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| 12:49 Uhr

Im Bürgerhaus Bad Liebenwerda
Es gilt wieder: Lachen bis der Arzt kommt

  Herr Holm beim vergangenen Auftritt in Bad Liebenwerda.
Herr Holm beim vergangenen Auftritt in Bad Liebenwerda. FOTO: Frank Claus
Bad Liebenwerda. Das „Behandlungszimmer“ ist nach längerer Flaute das Bürgerhaus in Bad Liebenwerda. Kartenverkauf hat begonnen. Von Frank Claus

Endlich! Die Kurstadt hat sie wieder, diese ganz besondere Therapie. Ein Rezept ist nicht nötig und das Behandlungszimmer groß genug für knapp 200 „Patienten“. Regelmäßige Anwendungen sind garantiert. Die Medizin selbst wirkt mit Sicherheit: Lachen bis der Arzt kommt.

Nach flauen Monaten mit zumeist flauen Programmen legt sich die Sparkasse Elbe-Elster mit ihrer Kulturreihe im Bad Liebenwerdaer Bürgerhaus wieder richtig ins Zeug. „Chefarzt“ Jürgen Riecke, im wahren Leben Sparkassenvorstand, hat im Übrigen immer vehement bestritten, dass die Bank sparen müsse, seit klar sei, dass die Stadthalle in Finsterwalde gebaut und sie dort mit Sicherheit mithelfen wird, dass die „Nährlösung“ nicht versiegt.

Und die Chancen, so Sparkassenvorstandsmitglied Frank Prescher, stehen gut, dass auch die Bürgerhaus-Gastronomie wieder aus der Narkose erwacht. Dabei, das räumen die Sparkassen-Verantwortlichen ein, hätten sie nicht vermutet, dass es so schwer werden würde, geeignete Nachfolger zu finden. Und das trotz bundesweitem Marketing auf verschiedenen Kanälen. Bewerber habe es einige gegeben. Doch der Wunsch der Sparkasse, das ganze Haus zu bespielen, habe wohl abgeschreckt. Jetzt stünde die Bank erneut in hoffnungsvollen Gesprächen.

  Wladimir Kaminer
Wladimir Kaminer FOTO: Silje Risse

Davon unabhängig will die Sparkasse beim Kulturprogramm wieder richtig Gas geben und vorübergehend mit einem Caterer die Bewirtung sicher stellen. René Stolpe, der dafür den Hut auf hat, kennt sich längst aus in der Branche. „Es ist beileibe nicht einfach, gute und zugleich bezahlbare Programme für ein Haus mit knapp 200 Sitzplätzen zu bekommen“, sagt er. An der Angel habe er noch so manch anderen Künstler gehabt. Einige hätten ihm sofort gesagt, dass sie nur in Häusern mit 400 Plätzen aufwärts spielen würden, andere eine unverschämt hohe Gage verlangt. Die daraus resultierenden Eintrittspreise wären der Region nicht zuzumuten, sagt René Stolpe. Und dennoch habe er ein attraktives Programm für viele Geschmäcker stricken können. Einige Auszüge:

  Piet Klocke
Piet Klocke FOTO: Frank Claus

Emmi und Willnowsky kommen auf vielfachen Wunsch – alle bisherigen Programme waren ausverkauft – erneut nach Bad Liebenwerda. Ob es ihre schlüpfrigen Scherze sind, die da besonders locken? Emmi und Willnowsky erklären diesmal, wie sie unsere Fußball-Nationalmannschaft aus der Krise holen wollen, und wie sie alle Unwägbarkeiten bei Flugreisen beseitigen werden. Wie in Erfahrung zu bringen war, ist ihr „Ehealltag“ weiter turbulent geblieben.

   Emmi und Willnowsky
 Emmi und Willnowsky FOTO: Sker Freist

Humor, aber ganz anderer Art – den hat der lange Schlaks, der mit seinen dünnen Armen rudert, als wolle er als Fluglotse den Airbus auf dem Bürgerhaus-Dach landen lassen. Seminarleiter Piet Klocke, so heißt es in der Ankündigung, spricht über Hummeln, Evolution („Wenn Sie da mal ne Telefonnummer hätten ...“), den Unterschied zwischen Adam und Eva, die Kreuzzüge, die Emanzipation und auch über Kultur: „Hat noch niemand geschadet. Ist nur die Frage, wer‘s hinterher wegwischt.“ Klocke beherrscht die Kunst der immer währenden Assoziation, ist ein Meister des gebrochenen Wort-Versprechens, reißt einen Gedanken an, um mit dem nächsten Wort schon wieder weiter gestolpert zu sein. Klingt anstrengend, ist aber ein steter Quell der Freude. Und die Themen? „Ach, die liegen doch eh auf der Straße.“

Claus Theo Gärtner ist zum ersten Mal in Bad Liebenwerda, die meisten kennen ihn eh nur als Matula. Er war immer das Raubein in „Ein Fall für zwei“. Die 300. Folge der ZDF-Krimiserie war seine letzte – jetzt erzählt er charmant von seinem Leben vor und hinter der Kamera, von seinen Macken und denen seiner Kolleginnen und Kollegen.

 Sissi Perlinger
Sissi Perlinger FOTO: Steffen Rasche

Premierengast ist auch Lisa Fitz. Sie flüstert ihrem Publikum gute Ratschläge zu: „Das Gehirn ist keine Seife, es wird nicht weniger, wenn man es benutzt!”, ist so ein Ausspruch von ihr. Sie kämpft in ihrem Programm gegen die allgemeine Volksverdummung, selten belehrend, aber immer knallhart.

Auch die Bajuwarin Sissi Perlinger hat René Stolpe an die Elster gelockt. Und das will was heißen, hat sie doch auch schon in New York, Los Angeles und Paris gelebt.

Sissi, so heißt es auf ihrer Internetseite, ist ein musikalisches Ein-Frau-Orchester und begleitet ihre virtuose dreieinhalb Oktaven-Stimme, indem sie Gitarre und gleichzeitig Schlagzeug spielt, und untermalt ihre poetischen Texte mit einer geballten Ladung grooviger Rhythmen.

Sissi Perlinger gibt in ihrer neuesten Bühnenshow „Worum es wirklich geht“ tiefgründige, hochphilosophische, urkomische und politisch ordentlich unkorrekte Anregungen, sich über den wahren Sinn des Lebens Gedanken zu machen. Sie schmeißt mit Weis- und Wahrheiten derart rasant um sich, dass man vor lauter Lachen ganz vergisst, dass es sich um eben solche handelt.

Jetzt heißt es sputen – für einige Programme gibt es schon Karten.