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| 12:47 Uhr

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Keine der 11 700 Krabat-Karten für einen großen Fan aus Hirschfeld

 Die Krabatfestspiele in Schwarzkollm sind seit Jahren ein Publikumsmagnet. Doch an Karten zu kommen, ist sehr schwer.
Die Krabatfestspiele in Schwarzkollm sind seit Jahren ein Publikumsmagnet. Doch an Karten zu kommen, ist sehr schwer. FOTO: LR / Anja Hummel
Hirschfeld/Schwarzkollm. Susanne Pfennig aus dem Schradenland wollte so gern das Krabat-Theaterstück in Schwarzkollm sehen. Doch an die Karten war kein Rankommen. Warum aus ihrer Enttäuschung plötzlich Verständnis wird.

In Anlehnung an die sorbische Sagengestalt Krabat könnte man sagen: Susanne Pfennig aus Hirschfeld im Schradenland hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um einmal die berühmten Krabatfestspiele im sächsischen Schwarzkollm erleben zu dürfen. Sie hatte von ihrer Tochter erfahren, dass der telefonische und Onlineverkauf eines Großteils der fast 12 000 Eintrittskarten am 14. Januar beginnen sollte. Überpünktlich haben es dann beide versucht – am Telefon und im Internet. Susanne Pfennigs Tochter sei guten Mutes gewesen, weil sie bereits ein ums andere Mal begehrte Konzertkarten über das Internet ergattern konnte.

Doch dieses Mal war zwei Tage lang kein Durchkommen. „Ich bin den ganzen Tag einfach nicht reingekommen in die Hotline. Es war immer besetzt“, war sie zunächst sehr enttäuscht. Und das Online-Bestellformular sei nicht greifbar gewesen, um es ausfüllen und abschicken zu können. „Ich war richtig sauer“, beschreibt die Hirschfelderin nach zwei Tagen ihren Gemütszustand.

In der Tat war auf dem Kartenmarkt für die Krabatfestspiele 2019 der Teufel los. Innerhalb von zwei Stunden sind am Montag alle 11 700 Karten für die 15 Vorstellungen ausverkauft gewesen. Wie Alexander Siebecke, künstlerischer Leiter der Festspiele auf RUNDSCHAU-Nachfrage mitteilt, war das Online-Kontingent innerhalb von neun Minuten vergriffen. Online sei es eine „Sache von Millisekunden“, ob Nutzer den Zugriff auf das Bestellformular bekommen oder nicht.

In diesem Jahr hatten die Organisatoren technisch aufgerüstet, so Alexander Siebecke und die Anfragen auf einen externen Server umgeleitet, der bis zu 8000 Zugriffe pro Minute verkraftet. Doch morgens hätten bis zu 9000 Nutzer pro Minute versucht, Karten zu bestellen. Der Server sei kurz zusammengebrochen, so Siebecke.

Telefonisch waren die Karten nach rund zwei Stunden vergriffen. Einzige Chance, noch an Karten zu kommen: „Einige Online-Nutzer haben womöglich mit mehreren Accounts versucht, Karten zu bestellen“, sagt Siebecke. Vielleicht gibt es noch Stornierungen oder Rückläufer. Das sei frühestens in einer Woche klar, heißt es. Die Festspiele finden vom 3. bis 21. Juli in der Krabatmühle Schwarzkollm statt.

Nachdem sich Susanne Pfennig zwei Tage vergeblich um Karten bemüht hatte, wandte sie sich per E-Mail an die Veranstalter – sachlich, aber den ironischen Unterton konnte sie sich nicht verkneifen. Tenor: „Der Kartenvorverkauf scheint ebenso magisch zu sein wie das Krabat-Stück.“

Doch der Ärger der Hirschfelderin legte sich mit der ausführlichen, zweiseitigen Antwort, die sie ziemlich schnell auf ihre vielen Fragen erhalten hatte. Darin wurde ihr ausführlich geschildert, dass hinter dem Projekt ein Verein und viele Ehrenamtliche stecken. Die Freude über die wachsende Resonanz sei zwar jedes Jahr groß, jedoch gebe es keine andere Lösung für den Vorverkauf. Diesen extern auszulagern, wäre extrem teuer. Dass viele Krabat-Freunde leer ausgehen, werde ausdrücklich bedauert. Anfragen, mittlerweile sechsmal höher als das Kartenkontingent, kämen sogar aus mehreren Bundesländern, von Reisebüros und aus dem Ausland, bis aus Schweden.

Nach dem Lesen des Briefes, diese Mühe mache sich kaum ein Veranstalter, ist bei Susanne Pfennig die Enttäuschung dem Verständnis für die Situation gewichen. Die Hoffnung, doch an Karten zu gelangen, hat sie nicht aufgegeben. Wenn es nicht in diesem Jahr klappt, dann hoffentlich im nächsten.

(mf/skl)