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Lässt sich Elsterwerda vorführen?

Matthias und Yvonne Arnold lassen für die ehemalige Fleischerei Geißler ein Wohnprojekt planen. Nach bislang nicht realisierten Vorhaben an anderen Standorten gibt es Skepsis in der Bevölkerung. Manche meinen gar, die Stadt lasse sich "wieder vorführen".
Matthias und Yvonne Arnold lassen für die ehemalige Fleischerei Geißler ein Wohnprojekt planen. Nach bislang nicht realisierten Vorhaben an anderen Standorten gibt es Skepsis in der Bevölkerung. Manche meinen gar, die Stadt lasse sich "wieder vorführen". FOTO: Frank Claus
Elsterwerda. Die Kritik ist hart: "Wenn ich bei einem Spaziergang die Investitionen der vielen Grundstückseigentümer optisch ausblende, was haben die Verantwortlichen im Rathaus überhaupt in mehr als 28 Jahren Nachwendezeit für eine attraktive Stadt- und Zentrumsgestaltung geleistet?", fragt ein Mann namens Horst Jangen, der sich in einer E-Mail als Elsterwerdaer LR-Leser zu erkennen gibt – nach jetzigem Recherchestand vermutlich aber unter falschem Namen geschrieben hat. Frank Claus

Und da ist Inge Lorenz aus Elsterwerda, die schreibt, in den Fünfzigern in Elsterwerda geboren zu sein, als Berufspendlerin 25 Jahre nach Berlin gefahren ist und nun als Ruheständlerin "dem Verfall der Stadt und der Tatenlosigkeit im Rathaus" zusehen muss.

Auch Ararat Haydeyan, Stadtplaner und Künstler, betrachtet die Stadtentwicklung kritisch und sagt, dass jetzt genau das eingetreten sei, wovor er vor gut zehn Jahren gewarnt habe: Die jetzige Innenstadtgestaltung gefalle der Mehrheit nicht. "Doch auf echte fachliche Vorschläge, unter anderem der damaligen Arbeitsgruppe, ist ja nicht gehört worden", sagt er. "Ich wollte anstelle Beton einen größeren Erholungsanteil im Stadtzentrum." Die Veranstaltungsplattform sei kaum genutzt, die Hochbeete gefielen vielen nicht, die jetzigen Beton- und Granitflächen hätten grüner, wohnlicher sein können, sagt er und blickt neidisch in die Nachbarstadt: "Bad Liebenwerda hat alles anders gemacht, irgendwie mit viel mehr Herz." Für Elsterwerda "ist es jetzt zu spät", klingt Ararat Haydeyan resigniert.

Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos), seit 2002 in der Verantwortung für die Stadt, will diese Kritik so nicht stehen lassen. "Wer sagt, in Elsterwerda sei nichts passiert, der geht nicht mit offenen Augen durch die Stadt." Vom Bahnhofsvorplatz bis zur Fläche um die Postmeilensäule, von der Berliner Straße bis Elster- und Jagestraße, vom Abriss der Maschinenhalle in der Weststraße bis zum Neubau der Parkflächen, um nur einige Beispiele zu nennen - die Innenstadt habe grundlegend ihr Gesicht gewandelt. Nach Erscheinen des Jangen-Leserbriefes in der LR habe die Verwaltung zahlreiche Anrufe erhalten, in denen selbst "Stadt-Kritiker", so Bürgermeister Dieter Herrchen, eingeräumt hätten, dass diese Kritik nicht nur "überzogen sei, sondern auch an den Realitäten vorbeigehe".

Gut 6,7 Millionen Euro sind aus dem Programm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen seit 2002 ins Elsterwerdaer Stadtgebiet geflossen, weitere knapp 900 000 Euro aus dem Nachfolgeprogramm "Aktive Stadtzentren". 40 Projekte seien damit realisiert worden. "Aber ich sage auch ganz offen, wir haben noch nicht alles geschafft", so der Bürgermeister. Er nennt den Bau der Fußgängerbrücke über die Elster zwischen Promenade und Stadtpark, den offenen Jugendtreff, die Ertüchtigung der Unterführung. Doch die pauschale Kritik, dass Lauchhammerstraße, Denkmalplatz, Bahnhofstraße und Weststraße immer noch nicht angefasst worden seien, will der Bürgermeister nicht ohne Erläuterungen stehen lassen: "Das alles sind Trassen, auf denen Bundesstraßen verlaufen und wo Veränderungen nur dann gehen, wenn Land und Bund mitspielen." Für den Denkmalplatz habe es bereits einen studentischen Wettbewerb gegeben. Die Gespräche zu den Bundesstraßen würden permanent geführt, stünden allerdings auch immer im Kontext mit anderen innerörtlichen als auch anderen überörtlichen Straßenprojekten und den geplanten Ortsumfahrungen. "Im nächsten Jahr ist die Weststraße dran."

Nachvollziehen könne der Bürgermeister die Kritik zu den maroden Gebäuden in der Innenstadt und zum bislang nicht erfolgten Neubau am Markt. Das seien Gebäude bzw. Flächen im Privatbesitz mit relativ wenig Handhabe durch die Stadt. Diese erteile auch keine Abrissgenehmigungen, wie behauptet. Abrissanzeigen würden vom Landkreis bearbeitet. Dass sich die Stadt von der Familie Arnold im Fall der Vorhaben in der Roßstraße wieder "vorführen" lasse, dementiert der Bürgermeister ebenso. "Die Familie will uns bis zum Jahresende einen Planungsentwurf zu einem Vorhaben, das Wohnen in der Innenstadt beinhaltet, vorlegen", so der Bürgermeister. Die Stadt habe den Investoren bereits klar gemacht, dass es in einer "sanierungsrechtlichen Genehmigung" dazu Festlegungen geben werde. Ausgeschlossen werde die Nutzung als Parkflächen. Eine sofortige Wiederbebauung werde gefordert, obwohl die Stadt keinen exakten Zeitrahmen vorgeben könne. Es werde auch eine Auflage geben, die nach einem möglichen Abriss blickdichte, hohe Einzäunungen vorsehe, sollte nicht umgehend wiederbebaut werden. Bei allem stimme sich die Stadt eng mit dem Landkreis ab.