ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:08 Uhr

In Elsterwerda neue Tankstelle für E-Autos
Auch Sportwagen mögen Strom

Dieser BMW i 8 Roadster, ein 130 000 Euro teurer Hybrid-Sportwagen, schafft rein elektrisch etwa 40 Kilometer. Mit dem Ladevorgang haben Sven Berger (l.) und René Meißner am Mittwoch die Doppel-Schnellladesäule auf dem Kundenparkplatz des Autohauses eingeweiht.
Dieser BMW i 8 Roadster, ein 130 000 Euro teurer Hybrid-Sportwagen, schafft rein elektrisch etwa 40 Kilometer. Mit dem Ladevorgang haben Sven Berger (l.) und René Meißner am Mittwoch die Doppel-Schnellladesäule auf dem Kundenparkplatz des Autohauses eingeweiht. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Am Autohaus Berger in Elsterwerda kann seit Mittwoch elektrisch getankt werden. Von Manfred Feller

Das in Elbe-Elster noch grobmaschige Netz mit Ladesäulen für Elektrofahrzeuge hat seit Mittwoch einen ansteuerungswürdigen Standort mehr. Auf dem Kundenparkplatz beim BWM-Autohaus Berger in Elsterwerda wurde eine Doppel-Schnellladesäule freigeschaltet. „Sie ist offen für alle“, lädt Geschäftsführer Sven Berger zum Stromtanken ein. An Bord sollte lediglich ein Typ2-Stecker sein. Bezahlt wird nach Minuten, nicht nach aufgenommenen Kilowattstunden. Ein BWM i3 sei nach drei Stunden aufgeladen. Je nach Anbieter kostet eine Stunde laden etwa 4,20 Euro. Dies reiche für 100 Kilometer. Wer sein Auto zu Hause an die Fotovoltaikanlage „hängt“, fahre die 100 Kilometer für 1,20 Euro.

Die Ladesäulen bei Berger sind bereits im Internet zu finden.  „Es gibt leider keine App, die alle Säulen erfasst. Das ist schlecht“, kritisiert Sven Berger. So zeigen für Elbe-Elster die Suchseiten mal diese und mal jene privat oder öffentlich finanzierten Stromtankstellen an. Daniel Willeke, Klimaschutzmanager in der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, wirbt natürlich zuerst für die eigene an der Brikettfabrik Louise. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit kann außerdem noch, zum Teil an mehreren Standorten, in Falkenberg, Finsterwalde, Elsterwerda, Massen, Herzberg, an der F 60 und in Dollenchen das Akkupaket gefüllt werden.

Momentan ist es noch in etwa so, dass auf eine Elektro-Tanke drei E-Autos in Elbe-Elster kommen (andere Fahrzeugarten und die E-Transporterflotte der Post nicht mitgerechnet). Anfang 2017 gab es im Kreisgebiet lediglich 25 E-Pkw. Ganz Brandenburg zählte zu Beginn 2018 auch nur 967 Stromer. Aber beide ebenso mit steigender Tendenz wie die im Land registrierten 7877 Hybridautos, darunter 782 Plug-in-Hybride. Ehe die 14 198 Autos mit Flüssiggas (LPG) und jene 2560 mit Erdgas (CNG) erreicht werden, wird es aber noch ein wenig dauern.

René Meißner von der Digital Energy Solutions GmbH & Co KG Falkenberg (Hauptsitz München), ein Gemeinschaftsunternehmen von BMW und Viessmann, nennt einen Grund, warum es in Deutschland auch in Sachen Elektromobilität so schleppend vorangeht: „Das ist keine richtungweisende, sondern eine verwaltende Politik.“ Er hat gleich noch ein Beispiel parat: Die Niederlande sind kein Autos herstellendes Land, hätten aber zehnmal mehr Ladesäulen. Die dortige Regierung habe zudem ein Verdichtungspaket aufgelegt.

In Deutschland sind es vor allem Kommunen, Firmen und Privatleute, die sich engagieren. BMW fordere zwar Ladesäulen bei den Händlern, Sven Berger hat jetzt schon reagiert, sich erst gar nicht um die staatliche Investitionszulage bemüht und für alles 17 000 Euro bezahlt. „Das Förderverfahren dauert zu lange. Damit wird die Förderung behindert“, moniert René Meißner. Das Unternehmen, für das er tätig ist, sieht seine Aufgabe in der Sektorkopplung von Wärme, Strom und Mobilität. Es hat die Doppel-Schnellladesäule bei BMW-Berger aufgebaut und betreibt diese auch. Auf der App wird nicht nur der Standort angezeigt. Der Nutzer erfährt, wer der Betreiber ist. Wie hoch die Ladeleistung ist. Wie bezahlt wird und ob eine Säule gerade frei ist. Alte Ladestationen kommunizieren nicht. Deswegen finde man diese auch nicht in allen Apps.

Sven Berger hat bisher kaum eine Hand voll E-Autos verkauft. Dafür um so mehr Hybriden. Doch mit der anstehenden Modelloffensive vieler Hersteller werde sich dies bald ändern. „Aktuell sind es Nischenprodukte. Noch sträubt sich die Masse der Leute aufgrund von Preis und Reichweite“, so René Meißner. Erst recht mit der nächsten Batteriegeneration werde sich dies ändern. In drei Jahren seien auch die Ladestationen kein Thema mehr.

Hinsichtlich der reichweitenstärkeren Wasserstofffahrzeuge ist Sven Berger skeptisch: „An diese müssen sehr hohe Sicherheitsanforderungen gestellt werden.“ Dagegen werde Wasserstoff im ÖPNV eine wachsende Rolle spielen, ist sich René Meißner sicher.

Der Autohaus-Chef fährt selbst seit drei Jahren immer mal wieder mit einem E-Auto. „100 bis 150 Kilometer sind kein Problem“, sagt er und schwärmt von der Anzugskraft. Auch die Kundschaft sei begeistert. Seitdem ein E-Auto als Werkstatt- ersatzwagen zur Verfügung stehe, werde dieses bevorzugt. Auch in den Neuwagen-Verkaufsgesprächen wachse das Hybrid- und Elektrothema.