| 02:41 Uhr

Verrücktes Projekt
Längste Schnitzeljagd der Welt

Jugendliche Mitglieder des Schwimmclubs Lubwart Bad Liebenwerda pflanzen mit Bürgermeister Thomas Richter (3. v. l.) und dem französischen Autor Laurent Guillet eine Bergulme als Friedensbaum im Kurpark.
Jugendliche Mitglieder des Schwimmclubs Lubwart Bad Liebenwerda pflanzen mit Bürgermeister Thomas Richter (3. v. l.) und dem französischen Autor Laurent Guillet eine Bergulme als Friedensbaum im Kurpark. FOTO: Karsten Bär
Bad Liebenwerda. Was an einem Tag im April 2012 im Bürgermeisterbüro von Bad Liebenwerda begann, fand am Sonnabend im Kurpark seinen Abschluss – aber keinesfalls sein Ende. Junge Sportler vom Schwimmclub Lubwart pflanzten mit dem französischen Autor Laurent Guillet und Bürgermeister Thomas Richter am Restaurant "Villa Nuova" einen Friedensbaum. Karsten Bär /

Zugleich erhielten die Teilnehmer der "Längsten historischen Schnitzeljagd der Welt" ihre Teilnahmezertifikate.

Für sein "verrücktes Projekt" einer historischen Schnitzeljagd von Frankreich über Deutschland nach Tschechien hatte der Franzose in Thomas Richter einen begeisterten Helfer gefunden. Basis war sein Buch "Er hieß Joseph". Es zeichnet den Leidensweg des französischen Kriegsgefangenen Joseph Santerre im Zweiten Weltkrieg nach und ist eine literarische Reise zu den Originalschauplätzen, die von jedem Interessierten besucht werden können und als ein Friedensprojekt verstanden werden sollen.

"Die längste historische Schnitzeljagd ist ein Mittel, geschichtliche Erinnerung zu bewahren, Allgemeinbildung zu vertiefen, Fremdsprachen zu erlernen und vor allem Freundschaft zu schließen", so Laurent Guillet.

An allen Orten, in denen sich sein Großonkel Joseph einst aufgehalten hatte, auch im Lager Mühlberg in Neuburxdorf, wurden Gedenksteine aufgestellt und Kontakte zu den jeweiligen Kommunalverwaltungen geknüpft. In Joseph Santerres Geburtsort Trévelo in der Bretagne, in Sarrebourg, in Bad Liebenwerda und Mühlberg, in Hartmannsdorf und Lengefeld im Vogtland sowie in Most und Litvinov in Tschechien können sich Teilnehmer der "Historischen Schnitzeljagd" jeweils ihren Besuch bestätigen lassen, um am Ende ein Zertifikat zu erhalten.

Als erste deutsche Gruppe haben überwiegend jugendliche Mitglieder des Schwimmclubs Lubwart Bad Liebenwerda die Reise angetreten. Im August 2015 starteten sie nach Frankreich und besuchten Trévelo und Sarrebourg. Im Vorjahr waren die Stationen in Sachsen und Tschechien an der Reihe. Zudem wurde die Tour durch Besuche in Theresienstadt und Prag erweitert. Immer standen dabei auch solche Stätten auf dem Besuchsplan, die in Zusammenhang mit den dunklen Seiten der Geschichte, speziell der des Zweiten Weltkrieges standen.

Vieles machte die jungen Teilnehmer betroffen und ließ sie tief in sich gehen, wie sie am Sonnabend während einer Präsentation ihrer Reiseeindrücke bekannten. Und dennoch: "Es war und ist ein tolles Projekt", so ihre Einschätzung.

Es ging weiter: In diesem Jahr absolvierten sie eine mehrtägige Reise nach Warschau auf den Spuren des Aufstandes im dortigen Ghetto (1943) und des Aufstandes (1944).

Mit einer Urkunde bestätigte Laurent Guillet sechs Jugendlichen und vier Erwachsenen - ein Elternpaar sowie Thomas Richter und seine Frau Marion als Vorstandsmitglieder des Schwimmclubs -, die "Historische Schnitzeljagd" vollständig absolviert zu haben.

Die Reise ist vorbei, doch sie wirkt noch immer nach. Der Franzose Laurent Guillet kommt immer wieder gern in die Kurstadt Bad Liebenwerda. Schon mehrfach startete er mit den Lubwart-Sportlern beim 24-Stunden-Schwimmen im Wonnemar.