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Eine besondere Leidenschaft
Koßdorfer bewahren alte Landtechnik

Daraus soll wieder ein Traktor werden. Für den gelernten Schlosser Thomas Füssel aus Sachsen ist das kein Problem. Er gehört jetzt zum Koßdorfer Treckerverein.
Daraus soll wieder ein Traktor werden. Für den gelernten Schlosser Thomas Füssel aus Sachsen ist das kein Problem. Er gehört jetzt zum Koßdorfer Treckerverein. FOTO: Manfred Feller / LR
Koßdorf. Jedes Vereinsmitglied besitzt mindestens ein Gefährt. Ein Sachse verstärkt neuerdings die Maschinentruppe. Manfred Feller

Winterzeit ist Schrauberzeit. Auch bei den Traktorenliebhabern in Koßdorf. Einer, der jedes alte Ackerfahrzeug zerlegen, aufarbeiten, restaurieren und wieder zusammenbauen kann, ist Thomas Füssel aus dem benachbarten sächsischen Miniort Packisch. Der 44-jährige gelernte Schlosser und heutige Gebäudereiniger ist das dienstjüngste Mitglied der Oldtimer- und Schlepperfreunde aus Koßdorf. Wer ein technisches Problem mit seinem Alt-Traktor hat, kann künftig zu ihm in die Hobbywerkstatt kommen.

Gerade baut Thomas Füssel an einem demontierten Güldner AZK aus den 1950er-Jahren. Der gehört einem Traktorliebhaber aus der Umgebung. Das gute Stück wird im originalen Güldnergrün erstrahlen. „Abschließend nimmt der TÜV jeden aufgebauten Traktor ab“, sagt Thomas Füssel. Auch dieser Schlepper wird den Prüfersegen erhalten, da ist er sich sicher.

Daneben steht bereits ein generalüberholter McCormick 324, Baujahr 1963. Er sieht aus, als wenn er frisch vom Produktionsband gekommen ist. Die Kupplung ist neu, der Motor aufgearbeitet, die Elektrik kommt noch, der Lack ist trocken. Der Bekannte von Thomas Füssel darf sich freuen. „Das war mal ein gammeliger Haufen Schrott gewesen“, erinnert sich der 44-Jährige nur ungern. Viele Feierabende und Wochenenden eines halben Jahres stecken darin. Das Ergebnis ist ein Hingucker.

Thomas Füssel ist zu Hause mit alten Autos und Landtechnik aufgewachsen. Selbst besaß er mal sechs Traktoren - fünf Deutz und einen RS 09. Jetzt hat er lediglich den rostigen Güldner hinten in der Ecke. „Ich kann nur einen fahren“, begründet er den Abbau seines Fuhrparkes. Der Güldner G 25 bleibt so wie er als einstiges stählernes Arbeitstier abgestellt worden ist - mit Rost und Dellen und Abnutzungserscheinungen. „Vor dem nächsten Treffen wird er höchstens eingeölt“, sagt Thomas Füssel.

Draußen ist es längst dunkel und kalt. Lebensgefährtin Franziska Berg schaut mit Töchterchen Leonie (2) vorbei, damit sie ihren Liebsten auch mal zu Gesicht bekommt. „Ich habe ihn so kennengelernt“, bringt sie großes Verständnis für dessen Schrauberleidenschaft auf.

Auf eines arbeitet Thomas Füssel noch hin: die gemeinsame Hoffahrt mit seiner Tochter. Die Kleine hat bereits einen Mini-John-Deere, der noch flottgemacht werden muss.

Christian Ulke ist froh, dass die Koßdorfer Oldtimer- und Schlepperfreunde jetzt so einen versierten Schrauber in ihren Reihen haben, der vom Schweißen über die Elektrik bis hin zum Lackieren alles beherrscht.

Der Vereinschef kann sich zurücklehnen: „Ich brauche nicht zu schrauben. Meine Fahrzeuge sind fertig.“ Dazu gehört der leuchtend rote 1970er-McCormick IHC aus den USA. Restauriert, Allrad, 67 PS, 3,3 Tonnen schwer und mit Hubarm. Das gute Stück steht seit vier Jahren in der frostfreien Garage auf einem Teppich. „Der Traktor wird nur zum Holzholen und bei schönem Wetter ausgefahren“, schmunzelt der 52-jährige Oldtimerfreund.

Doch damit nicht genug. Christian Ulke besitzt auch das alte Koßdorfer Feuerwehrauto, Baujahr 1965. Der Magirus Deutz sollte unbedingt im Dorf bleiben und nicht verkauft werden. Also schlug Christian Ulke zu. „Die Feuerwehr gehört hierher“, sagt er bestimmt. „Alle freuen sich, wenn sie sie sehen.“

Das feuerrote Mobil steht mit diverser Landtechnik des Vereins und der Mitglieder in einer der gemieteten Hallen. Da gibt es Mähdrescher, vier Dreschmaschinen, alle funktionstüchtig, und Traktoren der verschiedensten Hersteller. Jeder der heute mehr als 30 Mitglieder besitze mindestens ein Gefährt. All die Technik wird bei Schauen und Vorführungen präsentiert.

Zusammengetan haben sich die ersten Koßdorfer Technikfreunde 2008. Die Agrargenossenschaft wollte zwei gewaltige K 700-Traktoren zum Schrottpreis loswerden, einen als Ersatzteilspender. Die Riesen hatten lange Zeit das Bild auf den Feldern geprägt und sollten bleiben. Es entstand eine Interessengemeinschaft mit zehn Mitgliedern. 2010 wurde der Verein gegründet. Der werkelt nicht für sich, sondern zeigt sich und organisiert große Feste mit bis zu 200 Fahrzeugen. Das 6. Treffen fand 2017 statt. Das nächste wird im Juli 2019 sein.

Macht was her: Der restaurierte Traktor McCormick ist der ganze Stolz des Koßdorfer Vereinschefs Christian Ulke.
Macht was her: Der restaurierte Traktor McCormick ist der ganze Stolz des Koßdorfer Vereinschefs Christian Ulke. FOTO: Manfred Feller / LR
Das alte Feuerwehrauto sollte unbedingt in Koßdorf bleiben. Christian Ulke hat es gewissermaßen vor dem Verkauf nach außerhalb bewahrt.
Das alte Feuerwehrauto sollte unbedingt in Koßdorf bleiben. Christian Ulke hat es gewissermaßen vor dem Verkauf nach außerhalb bewahrt. FOTO: Manfred Feller / LR