Thomas Richter ist nicht nur Bürgermeister der Kurstadt Bad Liebenwerda, sondern für vier Jahre auch berufener Vorsitzender des Brandenburgischen Kurorte- und Bäderverbandes. Als er im Frühjahr des vergangenen Jahres sein Amt antrat, merkte er nach eigenen Worten relativ schnell: "Wir schmoren im eigenen Saft." Dem brandenburgischen Verband gehören acht Kurorte an. Damit ist er bundesweit einer der kleinsten. "In Ministerien erfuhren wir nicht immer die Wahrnehmung, die wir uns gewünscht hätten. Unsere Schlagkraft war zu gering", berichtet Thomas Richter und sagt, dass es bereits einmal vor fünf, sechs Jahren eine länderübergreifende Zusammenarbeit - damals mit Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - gegeben habe. Doch die sei eingeschlafen. "Das war nicht gut", sagt Thomas Richter und hat sich vor den Karren gespannt.

Mit Erfolg. Im Sächsischen Heilbäderverband und im Heilbäder- und Kurorteverband Sachsen-Anhalt rannte er offene Türen ein. Helfried Böhme, Geschäftsführer des sächsischen Verbandes: "Wir sind alle drei eher kleine Bäderländer im Vergleich zu Bayern und Baden-Württemberg. Aber der Wettbewerb um die Gunst der Patienten und Menschen, die präventiv kuren möchten, wird härter."

Und wie sollen nun die Kräfte gebündelt werden? "Das beginnt bei ganz normalen Marketingfragen, Auftritten auf Messen, einem gemeinsamen Katalog, den wir herausgeben wollen, und geht bis zu Seminaren und Weiterbildungen, die wir im größeren Rahmen veranstalten und für mehr Interessierte nutzbar machen wollen", sagt Helfried Böhme.

Und er unterstreicht: "Seit Patienten immer mehr von ihrer Wahlfreiheit bei der Auswahl von Kurorten Gebrauch machen, müssen sich diese auch besser darstellen, wenn sie im Konzert mitspielen wollen." Viele Kurorte, die einst von kassenfinanzierten Kuren gut lebten, müssen heute umstellen. Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter sagt, dass seine Stadt genau auf diese Veränderungen mit dem beabsichtigten Gesundheitshotel reagiere. Gert Sauer, der geschäftsführende Vorsitzende des sachsen-anhaltinischen Verbandes, sagt es mit einfachen Worten: "Angesichts immer weniger Geld, das Kurorten zur Verfügung steht, müssen wir Kräfte bündeln." Er setzt besonders auf den Erfahrungsaustausch und glaubt, dass trotz Mitbewerberschaft ein konstruktives Miteinander zum Wohle aller möglich ist.

Das sieht auch sein sächsischer Kollege so: "Es ist gut, wenn wir über den Tellerrand schauen und überhaupt kein Problem, Angebote weiterzuempfehlen, die wir selber nicht haben." Thomas Richter will in Brandenburg "richtig Betrieb machen", wie er sagt. Deshalb hätte sich der Brandenburger Verband auch geöffnet. "Es gibt im Land 17 prädikatisierte Erholungsorte, die bislang aufgrund ihres Status nicht Mitglied im Kurorteverband waren. Das wollen wir ändern. Wir haben allen 17 Orten angeboten, ein Jahr lang beitragsfrei mitzuwirken und sich danach zu entscheiden."

Am 14. November soll beim ersten gemeinsamen Landesbädertag in Bad Düben mit der Kooperationsvereinbarung ein neues Kapitel aufgeschlagen werden.

Kommentar: Wenn's nicht auf dem Papier bleibt

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Zum Brandenburgischen Kurorte- und Bäderverband gehören ausschließlich Kurorte - acht an der Zahl. Der Sächsische Heilbäderverband vereint 15 Kurorte, einige Rehakliniken und Wellnesseinrichtungen. Insgesamt zählt er 35 Mitglieder. Der Heilbäder- und Kurorteverband Sachsen-Anhalt zählt zwölf Mitglieder, darunter Kurorte, Kliniken und Heilbäder.