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Lager Mühlberg – nur mit Pflege ein würdevoller Ort

Während des Arbeitseinsatzes wurde auch der Erhaltungszustand derzahlreichen Einzelkreuze auf dem Lagergelände dokumentiert
Während des Arbeitseinsatzes wurde auch der Erhaltungszustand derzahlreichen Einzelkreuze auf dem Lagergelände dokumentiert FOTO: Karsten Bär
Mühlberg. Das Lager Mühlberg soll ein würdevoller Ort der Erinnerung und des Gedenkens bleiben. Erneut hat die Initiativgruppe deshalb einen Arbeitseinsatz dirchgeführt. Karsten Bär

Gut 20 Mitglieder der Initiativgruppe Lager Mühlberg haben sich dieser Tage auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers STALAG IVB der deutschen Wehrmacht und späteren Speziallagers Nr. 1 des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in Neuburxdorf eingefunden, um bei einem Arbeitseinsatz das Areal zu pflegen und die Spuren des vergangenen Winters zu beseitigen. Zudem wurde der Zustand der zahlreichen Einzelkreuze und -steine erfasst, die von Angehörigen zum Gedenken an im Lager verstorbene Angehörige aufgestellt worden waren, um deren Reparaturbedarf zu ermitteln.

Unter den Teilnehmern des Arbeitseinsatzes waren sowohl ehemalige Inhaftierte des Speziallagers aus ganz Deutschland, als auch deren Angehörige. Zu ihnen zählte auch Heike Leonhardt aus Berlin, deren Großvater im Speziallager inhaftiert war und die gemeinsam mit ihrem Ehemann Dr. Uwe Steinhoff vor Ort am Arbeitseinsatz teilnahm. Das Paar betreibt auf private Initiative hin die Internetseite www.lager-muehlberg.de , auf der die beiden biografische Informationen zu Insassen beider Lager sammeln und veröffentlichen.

"Die bekannten Zahlen der Menschen, die hier gefangen waren, sagen allein noch nicht viel aus", so Uwe Steinhoff. "Wir möchten über das Darstellen von Informationen zu einzelnen Menschen das Geschehene greifbarer machen." Die Art und Weise, wie im Lager Mühlberg sowohl das Gedenken an die Kriegsgefangenen, als auch an die Insassen des Speziallagers gepflegt werde, sei bemerkenswert und nicht überall, wo Lager aus der Zeit des Nationalsozialismus nach Kriegsende weiterbetrieben wurden, selbstverständlich. Auch der Pflegezustand sei hier vorbildlich. Und dies sei wichtig, wie Heike Leonhardt und Uwe Stein betonen. "Es gibt ein großes Bedürfnis, sowohl von ehemaligen Kriegsgefangenen und ihren Angehörigen als auch von ehemaligen Insassen des Speziallagers, das Lager als Stätte des Gedenkens zu besuchen", betont Uwe Steinhoff. So werden am 23. April anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers unter anderem Gäste aus Großbritannien in Neuburxdorf erwartet.

Bereits seit Jahren findet der Arbeitseinsatz der Initiativgruppe auf dem Lagergelände statt. Sie unterstützt damit die Stadt Bad Liebenwerda, die das Areal unterhält und in den vergangenen Jahren schrittweise gestaltet hat, zuletzt durch Schaffung eines Informationspfades auf dem Lagergelände. Bürgermeister Thomas Richter und Bauamtsleiterin Susann Kirst fanden sich ebenfalls ein, um den Teilnehmern des Einsatzes für ihr Engagement und ihre Unterstützung zu danken.