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Kommunalpolitik
Offizielles und Getuscheltes

Bad Liebenwerda könnte der Verwaltungssitz der Kurstadtregion werden. Foto: Manfred Feller
Bad Liebenwerda könnte der Verwaltungssitz der Kurstadtregion werden. Foto: Manfred Feller FOTO: Manfred Feller / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Falkenberg. Was sich die Vertreter der vier Städte der Kurstadtregion am Dienstag zu sagen hatten.

Es lag Brisanz über der Sitzung der Vertreter der Kurstadtregion am Dienstagabend im Haus des Gastes in Falkenberg, nachdem Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (CDU) die Abgeordneten der Kurstadt über künftige Verwaltungsstandorte informierte, obwohl die so aus der „großen Runde“ noch gar nicht abgesegnet waren. „Dieser Versuch von Verwaltungsdiktatur ist mit uns nicht zu machen“, erboste sich daraufhin Thomas Lehmann, CDU-Abgeordneter aus Uebigau-Wahrenbrück.

 Es ist 21.55 Uhr, als Falkenbergs Bürgermeister Herold Quick, gegenwärtig Sprecher der vier Städte der Kurstadtregion (Bad Liebenwerda, Mühlberg, Uebigau-Wahrenbrück und Falkenberg) die RUNDSCHAU über den Verlauf der Sitzung informiert. Demnach habe man sich klar die Meinung gesagt. „Thomas Richter und Thomas Lehmann haben sich erklärt. Das Ganze hat nur ganz kurz eine Rolle gespielt und ist jetzt abgehakt“, erklärt Herold Quick und will dazu nicht mehr sagen. Die künftigen Verwaltungsstandorte hätten in der Sitzung eine untergeordnete Rolle gespielt. Die Teilnehmer – Hauptausschuss-Mitglieder und die Verwaltungsspitzen der vier Städte – hätten die Runde genutzt, um viele offene Fragen, unter anderem zur inhaltlichen Ausrichtung der Bürgerämter, zu klären. Dabei sei deutlich geworden, so Herold Quick, dass der Redebedarf enorm sei. Deshalb werde die Verwaltungsstruktur nun doch nicht so schnell festgezurrt, wie ursprünglich geplant. Es werde am 14. November zunächst eine weitere Sitzung des Kooperationsrates, dann einen Sonderausschuss und schließlich nicht wie geplant Ende November, sondern später eine gemeinsame Stadtverordnetenversammlung geben. „Da wollen wir dann über die Verwaltungsstruktur entscheiden und klar festlegen, wo wie was stattfinden wird“, so Herold Quick.

Mit Ross und Reiter hätte die RUNDSCHAU an dieser Stelle gern Positionen aus allen vier Städten zum momentan erreichten Arbeitsstand erläutert. Jedoch habe sich das Gremium darauf verständigt, keine einzelnen Statements abzugeben. Dies bleibe dem Sprecher der Kurstadtregion vorbehalten. Die RUNDSCHAU hat freilich dennoch Abgeordnete und Verwaltungsbedienste kontaktiert und nennt sie an dieser Stelle, um keine Rückschlüsse auf die Person zuzulassen, unabhängig vom Geschlecht „Teilnehmer“.

So berichtet „Teilnehmer 1“, dass die Runde sehr wohl ihr Unbehagen gegen die vorschnellen Äußerungen von Thomas Richter geäußert habe. Dessen Begründung, er müsse seine Abgeordneten bei einem möglichen Umbau des Rathauses rechtzeitig mitnehmen, sei nur begrenzt akzeptiert worden.

„Teilnehmer 2“ erklärte, dass Thomas Lehmann von seinem Vorwurf der „Verwaltungsdiktatur“ zurückgetreten sei und die als vorschnelle „emotionale Reaktion“ bezeichnet habe.

„Teilnehmer 3“ atmete auf, als er sagte, „wir haben zum ersten Mal in großer Runde alles das ausgekippt, was mal gesagt werden musste.“ Die kritische RUNDSCHAU-Berichterstattung, so „Teilnehmer 3“ weiter, sei in diesem Prozess hilfreich gewesen. Die habe am Dienstagabend entscheidend zur „sehr offenen und dennoch sachlichen Diskussion“ geführt. Insgesamt, so meinten die „Teilnehmer“ trotz verhängtem „Maulkorb“, sei deutlich zu erkennen gewesen: „Alle wollen die Kurstadtregion.“ Das untersetzte „Teilnehmer 1“ noch, indem er erklärte: „Wir wollen eine schlagkräftige Verwaltung.“

Nächster Schritt, darüber informierte Herold Quick als Sprecher des Kooperationsrates wieder ganz offiziell, sei nun die Schaffung einer einheitlich IT-Struktur in allen Verwaltungen. „Wir haben beschlossen, uns dazu externe Berater zu suchen.“ Eins sei auch sicher: Alle jetzigen Rathäuser, auch der Verwaltungssitz in Wahrenbrück, würden erhalten bleiben. Und ohne darüber direkt befunden zu haben, scheint auch sicherer, dass Bad Liebenwerda und Falkenberg Hauptsitze in der Kurstadtregion werden und Uebigau, Wahrenbrück und Mühlberg schlagkräftige Bürgerämter erhalten sollen.