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| 21:13 Uhr

Brandschutz in der Gohrischheide
Der nächste Heidebrand wird nicht gelöscht

 Zeithains Wehrleiter Matthias Heydel hat das aktuelle Konzept zum Umgang mit Waldbränden in der Gohrischheide vorgestellt.
Zeithains Wehrleiter Matthias Heydel hat das aktuelle Konzept zum Umgang mit Waldbränden in der Gohrischheide vorgestellt. FOTO: Sebastian Schultz
Zeithain/Wülknitz. In der Gohrischheide zwischen Kröbeln, Mühlberg und Zeithain werden Wege für die Feuerwehr markiert. Zeithains Wehrleiter Matthias Heydel warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen. Von Christoph Scharf

Flammen fressen sich durch das Heidekraut vor, braungelbe Rauchwolken verdunkeln die Sicht. Dazwischen kämpfen Feuerwehrleute mit Strahlrohren gegen Glut: Solche Bilder wird es aus der Gohrischheide nicht mehr geben.

 „Wenn es dort das nächste Mal zu einem Waldbrand kommt, gilt ein Mindestabstand von 1000 Metern zwischen den Flammen und dem nächsten Feuerwehrmann“, sagt Matthias Heydel, Zeithains Gemeindewehrleiter in Wülknitz.

Dort hat man gleich zwei sensible Orte, die von einem Heidebrand betroffen sein würden: Sowohl der Ortsteil Heidehäuser mit seinem Wohnheim für Schwerbehinderte als auch eine Biogasanlage liegen direkt an dem rund 60 Quadratkilometer großen Waldgebiet.

Die Gemeinde Zeithain ist mit zwei weiteren Ortsteilen betroffen: Das von neuen Einfamilienhäusern geprägte Neudorf liegt dicht am Wald, die Siedlung Jacobsthal Bahnhof ebenfalls. Und dann wären noch drei Objekte, die sich direkt auf dem früher großflächig vom Militär genutzten Areal befinden: das Bundeswehrlager, die vor allem als Solarpark genutzte Fläche der gemeindeeigenen Gesellschaft EVGZ und das Feuerwehrmuseum mit seinen teils einzigartigen Exponaten.

Zwar war die Gohrischheide zuletzt von Bränden verschont geblieben. Die Vergangenheit hat allerdings gezeigt, dass sich dort schnell größere Einsätze entwickeln können. So hatte es dort 2011 innerhalb von vier Monaten siebenmal gebrannt.

„Viermal waren dafür offenbar festgegangene Zugbremsen verantwortlich“, sagt Matthias Heydel. Denn die vor allem von Güterzügen genutzte Bahnstrecke Riesa-Falkenberg quert die Heide komplett. Wenn dort Funkenflug entsteht, kann das bei Trockenheit schnell Folgen haben.

Drei weitere Brände allerdings dürften auf Brandstiftung zurückzuführen sein. Denn sie entstanden damals in abgelegenem Gelände, das regulär nur vom Förster und vom Schäfer betreten werden darf. Denn die Gohrischheide gilt nach jahrzehntelanger Nutzung als Schießplatz und Übungsgelände als Sperrgebiet. Überall im Boden sind Blindgänger und Reste von Bomben und Granaten verteilt.

„Bei einem Waldbrand geht davon eine unkalkulierbare Gefahr aus“, sagt der Zeithainer Wehrleiter. Kein theoretisches Problem. Heydel kann sich noch an Einsätze in dem Areal erinnern, bei denen mit donnerndem Krach plötzlich eine Erdfontäne nach oben schoss, weil im Boden etwas explodiert war.

Zwar wurden etliche Wege in der Heide für mögliche Einsätze der Feuerwehr von Munitionsresten beräumt. „Aber schon drei Meter daneben weiß niemand, was dort im Boden liegt“, sagt Heydel. Ohnehin sind die Wege so schmal, dass im Fall eines Waldbrands ein Einbahn-Straßen-System in der Heide eingerichtet werden müsste, damit sich Wasser holende Tanklöschfahrzeuge und nachrückende Kräfte nicht gegenseitig im Weg stehen.

Und ein rasches Vorwärtskommen auf den stets neu von Wildschweinen umgewühlten Pisten wäre auch illusorisch. Ganz zu schweigen davon, dass es mangels leistungsfähiger Hydranten oder Brunnen in der Heide ohnehin 25 Tanklöschfahrzeuge für eine effektive Waldbrandbekämpfung bräuchte – tatsächlich aber nur drei im näheren Umkreis zur Verfügung hat. Deshalb werde der nächste Heidebrand nicht gelöscht – damit kein Kamerad in nicht kalkulierbare Lebensgefahr gerät.

 Dennoch werde man im Fall eines Falles nicht untätig bleiben: Sollte eine Rauchentwicklung in der Heide festgestellt werden, fahre man mit geländegängigen Fahrzeugen auf Erkundung – und entscheide dann weiter.

Deshalb würden derzeit auch Wegekreuzungen in der Gohrischheide nach einem neuen System zur Orientierung der Kameraden markiert – das benötige man auch, sollte es in der Heide ein Zugunglück geben. Kommt jedoch ein Waldbrand auf ein Dorf oder ein anderes gefährdetes Objekt zu, werde man daran gehen, es mit einer sogenannten Riegelstellung zu schützen. Wenn das nicht reicht? „Dann werden die betroffenen Anlagen evakuiert“, sagt Matthias Heydel. Sicherheit gehe vor – auch die der Kameraden.

 Zeithains Wehrleiter Matthias Heydel hat das aktuelle Konzept zum Umgang mit Waldbränden in der Gohrischheide vorgestellt.
Zeithains Wehrleiter Matthias Heydel hat das aktuelle Konzept zum Umgang mit Waldbränden in der Gohrischheide vorgestellt. FOTO: Sebastian Schultz