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| 16:55 Uhr

Schulmusik
Ohne Pauken, aber mit Trompeten

Bläserklasse der Grundschule Plessa mit Kreismusikschullehrerin Andrea Müller
Bläserklasse der Grundschule Plessa mit Kreismusikschullehrerin Andrea Müller FOTO: Manfred Feller / LR
Plessa. Bläserklassen aus Plessa und Sonnewalde üben auf Schloss Boitzenburg und spielen in Potsdam.

Für etwa 380 Kinder aus 18 Brandenburger Bläserklassen ist es das Ereignis des Jahres. Zum achten gemeinsamen Konzert kommen sie nach den Probentagen auf Schloss Boitzenburg in der Uckermark am Sonnabend in Potsdam zusammen. Mit dabei sind die älteren Schüler der einzigen Bläserklassen in Elbe-Elster aus Plessa und Sonnewalde. Das Besondere: Für die Mädchen und Jungen der Klassenstufen 4 und 5 an den zwei Grundschulen ist der Instrumentenunterricht ein Pflichtfach.

Schon von draußen ist zur Mittagszeit zu hören, dass in dem alten Gebäude der Lindenschule in Plessa geprobt wird. Was in die Ohren dringt, klingt ganz gut. Und das, obwohl die Fünftklässler erst seit etwas mehr als einem Jahr mit dem ihnen zugeteilten Instrument üben. Manch einer hätte gern etwas anderes gespielt, doch in der Summe muss es eben ein Orchester ergeben. „Ginge es nach den Wünschen, dann hätten wir jede Menge Querflöten, reihenweise Saxophone und viele Schlagzeuge. Das klingt nicht“, schmunzelt Andrea Müller.

Die Lehrerin für tiefes Blech an der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ dirigiert die Schüler und zwei unterstützende gestandene Musiker mit vollem Körpereinsatz. Noch ein paar Takte, dann ist Schluss für heute. „Das ist eine tolle Klasse“, lobt sie. „Wir sind dabei, die ersten zwei einfach zu spielenden Weihnachtslieder einzustudieren“, sagt sie. Der Titel „Jingle Bells“ hat nur fünf und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ nur sechs Töne. Das passt, weil die erste Tonleiter acht Töne umfasst und schnell erlernt ist.

„Wenn wir das erste Mal zusammenspielen und die Stücke gut klingen, dann sind alle mächtig stolz“, spürt die Lehrerin die wachsende Motivation trotz anfänglicher Skepsis bei vielen Schülern und auch bei manchen Eltern. Spätestens dann hätten sich auch die Letzten mit ihrem Instrument angefreundet.

Stimmt das wirklich? Der elfjährige Lorenzo aus Schraden gibt zu, dass ihm die Tuba mehr oder weniger aufgedrückt worden ist. Keiner wollte das mächtige Blech spielen. Das Horn wäre ihm lieber gewesen. Doch jetzt komme er mittelprächtig damit zurecht, wie er sagt. Er möchte eigentlich nicht mehr davon lassen: „Ich will weiter Musik machen, gern auch mit der Tuba.“ Manch einem muss man eben zu seinem Glück zwingen.

Dagegen hält Luisa aus Plessa ihr Wunschinstrument in den Händen - eine Querflöte. „Mir macht es Spaß“, versichert sie. Bis auf den Bruder, der mal am Schlagzeug saß, mache zu Hause keiner Musik. Aber die Eltern seien schon stolz, wenn Luisa spielt. „Vielleicht gehe ich später zur Musikschule“, ist die Elfjährige noch unsicher. Schaden kann dies nicht. Denn musische Bildung stärkt die Persönlichkeit und hilft indirekt beim Lernen in anderen Fächern.

Mit dem Saxophon, dem Trauminstrument vieler, üben Jolina aus Plessa und Lotte aus Staupitz. „Das ist gar nicht so schwer zu spielen“, sagen die beiden übereinstimmend. Nach den zwei Jahren Pflichtunterricht an der Grundschule wollen sie eher nicht weitermachen.

Von den 17 Schülern der 5. Klasse in Plessa werden vielleicht vier oder fünf anschließend zur Musikschule gehen, weiß Lehrerin Andrea Müller. Das sei der Durchschnitt der bisherigen Bläserklassen. „Viele haben mit der Schule und in Sportvereinen genug zu tun. Da ist die Zeit auch wegen der zum Teil weiten Fahrwege knapp“, bedauert sie.

Mit Frank Werner am Saxophon und Bernd Gärtner an der Posaune unterstützen zwei erfahrene Musiker den Unterricht in Plessa. Beiden bereitet dies viel Freude, auch wenn sie nun schon zum siebten Mal mit einer 4. Klasse ganz von vorn anfangen. „Die Kinder lernen schneller als gedacht“, schwärmt Frank Werner. Er und Bernd Gärtner haben die Hoffnung, dass der eine oder andere Schüler eines Tages das Orchester der Bergarbeiter verjüngen und verstärken wird. Teilweise sei dies bereits gelungen.

Jetzt fiebern alle dem Konzert mit dem großen Brandenburger Bläserklassenorchester am Sonnabend in Potsdam entgegen. Eltern, die das erlebt haben, ändern ihre kritische Meinung zum Pflichtunterricht, weiß Frank Werner.

Bläserklasse der Grundschule Plessa mit Kreismusikschullehrerin Andrea Müller
Bläserklasse der Grundschule Plessa mit Kreismusikschullehrerin Andrea Müller FOTO: Manfred Feller / LR