen. Der Amtsdirektor rechnet mit der Baureife, die die Gemeinde herstellen will, im nächsten Jahr. Dann muss neues Bauland gefunden werden. Am Mühlenweg seien bereits im Vorjahr drei Grundstücke verkauft worden.

Großthiemig: Die Gemeinde habe an der Straße des Aufbaus, südlich der Landesstraße, die Erschließungsabsicht für ungefähr 6000 Quadratmeter Fläche. Aktuell ist es Grünland.

Gröden: Eventuell vier Einfamilienhäuser könnten auf einer Fläche Platz finden, die einem Privateigentümer an der Thälmannstraße gehört. Die Gemeinde Gröden unterstütze die Planungen.

Hirschfeld: Auch in diesem Dorf wird aus Mangel an geeigneten kommunalen Flächen darauf gesetzt, dass auf Privatland gebaut werden kann. Die wichtigste Voraussetzung ist die Bereitschaft zum Verkauf. So könnte dies am Neuen Weg geschehen.