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| 16:36 Uhr

Kunstprojekt „Paradies 2” begeistert Plessa

Drei Tage hatten die Mitarbeiter der IBA und einer Berliner Eventfirma im Vorfeld damit zu tun, etwa 300 Lichtelemente verschiedener Größenordnungen mit 10.000 Meter Kabel zu verknüpfen.
Drei Tage hatten die Mitarbeiter der IBA und einer Berliner Eventfirma im Vorfeld damit zu tun, etwa 300 Lichtelemente verschiedener Größenordnungen mit 10.000 Meter Kabel zu verknüpfen. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Plessa. Der Ort hat sich und seine Gäste am Samstagabend angesichts Zehntausender Blumen, einer Straße des Lichts aus unzähligen Kerzen, Feuern und Scheinwerfern wie auch mit einem mittels Licht- und Toninstallation in seinen arbeitenden Betriebszustand verwandelten Kraftwerk in einen Rauschzustand versetzt. Das Kunstprojekt „Paradies 2“ im Rahmen des IBA-Finales zog viele Menschen an. Veit Rössler

Bereits am frühen Nachmittag versank das Kulturhaus in einem Meer aus Tausenden Blüten, die neben einem Blumengroßhandel von vielen Plessaern mitgebracht wurden. Der Obst- und Gartenbauverein hatte bereits am Mittwoch begonnen, die Grünfläche vor dem Kulturhaus mit Absperrbändern in die Form einer Sonne zu bringen. Ab Freitagvormittag wurden die über die IBA von einem Großhandel angelieferten Pflanzen aus den heimischen Gärten gleichmäßig verteilt. Ab Samstagnachmittag galt es dann, weitere Blumen der Gäste ebenfalls in das entstehende Kunstwerk zu integrieren. Die Menge der Blumen war so groß, dass auch die Nebenräume, der Saal und die Bühne im Innern des Kulturhauses mit geschmückt werden konnten. „Sehr gut gestaltet“, brachte es Christina Kurz aus Döllingen auf den Punkt. Sie kam mit einem Hut voller Dahlien nach Plessa. „Großes Lob“, war auch von Ingrid Glöckner aus Hohenleipisch zu hören, als sie einen bunten Blumenstrauß bei Mitgestalterin Christine Alkier ablieferte. „Ich bin mehr als zufrieden, 50 Prozent über die Plessaer, 50 Prozent über das herrliche Wetter und noch mal 100 Prozent über das Ergebnis“, freute sich Bürgermeister Gottfried Heinicke am Rande der Blütenpracht. Die soll einerseits ab Montag für 50 Cent pro Pflanze zu Gunsten des Kulturhauses verkauft und zum anderen am 9. Oktober beim Festakt „50 Jahre Kulturhaus“ als Innenschmuck dienen. Während die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr die Bahnhofstraße mit tausenden zuvor ausgelegten Kerzen in eine „Start- und Landebahn“ verwandelten, stimmte Bettina Weinhold unter der Kastanie vor dem Kulturhaus die Strophen des Heimatliedes an.

18 Großscheinwerfer

Im Schein der Fackeln und von Musikanten angeführt zog der Tross dann in Richtung Kraftwerk, vorbei an den von Großräschener Schülern gebastelten „Weißen Hirschen der Lausitz“ und der Lichtinstallation des THW-Herzberg. Insgesamt sechs Kameraden hatten hier 18 Großscheinwerfer aufgebaut, die einen Baustein der Kunstinstallation darstellten. Vom gleißenden Licht der Scheinwerfer kommend lag nun die von Lichtstrahlern angeflutete, gigantische Kulisse des Kraftwerkes vor den Teilnehmern des Umzuges. Während aus dem Innern lautes, monotones Dröhnen zu hören war, hüllten Dampfschwaden die alten Kühltürme ein. Die heute teilweise fehlende Beplankung der Türme, die den Dampf auch seitlich entweichen ließ, trug noch zur Mystik bei. „Das sah früher bei starkem Wind genau so aus“, stimmten Andreas Schmidt und Gerhard Winkler aus Plessa einander zu. Ebenfalls drei Tage hatten die Mitarbeiter der IBA und einer Berliner Eventfirma im Vorfeld damit zu tun, etwa 300 Lichtelemente verschiedener Größenordnungen mit 10 000 Meter Kabel zu verknüpfen. Während viele Besucher den Ursprung der martialischen Geräusche in Lautsprecherboxen vermuteten, waren die jedoch vor Ort handgemacht. Neben Yu Ohtani, Master Student Of Architecture & Urbandesign an der Chiba Universität Japan, trommelten Daniela Heinicke und Thomas Weihnhold aus Plessa mit Paukenschlägeln auf schallintensive Gebläsehauben. „Der Versuch ist geglückt, wir bekommen nur positive Stimmen“, sagte Jürg Montalta, der Künstlerische Leiter von „Paradies 2“ am Rande der Veranstaltung.

IBA-Chef ist begeistert

„Toll, ich habe nicht gedacht, dass so viele Leute kommen und gestaunt, dass die alle in das Kraftwerk passen“, meinte der IBA-Geschäftsführer Prof. Dr. Rolf Kuhn. „Super! Das war nicht zu erwarten, dass es so eine Resonanz gibt. Ich schätze, es waren bis zu 2000 Gäste. Ich hoffe, dass sich die Spannungen zwischen Kraftwerk und Kulturhaus nun etwas gelegt haben und manche Leute zum Umdenken bereit sind. Wenn auch etwas statisch jeder seinen Bereich bearbeitet hat, so arbeiten wir doch alle zusammen“, meinte der Plessaer Wolfgang Alkier, Mitglied im Kraftwerksverein.