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Lache, wenn dir zum Heulen zumute ist

Harald-Alexander Korp.
Harald-Alexander Korp. FOTO: Ag
Bad Liebenwerda. Es ist ein ungewöhnliches Thema für einen Vortrag: "Humorvoll sterben – wie kann das gehen?" Gehalten wird er vom Religionswissenschaftler, Philosophen, Physiker und Autor Harald-Alexander Korp aus Berlin im Rahmen der Seniorenakademie in Elsterwerda. Die RUNDSCHAU hat dem Mann vorher einige Fragen gestellt. Mona Claus/mcl1

Humorvolles Sterben, das klingt provokant. Wollen Sie provozieren?
Vielleicht ein bisschen, in der Provokation liegt ja auch immer die Chance eines Perspektivwechsels. Es tut einfach gut, das Lebensende nicht nur aus der Sicht von Traurigkeit und Leid zu betrachten, sondern auch die lustigen und fröhlichen Momente zulassen zu können. Durch meine Arbeit als Sterbebegleiter im Hospiz erlebe ich, wie wichtig Lachen und Humor in der letzten Lebensphase sind. Egal, ob für Sterbende, Angehörige oder Pflegepersonal. Das Lachen ist wie eine kleine Oase, in der wir Freude erleben und Kraft schöpfen können. Das Leben hört einfach nicht auf, komische Seiten zu haben, nur weil jemand stirbt. Das heißt nicht, Trauer und Weinen auszuklammern. Im Gegenteil, wer lacht, bringt seine Gefühle zum Fließen und kann so auch leichter weinen. Lachen und Weinen lösen die Erstarrung.

Haben Sie nicht Sorge, am Tag des Vortrages alleine dazustehen?
Die Sorge habe ich immer, egal, über welches Thema ich spreche! Aber bei diesem Thema war ich eigentlich noch nie allein. Viele Menschen sind sehr dankbar, wenn sie erfahren: Du darfst auch mal lachen, wenn dir eigentlich zum Heulen ist. Das gehört auch zum Leben. Humor und Lachen helfen dabei, sich nicht in der Trauer zu verlieren und selbst im Sterben noch heitere, schöne Momente zu erleben.

Kennen Sie die Region Elbe-Elster? Ist Ihnen wichtig zu wissen, wie die Region "tickt", in der Sie Ihren Vortrag halten?
Ich war schon in Bad Liebenwerda. Ich vermute, dass die Menschen in der Region Elbe-Elster genau so vielfältig und unterschiedlich sterben wie in anderen Regionen. Interessieren würde mich, wieviele Hospize es in der Region gibt.

Welches Publikum wünschen Sie sich? Und welches Publikum haben Sie bisher für diesen Vortrag begeistert?
Bisher ist noch niemand während meines Vortrages gestorben, von daher wünsche ich mir, dass das Publikum auch in Zukunft meine Vorträge überlebt. Andererseits, ich halte Workshops und Vorträge auch in Hospizen. Und da hat sich so mancher kurz danach für immer verabschiedet. Ich glaube, letztlich kann sich jeder für das Thema begeistern, der über Sterben und Tod, über den Wandel nachdenkt. Insbesondere Menschen, die schwer erkrankt sind. Und Angehörige, die trauern, weil sie jemand Vertrautes begleiten oder verloren haben.

Gab es nach den Vorträgen schon Reaktionen von Zuhörern, die Ihnen für diese Art der Trauerarbeit gedankt haben?
Ich erlebe immer wieder, dass Menschen auf mich zukommen und mir lustige Geschichten erzählen, die sie selbst erlebt haben. Zum Beispiel über den Pfarrer, der mit dem gesamten Leichenzug im Schlepptau den Friedhof verwechselte und vor einer falschen Grube stand. Manche der Trauernden kriegten sich nicht mehr ein vor Lachen und die Ehefrau des Verstorbenen meinte: "Typisch, mein Horst, der konnte sich nie entscheiden."

Was sollten Zuhörer zu Ihrem Vortrag mitbringen, was vielleicht besser zu Hause lassen?
Wenn jemand eine Clownsnase, ein lachendes Skelett oder einen guten Witz mitbringt, dann her damit. Und zuhause lassen? Vielleicht die Angst, es könnte Unglück bringen, angesichts des Todes zu lachen.

Haben Sie eigentlich Angst vor dem Sterben?
Ja, natürlich. Weniger vor dem Tod, denn der bleibt für mich offen. Doch durch das Sterben muss ich wie jeder andere hindurch. Dies bedeutet, ich muss mit Verlusten umgehen, mit Schmerzen, Einsamkeit und Angst. Sterben kann einfach sein, kann sich aber auch lange hinziehen. Im Hospiz erlebe ich manchmal ein sehr leidvolles Sterben. Andererseits liegt in dieser Zeit auch eine große Chance, denn Leid und Trauer helfen uns zu reifen. Ich hoffe, dass mich Menschen mitfühlend und humorvoll begleiten und mit mir lachen.

19. März, 15 Uhr Seniorenakademie an der Volkshochschule Elsterwerda neben dem Elsterschloss-Gymnasium.

Zum Thema:
Macht Lachen schön? 223 Fragen (und Antworten) rund um Humor, Witz und Lachen - so heißt das gerade erschienen neue Buch von Harald-Alexander Korp. In der Beschreibung heißt es: Können Lachen und Humor heilen? Haben Männer und Frauen den gleichen Humor? Was sind Killerclowns? Lässt sich mit Lachen abnehmen? Wie verändert sich Humor im Alter? Warum lacht Jesus, als man ihn kreuzigen will? Worüber lächelt Buddha? Haben Tiere Humor? Wie kann ich Lachen trainieren? Diese und viele weitere Fragen finden Sie in diesem amüsanten und lehrreichen Buch. Neueste Erkenntnisse werden in Frage- und Antwortform verständlich zusammengefasst, begleitet von witzigen und humorvollen Geschichten. Praktische Übungen ermuntern zum Training. Ein Buch für alle, die wissen wollen, wie Lachen und Humor funktionieren, wie sie am besten anzuwenden sind und die sich beim Stöbern amüsieren wollen.