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| 18:07 Uhr

Aus dem Kreismuseum Bad Liebenwerda
Annabell Schultze erforscht die Geschichte der Mini-Burg

Während Annabell Schultze (links) ein Foto des Festumzuges aus dem Jahr 1955 zeigt, präsentiert ihre Großmutter Hannelore Schultze eine Abbildung des Schlosses auf einem Stich von Baumeister Karl Jost aus dem Jahr 1934.
Während Annabell Schultze (links) ein Foto des Festumzuges aus dem Jahr 1955 zeigt, präsentiert ihre Großmutter Hannelore Schultze eine Abbildung des Schlosses auf einem Stich von Baumeister Karl Jost aus dem Jahr 1934. FOTO: Veit Rösler
Bad Liebenwerda. Das Modell des alten Liebenwerdaer Schlosses gehört zu den beeindruckendsten Ausstellungsstücken des Bad Liebenwerdaer Museums. Seit Jahrzehnten wird es kontinuierlich gezeigt, vermittelt es doch eine Vorstellung von der alten mittelalterlichen Anlage um das Museum, von der heute nur noch die Reste des Lubwartturmes zu sehen sind. Die für ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst noch bis Ende September hier tätige Museumsmitarbeiterin Annabell Schultze hat jetzt die Geschichte der Mini-Burg erforscht, gehört diese doch auch zu ihrer eigenen Familiengeschichte. Von Veit Rösler

Demnach hat das Modell ihr am 7. Januar 1888 geborener Ur-Ur-Großvater Carl Schaffner gebaut. Dieser war neben seinem erlernten Beruf als Handwerksmeister im Elektrohandwerk auch leidenschaftlicher Bastler und Modelleisenbahnbauer. Dafür unterhielt Carl Schaffner eine mit Werkzeugen üppig ausgestattete Hobby-Werkstatt. Für viele Bad Liebenwerdaer Familien hat Carl Schaffner neben seinem Beruf bis zu seinem Lebensende im Jahre 1969 Modelleisenbahnen konstruiert, gebaut und repariert. Als Rentner konnte er sein Hobby mit voller Hingabe ausleben.

Der Vater der 19-jährigen Annabell – Bernd Schultze – kannte die Zusammenhänge mit seinem Ur- Großvater noch und auch an das Schloss-Modell kann er sich erinnern. Mit dem Start ihres Bundesfreiwilligendienstes bekam Annabell von ihrem Vater den Auftrag, bei dieser günstigen Gelegenheit nach dem alten Schloss im Spielzeugformat im Museum Bad Liebenwerda Nachforschungen anzustellen. Auch die Großmutter von Annabell, die 77-jährige Hannelore Schultze, beteiligte sich an den Recherchen.

Bei ihren Nachforschungen sind Annabell Schultze auch alte Fotos in die Hände gefallen, auf denen das Modell auf einem Umzugswagen mit der Nummer 6 bei einem Festumzug zusammen mit Rittern in der Torgauer Straße zu sehen ist. Die Vermutung gehe dahin, so der wissenschaftliche Mitarbeiter des Museums Ralf Uschner, dass Carl Schaffner aufgrund seiner sicher weithin bekannten Modellbauleidenschaft im Auftrag des damaligen Museumsleiters M. Karl Fitzkow gehandelt hat. Das Modell stelle für das Museum einen hohen ideellen Wert dar.

In dem Modell der alten Liebenwerdaer Niederungsburg zur Sicherung des Flussüberganges dürften einige Wochen intensiver Arbeit und vor allem auch große Leidenschaft stecken. Zu sehen sind das Vorderschloss und das Hinterschloss, deren Teile über 800 Jahre alt sein sollen. Vorlage für die Rekonstruktion war wohl ein Stich von Baumeister Karl Jost aus dem Jahre 1934, auf dem das Schloss Liebenwerda in einer Rekonstruktion nach Dillich in einem Zeitraum nach dem Umbau von 1568 bis 1628 zu sehen ist. Der auf den jetzt von Annabell Schultze aufgefundenen alten Bildern abgebildete Festumzug anlässlich des Stadtfestes „650 Jahre Stadt Liebenwerda – 1304“ hat ein Jahr nach dem eigentlichen Jubiläum 1955 stattgefunden.

Da das Modell-Schloss auf dem alten Foto von 1955 nur spärlich zu erkennen ist, wird jetzt nach weiteren Bildern von diesem Umzug gesucht. Wer noch Bilder hat, vielleicht sogar mit der Abbildung des Modells, sollte diese dem Bad Liebenwerdaer Museum zeigen. Diese könnten dann sogar in einem Buch landen, denn Annabell Schultze hat ein Kapitel des nächsten Heimatkalenders verfasst, der vor dem Jahreswechsel in den Verkaufsstellen der Region erscheinen soll.

Nach ihrem Bundesfreiwilligendienst beginnt Annabell Schultze im Herbst mit ihrem Lehramtsstudium in den Fächern Musik, Mathematik und Deutsch. Für sie wird jetzt vom Museumsverband eine würdige Nachfolge gesucht – ein Jugendlicher, der nicht älter als 25 Jahre sein sollte.